Geflügelte Worte in Erfurt - Redewendungen, erlebbar als bebilderter Stadtrundgang

Alice Frontzek zeigt einen Kratzstein in der Erfurter Waagegasse.
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  • Alice Frontzek zeigt einen Kratzstein in der Erfurter Waagegasse.
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Warum riechen wir den Braten und baden etwas aus? Alice Frontzek erklärt es in einem bebilderten Stadtrundgang

"Leg' mal einen Zahn zu", drängeln wir ungeduldig. Ohne zu wissen, woher dieser Spruch eigentlich kommt. Alice Frontzek lenkt die Gedanken in eine Küche des Mittelalters und erläutert den Ursprung: "Um das Essen schneller zu garen, wurde der Kessel über der Feuerstelle einfach am Eisen einen Zacken oder Zahn tiefer eingehängt." Aha, das klingt plausibel.

"Geflügelte Worte" haben es Alice Frontzek angetan. Sie ist Übersetzerin für Englisch und seit zwölf Jahren Stadtführerin in Erfurt. Aus Spaß an Sprache und Sprachentwicklung hat sie mehr als 50 Redewendungen in einer Broschur zusammengefasst. Illustriert mit Fotos von Zeitzeugnissen aus der Erfurter Altstadt entstand so ein etwas anderer Stadtrundgang.

Dieser dürfte auch Nicht-Erfurter inspirieren, in ihrer eigenen Stadt auf Spurensuche zu gehen. Denn die Lektüre der Redensarten sorgt für manchen Aha-Effekt. Warum zum Beispiel fühlt man sich als Ausgeschlossener wie das fünfte Rad am Wagen? Weil das fünfte, meist an Postwagen angebrachte Rad die Kutsche einst nicht vorwärts trieb, sondern der Entfernungsmessung diente. Die Redewendung etwas ausbaden stammt aus alten Badehäusern. Reiche Leute genossen im obersten Stockwerk warmes, frisches Wasser. Die Ärmsten ganz unten mussten das benutzte Wasser als Letzte ausbaden.

"Noch heute riechen wir den Braten, wenn es um einen Schwindel geht", nennt Alice Frontzek ein weiteres Beispiel. Genau wie einst die Bettelmönche. Nicht selten schnupperten sie Bratenduft aus den Häusern jener Gutbetuchten, die zuvor versichert hatten, nichts geben zu können. Andere waren schon damals "stinkreich". Nämlich die Waidhändler, die aus der Färberpflanze Waid ein Blaufärbemittel herstellten - unter Verwendung von Urin.

In der Erfurter Waagegasse zeigt die Stadtführerin einen Kratzstein . Dieser schützte nicht nur das Mauerwerk, sondern diente Kutschen auch als Abstoßhilfe, um leichter um die Kurve zu kommen. Wer die Kurve kratzte, war also schneller verschwunden.

Broschüre: Alice Frontzek: „Geflügelte Worte in Erfurt“, Blick Verlag, 4,90 Euro, ISBN 987-3-9812927-0-1,
erhältlich in der Touristinformation Erfurt und im Buchhandel, Bestellung auch möglich unter http://blickverlag-erfurt.de/

Alice Frontzek zeigt einen Kratzstein in der Erfurter Waagegasse.
Die Broschüre "Geflügelte Worte in Erfurt" ist im Blick-Verlag Erfurt erschienen.
Autor:

Sibylle Klepzig aus Nordhausen

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