Serie: Hohe Kunst
In der Thüringer Staatskanzlei sitzt die Wahrheit auf dem Thron

Der Künstler des Deckengemäldes im Festsaal der Thüringer Staatskanzlei ist unbekannt.
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  • Der Künstler des Deckengemäldes im Festsaal der Thüringer Staatskanzlei ist unbekannt.
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Für diese wunderschönen Decken legen wir gerne ­unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Hinauf an die Decke des Festsaals in der Thüringer Staatskanzlei schaut Petra Bischoff, Vorsitzende des Vereins Erfurter Gästeführer.

Der ­quadratische Festsaal der ­Thüringer Staatskanzlei misst rund 200 Quadratmeter. Die Decke ist fast zehn Meter hoch. Die Stuckarbeiten, die das ganze Bild umgeben, hat der Italiener Johann Peter Castelli vorbereitet. Umgesetzt hat sie von 1718 bis 1722 Gottfried Gröninger, der auch für das schöne Balkongitter des Erfurter Angermuseums verantwortlich ­zeichnete. Von welchem Künstler das Gemälde stammt, ist heute allerdings ­unbekannt.

Geschaffen wurde es in einer Zeit der Logen und geheimen Bünde. Damals stellte man sehr gerne solche Figuren dar und schmückte sie entsprechend aus: In der Mitte auf dem Thron sitzt die Wahrheit. Welche Staatskanzlei leistet sich diese schon? Sie schaut gen Himmel, bittet vielleicht um Gottes Hilfe. Sie trägt sagenhafte Insignien: ein Spiegel und ein wach­sames Auge vielleicht. Vieles bleibt Interpretation.

Amor mit der Meerkatze

Auf der linken Seite reitet ein Jüngling auf einem Löwen an, mit Engelsflügeln idealisiert dargestellt. Mit seiner Lanze drückt er Stärke und Tapferkeit aus. Auf der rechten Seite wird es noch sagenhafter: Ob das Amor mit einer Meerkatze sein soll, ist schwierig zu sagen. Die Figuren auf den Wolken sind allegorische Darstellungen der menschlichen Tugenden und positiven Eigenschaften: links die Gerechtigkeit mit der Waage, der Kreis für die Vollkommenheit, die ­Schlange, die damals positiv besetzt für die Klugheit stand, die Treue zum Glauben mit dem Kreuz oder die Aufrichtigkeit, die sich an der standhaften Säule festhält.

Unterhalb der Wolken sind die Untugenden und das Schlechte im Menschen. Nicht alles ist klar zu deuten, aber für mich ist darunter eindeutig die Putzsucht dargestellt.

In den vier Amuletten an den Seiten des Gemäldes sieht man den Bauplan des Gebäudes, auf den eine kleine Putte guckt. Aber auch Darstellungen des Reichtums, vielleicht sogar der Mildtätigkeit. Ein schwarzer Fleck wurde gelassen, um zu zeigen, wie dunkel die Decke vor der Sanierung bis Mitte der 90er-Jahre war.

Mir gefällt, dass sich das Gemälde sinnbildlich gut in die Jetzt-Zeit übertragen lässt. Allegorien haben immer eine Präsenz. Jeder kann die guten Eigenschaften aus dem Bild für sich aufnehmen. Besichtigt werden kann die Decke am Tag der offenen Tür der Staatskanzlei und bei angemeldeten Führungen.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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