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Reisejournal on Tour: Leserreise nach Rhodos
Inseltrip mit Meer-Wert

Die Akropolis von Lindos lässt den Glanz erahnen, den Rhodos in seiner Blütezeit ausstrahlte.
Die Akropolis von Lindos lässt den Glanz erahnen, den Rhodos in seiner Blütezeit ausstrahlte.
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Wer auf Rhodos Urlaub macht, kann einiges lernen: über die Akropolis, nackte Athleten und weitgereiste Flaschenpost.

"Die griechische Mythologie endet nie“, sagt Reiseführerin Litsa scherzhaft. Fast ein wenig entschuldigend. Nein, sie kann wirklich nicht sagen, wo der Koloss von Rhodos gestanden hat. Breitbeinig über der Einfahrt zum Mandraki-­Hafen in Rhodos-Stadt, auf dem Palasthügel oder vielleicht doch ganz woanders? Fakt ist: Von der gut 30 Meter hohen Bronzestatue des Sonnengottes Helios, die zu den Sieben Weltwundern der Antike zählt, ist nichts übrig­ geblieben. Der im ­dritten Jahrhundert vor Christus erbaute Gigant soll den Seefahrern nur gut 50 Jahre lang den Weg geleuchtet haben, bis er bei einem Erdbeben einstürzte. „Seitdem gibt es nur Vermutungen und jede Menge Geschichten.“

 Was soll’s. Ist Rhodos das Wahrzeichen auch abhandengekommen, das Wappentier – der Damhirsch – ist geblieben. Auf hohen Säulen flankieren Hirsch und Hirschkuh die Einfahrt zum antiken Hafen der Inselhauptstadt. Die Reise­führerin erzählt, wie es das Tier zu solchen Ehren brachte: „Der Legende nach gab es auf der Insel einst unzählige Giftschlangen. Die Rhodier befragten das Orakel von Delphi und das empfahl, Hirsche anzusiedeln. Der Hirsch vertrieb die Schlangen und wurde zum Symbol der Insel.“

 Litsa Mazarakou plaudert locker auf Deutsch. Die Sprache kennt sie schon aus Kindertagen, bis zum sechsten Lebensjahr lebte sie in Deutschland. Später hat sie ihr Wissen am Goethe-Institut in Athen vertieft. Seit 15 Jahren nun führt sie Urlauber über ihre Heimatinsel – und jede Tour gleicht einer Zeitreise. Denn Rhodos, erst seit 1948 griechisch, kannte viele Eroberer und Herrscher. Die Römer waren hier und die Byzantiner, dann kamen Tempelritter, Osmanen und Italiener. „Überall hinterließen sie in der Architektur ihre Spuren“, schärft sie beim Bummel durch die Inselhauptstadt den Besucherblick. Besonders beeindruckend: das mittelalterliche Ritterviertel des Johanniter-Ordens mit dem gewaltigen Großmeisterpalast und der Ritterstraße.

 Auf dem Akropolis-Hügel unweit des Ortes stehen Reste des Apollon-Tempels, ein rekonstruiertes Theater und ein Stadion aus der Antike. Litsa schildert, dass junge ­Griechen einst völlig nackt Sport trieben und schließt nebenbei noch eine Wissenslücke. „Das Wort Gymnasium heißt wörtlich übersetzt ‚Ort der Nackten‘.“ Im alten Griechenland war ein Gymnasium quasi ein (Nackt-) Übungsplatz. Irgendwann gesellte sich dann zur körperlichen die intellektuelle Bildung – und so geht man heute bekleidet ins Gym­nasium.

 Wer glaubt, dass ein Kloster ein Ort absoluter Stille sein muss, wird auf der acht Kilo­meter entfernten Anhöhe Filerimos Augen oder besser Ohren machen. Im Park rund um Ritterkirche und Johanniterkloster stolzieren wunderschöne Pfauen. Wenn sie kommunizieren, dann mit lautem Geschrei. „Der Pfau ist das heilige Tier von Göttin Hera, der Gemahlin des Zeus'“, zitiert Litsa die griechische Mythologie. Kein Zweifel, genauso erhaben bewegen sich die Vögel, posieren vor den Kameras wie Models. Fotomotive aber gibt es noch mehr: die uralte Zypressenallee, den Kreuzweg zum turmhohen weißen Kreuz und das Landschaftspanorama von der Aussichtsplattform. Stehen die Klosterzellen auch leer, haben Kreuzgang und Innenhof des Klosters Filerimos doch nichts von ihrer Romantik verloren. „Viele Paare lassen sich hier trauen“, erzählt Litsa.

 Das nächste Postkartenmotiv gewünscht? Bitte sehr: In Lindos schmiegen sich weiße Häuser dicht an dicht in ein Tal zwischen Strand und Fels. Über allem thront die Akropolis und lässt den Glanz erahnen, den Rhodos in seiner Blütezeit ­ausstrahlte. „Ja, die Akropolis gibt’s nicht nur in Athen“, reagiert Litsa auf fragende Blicke. „So nennen wir Griechen generell den Burgberg oder die Festung auf dem höchstgelegenen Teil ­einer Stadt.“ Esel tragen von der Hitze geschwächte Urlauber auf den ­Götterberg hinauf. „Gehen wir zu Fuß?“, fragt Litsa und ist stolz auf die einheitliche Zustimmung. Oben, hoch überm Mittelmeer, umringen mittelalterliche Mauern die Tempelsäulen aus der Antike. Gleich neben der Tempel­ruine bricht die Küste steil ab – ein überwältigender Anblick vor tiefblauer Meereskulisse.

 Direkt übers Meer führt der Schiffsausflug zur Insel Symi. Die Insel, zwei Fährstunden von Rhodos entfernt, war schon immer besonders. Besonders reich. Schwammtaucher und Schiffbauer brachten ihr einst Wohlstand. Die Menschen bauten immer höher an den steilen Berghängen der kleinen Hafenbucht. Bestens zu sehen, wenn das Schiff herangleitet. Die Häuser leuchten in fröhlichen Pastelltönen, manche Fassade ist einem altgriechischen Tempel nachempfunden. „Modemacher lassen sich von diesen Farben inspirieren“, beteuert Litsa. Dass der Weg durch die schmalen Gassen zur Oberstadt aber ausgerecht „Kali Strata“ – guter Weg – heißt, verharmlose in ihren Augen den Anstieg ein wenig. Immerhin sind 480 Stufen zu erklimmen, bis einem die Ägäis zu Füßen liegt. „Wer möchte, kann es nach unserem Rundgang tun“, überlässt sie jedem selbst die Entscheidung. Eine Wahl, die die Insulaner nicht haben. Sie kraxeln täglich auf und ab. „Das und die gesunde Kost mit viel Olivenöl hält sie wohl jung“, vermutet Litsa. Im Durchschnitt werden die Menschen auf Symi 82 Jahre alt. Heute leben sie hauptsächlich vom Tourismus. Naturschwämme sind nach wie vor das beliebteste Souvenir. Auch, wenn die Symiaken nicht mehr selbst danach tauchen.

 Auf dem Rückweg macht das Schiff Zwischenstopp am Kloster Panormitis am anderen Inselende von Symi. Schon aus der Ferne zieht der barocke Glockenturm der Klosterkirche die Blicke an. Herbergsplätze für mehr als 500 Pilger verdeutlichen, wie wichtig der Wallfahrtsort ist. Im Mittelpunkt der religiösen Verehrung steht Erzengel ­Michael – Schutzpatron der Insel und der hiesigen See­fahrer. Die Heiligenikone, die ihn abbildet, gilt als wundertätig. So werden Gebete gesprochen, Kerzen angezündet, Wunschzettel geschrieben. „Wer nicht selbst herkommen kann, schickt eine Flaschenpost“, erzählt ein Mönch und führt in einen Raum voll derartiger Fundstücke. „Wenn ein Mensch wirklich glaubt, kommt die Botschaft auch an.“ Dass Wünsche in Erfüllung gingen, belegen die vielen Geschenke aus Dankbarkeit, darunter eine Reihe von Sportpokalen. Kaum zu glauben, dass sogar Flaschenpost aus Amerika über den Atlantik nach Panormitis gefunden haben soll. Wie würde Litsa sagen: „Die griechische Mythologie endet nie.“

Tipp: Die Reise nach Rhodos ist ein Angebot von „Reisejournal on Tour“ der ­Mediengruppe ­Thüringen. Infos und Buchung unter 03 61 / 2 27 56 17 und
www.reisejournal-on-tour.de.

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