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Ein Dorf & seine Künstler: Tiefthal

Willkommen im Künstlerdorf - sagt Clown Helmi.
Willkommen im Künstlerdorf - sagt Clown Helmi.
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In Tiefthal bei Erfurt leben aus purem Zufall etliche Künstle. Seit 15 Jahren veranstalten sie in der 1100-Seelen-Gemeinde ihr jährliches Kunstfest. Vom 23. bis 25. Juni wieder!

Das dichte Grün aus Wiesen, Bäumen und ausgedehnten Obstplantagen erlaubt den Hausdach-Farbtupfern gern die Abwechslung fürs Auge. In die Hänge schmiegen sich Wohnhäuser neueren Datums. Weiter unten plätschert der Weißbach durch den alten Ort, sacht und doch den Gebäuden zu beiden Seiten den Standort weisend. Es ist idyllisch in Tiefthal. Doch manches Mal auch kunterbunt. Besonders, seit sich in den vergangenen 20 Jahren der Ort einwohnermäßig verdoppelt hat. Denn unter den Zugezogenen in den neu gebauten Häusern sind etliche Künstler, ein paar gibt es auch vorher schon hier.

"Das hat sich einfach so ergeben", weiß Helmut Besser, einer von ihnen, außer Lage und geruhsam-inspirierender Natur auch keine wirkliche Erklärung dafür, dass Tiefthal inzwischen als Künstlerdorf gelte. So viele wohnen inzwischen hier. Da gibt es die, die ihr Geld mit ihrer Kunst verdienen und andere, die neben dem Job kreativ sind. Egal, sie alle sind Künstler: Kabarettisten, Clown, Bildhauer, Autoren, Orgelspieler, Fotografen, die schwedische Strickdesignerin, einen Männer- und einen Frauenchor, Holzskulpturenmacher, Rockband, Flötenspieler, Musiker und Komponist, Dramaturg, Mitglieder der Stadtharmonie, Hobbymaler und und und. Mancher von ihnen macht Tiefthal sogar ein bisschen in der Welt bekannt: Der Bildhauer mit seinen Werken in Kuba, der Komponist, der Musik für Japan schrieb, manche Gastspiele führen bis nach Sibirien oder Mali. Wer aufmerksam durch den Ort spaziert, sieht gleich, dass er künstlerisches Flair verbreitet. Die skulpturene Flötenjule dudelt ein Liedchen, der Narr sinniert an der Hauswand, Oma und Opa als Figuren halten ein Schwätzchen, der Brunnen in der Ortsmitte ist ein extra gestalteter - natürlich. "Auch sonst findet bei uns im Ort immer mal Kunst statt", erzählt Helmut "Helmi" Besser. Workshops und Kurse, die Chorproben sowieso, eine Ausstellung zwischendurch und vieles, was hinter den Türen entsteht.

Es ist Kunstfest-Zeit!

Einmal im Jahr aber öffnen sich etliche dieser Türen und Tore. Dann, wenn Tiefthal zu seinem Kunstfest einlädt. Einst saßen nämlich ein paar Orts-Künstler fröhlich zusammen und gebaren diese Idee, sich zusammenzutun und etwas zu bewegen. Fünfzehn Jahre ist das her, aus dem kleinen Fest ist längst ein ziemlich großes geworden. Die Tiefthaler Künstler und Gleichgesinnte von anderswo zeigen an drei Tagen einen kunterbunten Querschnitt aus ihrem Können und ein unterhaltsames Programm. "Wir möchten die Bekanntheit der vielen regionalen Künstler in der Umgebung fördern und Freude an künstlerischem Schaffen wecken. Dabei wollen wir Menschen jeglichen Alters ansprechen und für Kultur begeistern.", so der künstlerische Leiter Helmi.

Das 15. Kunstfest wird vom 23. bis 25. Juni 2017 unter dem Motto „Bunt fürs Leben“ veranstaltet. Mehr Infos: www.kunstfest-tiefthal.de

Auf du und du mit einigen der Künstler:

Helmut Besser

Vor 23 Jahren hat er mit seiner Moni (Dr. Monika Besser) in Tiefthal Wurzeln geschlagen, und es gefällt ihm hier ausgesprochen gut. Ruhe und Stadtanbindung sind für ihn die ideale Mischung. "Helmi", wie ihn fast alle nennen, kennt man in seinem Selftheater vor allem als Clown und Pantomimen und als Leiter des Tiefthaler Kunstfests.. Jedes Jahr tritt er außerdem als Teufel beim Erfurter Walpurgisnachtspektakel auf dem Domplatz in Erscheinung, das er obendrein inszeniert. Dass Helmi, der auch gemeinsame Projekte mit seiner Frau verwirklicht, außerdem Acrylbilder malt und gern schnitzt sowie manchmal als Französisch-Dolmetscher arbeitet, ist eher weniger bekannt.

Dr. Monika Besser

Die Textilkünstlerin und eigentlich bekennende Städterin liebt es, im beschaulichen Tiefthal mit seinen netten Bewohnern zu leben und dort zu arbeiten und es trotzdem nicht weit in die geliebte Stadt zu haben. Ihr Atelier und ihr Herz sind immer weit geöffnet, ihre textilkünstlerischen Angebote und die Mal- und Zeichenkurse sorgen für kreative Betätigung und Gedankenaustausch. Wenn sich bei ihr die Strickrunde trifft, nennt sie die liebevoll "unseren philosophischen Zirkel", in dem die Damen über Gott und die Welt plaudern. Die ehemalige Kunstwissenschaftlerin, die viele Jahre für den staatlichen Kunsthandel tätig war, ist in diesen Wochen wie ihr Mann mit der Vorbereitung des Kunstfestes beschäftigt. Außerdem malt sie selbst Bilder, gestaltet Schmuck, veranstaltet Workshops auch in Schulen, malt mit den "Farbartisten" im Christophoruswerk und ist Kunsttherapeutin.

Gisela Brand

Hektik und Trubel hatte Gisela Brand zuhauf: 32 Jahre lang als Kabarettistin im Kabarett "Die Arche", 20 davon als Intendantin. So schätzt sie die gemütliche Tiefthaler Ruhe besonders, genau wie die Nachbarschaft und die kunstinteressierten Einwohner. Seit 2003 wohnt sie hier mit Wolfgang Wollschläger, den sie 2004 heiratete. "Wir haben genügend Platz, um beide zu üben, zu arbeiten", spricht sie über den Alltag in ihrem Künstlerhaushalt. Gerade bereitet sie ihr neues Soloprogramm vor, absolviert Gastauftritte. Zwischendurch genießt Gisela Brand den Garten, liest oder hört Musik. "Zurück zu den Ursprüngen", ist auch ein Motto bei der Wortakrobatin, die einst Töpferin gelernt hatte und noch heute liebend gern handwerkelt.

Wolfgang Wollschläger

Seine Kompositionen sind in Europa, den USA und Kanada, in Japan, China und Taiwan zu hören, gerade erst gab es beim Kirchentag in Wittenberg eine Uraufführung. "Aber hier draußen gibt es auch schöne Konzerte, von denen sich einiges ablauschen lässt", liebt Musiker und Komponist Wolfgang "Wolle" Wollschläger auch das Vogelgezwitscher gleich hinterm Haus. Sein Leben ist Musik - er ist der musikalische Leiter im Erfurter "Arche"-Kabarett, unterrichtet außerdem an der Musikschule Klavier und Theorie-Gehörbildung. Tiefthal ist ein sehr inspirierender Ort für den Künstler, hier entstehen all seine Kompositionen.

Ingrid & Ulf Annel

"Zu Hause zu sein, ist auch immer ein bisschen wie Urlaub", schwärmt Ingrid Annel über die traumhafte Umgebung, in der sie seit 1994 lebt. Manchmal, gesteht sie, sehe sie einfach in die Wolken - und schon kommen die Geschichten zu ihr. Die füllen inzwischen so viele Bücher, dass Autorin Annel sie kaum zählen kann. "Manche Geschichten erscheinen ja auch in Anthologien mit anderen", sagt sie erklärend. Märchen und Sagen, Geschichten für Kinder sowie Historisches und Regionales aus Thüringen sind ihre bevorzugten Themen. Manchmal macht sie daraus auch Leseprogramme und Erzähltheater, tritt damit auf. Wie ihr Mann ist auch sie im Schriftstellerverband, sie leitet außerdem die Jury für den "Thüringer Buchlöwen". Wenn sie doch einmal der Einsamkeit des Tiefthaler Schreibtischs entfliehen möchte, singt sie im Philharmonischen Chor.

Singen hört man auch ab und zu ihren Mann, Ulf Annel. Als eingefleischter Kabarettist gehört das eben dazu, manche Satire wird in Noten gekleidet. Der "Arche"-Mann tritt auch außerhalb des Hauses mit kabarettistischen Programmen auf, sein Liebling ist dabei ganz klar Ringelnatz, dem ist er schon 1977 verfallen. Immer wieder einmal schreibt Ulf Annel Gastkolumnen, gehört auch zum Verband Bildender Künstler und gestaltet satirische Collagen. Viele Leser kennen ihn auch als fleißigen Buchautoren, dem ständig Neues einfällt. Manchmal schreibt er auch gemeinsam mit seiner Frau. Sein Tiefthal möchte er nicht mehr missen. Und wenn er aus der Haustür tritt, genießt er den weiten Blick ins Land. Sogar die gestapelten Annelschen Bücher könne er sehen, sozusagen, hinter den Wänden des Buchhandelslagers.

Dr. Eckhardt Schön

Tiefthal ist seit mehr als 20 Jahren seine geliebte Heimat. Ist er zu Hause und geht nur ein paar Schritte mit den Hunden vor die Tür, kann Dr. Eckhardt Schön wunderbar abschalten. Vielleicht hat er ja sogar seinen Fotoapparat dabei. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Fachgebiet Audiovisuelle Technik an der TU Ilmenau liebt es, in seiner Freizeit zu fotografieren. Mehr noch, der Hobby-Fotokünstler ist außerdem Landesvorsitzender der Gesellschaft für Fotografie e.V. in Thüringen. Seine Motive findet er in der Architektur, außerdem hält er in seinen Bildern neben der Natur auch Menschen in der Stadt und die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Kunst fest. Vielleicht liefert ihm das Kunstfest, dass er mit vorbereitet, wieder neue Ideen für seine Fotos.

Christian Paschold

Die Ruhe ist es, die den Bildhauer Christian Paschold vor 15 Jahren nach Tiefthal zog. Die weiß er auch zu genießen, obwohl es ihn ab und zu auch in die quirligere Stadt zieht. Aber fort aus Tiefthal möchte er nicht mehr. Sein Heim ist zugleich Atelier: In Pascholds Tiefthaler Haus, das er "Casa de Artistas" nennt, lebt und arbeitet der 68-Jährige gleichermaßen. Vorübergehende können beinahe einen Blick auf ihn erhaschen, wenn er eine seiner Figuren erschafft. Manchmal öffnet er seine Türen für eine Ausstellung, auch für die Werke befreundeter Künstler. Nicht nur mit seiner Kunst weiß Christian Paschold zu begeistern, auch seine Villon-Lesungen finden ein begeistertes Publikum. Er selbst schwärmt für afrikanische Masken und kleine Figuren.

Ramona Weber-Harnisch

Dass es ihr in Tiefthal einmal derart gut gefallen würde, hätte sie 1996 nicht gedacht, als es sie hierher zog. "Es lebt sich sehr gut hier, ich will nie wieder weg", sagt Ramona Weber-Harnisch. Das ist auch gut so, schließlich gründete sie damals gleich den Tiefthaler Frauenchor, den sie bis heute leitet. Der hat es sogar schon bis Berlin zu einem Auftritt geschafft. Dass es außerdem im Ort mit der "Liedertafel" einen Männerchor gibt, wundert niemanden. Künstlerdorf eben. Ramona Weber-Harnisch schwingt bei den sangesfreudigen Damen nicht nur das Zepter, sondern ist auch selbst musikalisch aktiv: Sie spielt Querflöte, tritt damit ab und zu auf, erteilt anderen Flötenunterricht.

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