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Keine Außerirdischen

Nicht in Schieflage: Sophie Schumann (21) findet die Ost-Ampelmännchen geradlinig und zeitlos schön. Sie absolviert momentan eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei S + B Signal- und Beleuchtungstechnik. Foto: Th. Gräser
Nicht in Schieflage: Sophie Schumann (21) findet die Ost-Ampelmännchen geradlinig und zeitlos schön. Sie absolviert momentan eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei S + B Signal- und Beleuchtungstechnik. Foto: Th. Gräser
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Das Ostampelmännchen feiert 50. Geburtstag und hat in Erfurt längst wieder die Oberhand gewonnen

Kleine grüne Männchen mit Hut deuten nicht immer auf Außerirdische hin. Sie geben Fußgängern täglich zig Mal freien Gang über die Kreuzung. Der rote Bruder dagegen breitet störrisch beide Arme aus und bekundet: Halt!

Die Entwürfe der lustigen Ostampelmännchen feiern am 13. Oktober ihren 50. Geburtstag. Allein in der Thüringischen Landeshauptstadt warten die Fußgänger an 249 Ampel­anlagen auf die farbliche Veränderung von 1600 leuchtender Männeken. Sie eroberten seit zirka 1970 invasionsartig das Stadtbild von Erfurt. Doch statt Grauen, lösten sie Freude aus. Sie sind willkommen!

Nach der Wende ­glaubten sich wohl normbessene Eurotechnokraten (E.T.) mitten im Sternenkrieg mit einer fremden Galaxie. Die 16 Zenti­meter kleinen Männchen aus Ostalgien sollten ­neutralisiert werden. Doch der große Ossi-Rat wehrte sich und gewährte Asyl in schützenden Ampeln. Sie bleiben in Thüringen die Symbole für Halt und Gehen. "In Gera stellten Schüler fest, dass das größere Leuchtfeld der Ostvariante viel besser wahrgenommen wird", sagt Frank Rupprecht, Abteilungsleiter im Erfurter Verkehrsamt.

Den schnöden dünnen Euro-Pikto­grammen wurde dagegen in Jedi-Manier der Kampf angesagt. "Bei Neubau und Sanierung von Signalampelanlagen wurde ausschließlich DDR-Ampelmännchen der angestammte Platz gewährt", sagt Gerd Laage, Sachgebietsleiter Verkehrsmanagment bei der Stadtverwaltung Erfurt.

Nur noch rund 20 Fremdlinge werden in Erfurter Lichtsignalanlagen beherbergt. Wer noch welche entdeckt, kann diese dem Verkehrsamt melden. "Die werden wir dann durch das 16 Zentimeter kleine Ostampelmännchen ersetzen", sagt Rupprecht.

Dem Austausch fielen aber auch zwei Erfurter Sondereditionen zum Opfer - der Kameramann und der Fußballspieler. Sie entstanden einst auf der Grundlage des Euro-Männchens. Nur der Bäcker überlebte bisher als dünnes Männel. "Da er so schön ist", so Rupprecht.

Doch noch gibt es 14 Haut-Couture-Ampelmännchen in der Landeshauptstadt. Die Stadt kreiert innergalaktische grüne Männchen wie Wanderer mit Pfeife, Eisesser oder Mädchen mit Herz. Sie werden in der Raumstation von Mitarbeitern des Verkehrsamtes liebevoll entworfen.

Das 50. Jubiläum der Innerirdischen verlangt regelrecht nach Nummer 15 - einer leuchtend grünen Geburtstagstorte.

Übrigens: Der Unterhalt der Ampel-Flotte kostet die Stadt rund 86 000 Euro für die Wartung und 200 000 Euro an Energiekosten pro Jahr.

INFORMATIONEN
» ampelmann.de
» meinanzeiger.de/ampelmännchen

Der Beitrag ist auch Gerald Kohl und Sophie Schumann vom Unternehmen S + B Signal- und Beleuchtungstechnik in Erfurt-Kerspleben gewidmet. Danke für Eure Hilfe! Gerald Kohl

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