„Klar, Kochen macht sexy“, sagt Sternekoch Christian Henze aus Kempten

Sternekoch Christian Henze
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In seiner Bühnenshow präsentiert der Fernsehkoch Christian Henze seine unkomplizierten Glücksrezepte. Dabei räumt er knallhart mit ­Diätlügen auf und haut so manches Essverbot in die Pfanne. Bevor er nach Thüringen kommt sprach AA-Redakteur Thomas Gräser mit ihm.

Christian Henze (48) arbeitete bei Eckart Witzigmann, dem „Koch des Jahrhunderts“ und war zwei Jahre Privatkoch vom Gentleman-Playboy Gunter Sachs. Christian Henze ist nicht nur Sternekoch, sondern betreibt heute in ­Kempten auch die „Beste Kochschule Deutschlands“. Seine 25 Kochbücher sind Best­seller und seine wöchent­liche Kochsendung bei „MDR um vier“ ist längst Kult. Jetzt ist er mit seiner Kochshow auf Tour.

Herr Henze, wo waren Sie zuletzt essen?
Gestern bei meinem Lieblingsitaliener in Kempten.

Ihr Grundrezept fürs Leben?
Einfach und unkompliziert. Ich möchte jeden Augenblick genießen.

Welche Zutaten sind Ihnen dafür wichtig?
Diplomatie und Ehrlichkeit.

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Ehrgeizig, selbstverliebt, familiengeprägt.

Ich koch‘ einfach – Ist die Doppeldeutigkeit Programm bei Ihnen?
Ja. Einfach heißt für mich, einfach gut. Und ein gutes Gericht muss nicht mit zig Zutaten zubereitet werden. Und es muss auch nicht kompliziert gekocht werden. Die einfachen Dinge des Lebens, des Kochens sind für das kulinarische Glück verantwortlich.

Sie verstehen sich als Koch und Unterhalter?
Auf jeden Fall. Ich habe angefangen mit meiner Kochkunst, um Menschen Freude zu bereiten. Das war mir irgendwann aber zu wenig. Ich versuche das mit Informationen und Entertainment zu vervollkommnen.

Seit 2004 kochen Sie beim MDR um vier: Der Spaß mit den Moderatoren ist Ihnen anzusehen.
Authentizität ist das allerwichtigste. Ich möchte mich nicht verstellen, sondern sein so wie ich bin.

Vor der Kamera oder auf der Bühne sind Sie ja Einzelkämpfer. Verderben wirklich viele Köche den Brei?
Nein, überhaupt nicht. Das ist ein blödes Sprichwort. Das Gegenteil ist wahr: Kochen ist eine Mannschaftssportart. Je mehr mithelfen, umso besser wird es. Und heute ist kochen hochkommunikativ. Der Opa kocht mit dem Enkel, der Sohn mit seiner Mama und man kocht mit Freunden. Diese Entwicklung ist einfach schön.

Ihr ständiger Begleiter ist der Spruch: traut euch. Kochen Ihnen zu viele mit angezogener Handbremse?
Ja, viel zu viele. Man glaubt immer noch, dass Kochen so kompliziert ist. Wobei man so vieles falsch machen kann. Beim Kochen kann man gar nicht so viel falsch machen. Dass man in einen Gulasch keinen Schokoladenaufstrich reinmacht ist selbstredend. Aber alles andere ist dann doch erlaubt.

Was zeichnet die moderne deutsche Küche heute aus?
Inzwischen sind wir viel stolzer auf unsere eigens generierten Lebensmittel. Das war vor 20 Jahren noch nicht so. Heute rückt man endlich wieder regionale Spezialitäten ins rechte Licht. Dort ­ge­hören sie auch hin. Das ist die Sensation. Egal wo ich bin, ich versuche stets regional zu essen.

Schaut ein Starkoch noch in Kochbücher?

Na klar. Ich bilde mich permanent weiter. Ich beäuge auch weltweit erfolgreiche Kollegen. Mein Kapital ist das Wissen in der kulinarischen Szene. Das gilt es stets aufrechtzuerhalten.

Stichwort: Eckart Witzigmann.
Mein Mentor. Jemand, der meinen Weg maßgeblich beeinflusst hat. Die Hölle auf Erden, bei ihm zu arbeiten. Ich habe immer noch zitternde Knie, wenn ich ihm gegenüber stehe. Ich schätze ihn sehr.

Gunter Sachs.
Ihm habe ich zwei Drittel meiner Karriere zu verdanken. Ich habe unfassbar viel von ihm und seiner Familie lernen dürfen wie das Leben so funktioniert. Die zwei Jahre haben mich maßgeblich geprägt.

Essen Promis anders?
Nein, überhaupt nicht. Vielleicht wenn eine Kamera läuft. Wenn die Türen zu sind, lieben sie Königsberger Klopse, Omelett mit Speck oder wie Gunter Sachs Gefüllte Paprikaschoten.

Ihr Plädoyer für gute ­Hausmannskost.
Ich esse und koche sehr gern Hausmannskost. Ich bin froh über jedes Gasthaus, dass regionale Hausmannskost anbietet.

Was ist für Sie das Salz in der Suppe für Ihr Leben?
Meine Familie.

Darf Ihre Frau auch an den Herd?
Na klar, wir kochen alle gern, auch meine zwei Kinder. Bei uns Zuhause läuft das sehr relaxt ab.

Sind die Gäste heute klüger oder einfach nur nerviger, weil sie denken, sie wissen alles über Gerichte, übers Kochen?
Das ist so. Durch Internet, YouTube, Facebook und Co sind viele sehr gut informiert. Und manche meinen es doch besser zu können, weil sie Zuhause zwei Mal geschibbelt haben. Aber, man muss auch sagen, das Hobbykochen sehr im Trend liegt. Und es gibt viele Hobbyköche, die sehr gut sind. Doch das wichtigste ist das Genießen, nicht das Nörgeln. Die Freude muss immer überwiegen. Wenn ich irgendwo hingehe und es schmeckt mir nicht: ich interveniere nie.

Und bei was kochen Sie vor Wut?
Bei kaltem Espresso und Cola ohne Kohlensäure.

Jede Frau ist für gutes Essen empfänglich. Macht kochen sexy?
Kochen macht klar sexy. ­Köche sind wie Rockstars. ­Leider bin ich kein Tänzer, dann wär‘s noch perfekter.

Pannen wie Regal fällt von Wand, explodierender ­Mixer, brennender Backofen oder das will nicht aus der Form. Scheinen Sie nicht aus der Ruhe zu bringen?
Im ersten Moment ist man schon sprachlos. Aber wir machen Fernsehen und die Menschen wollen unterhalten werden. Und sie wollen sehen, dass auch mal einem Profi was schiefgehen kann. Das darf ja auch sein. Das schlimmste was man machen kann, dass man es kaschiert. Das kennt noch keiner: Ich wollte mal in einer Livesendung Risotto mit Weißwein aufgießen. Ich nehme die ­Karaffe und merke während des Eingießens, es ist Öl. Ich habe kurz gezuckt und schließlich alles reingekippt. Keiner hat es gemerkt.

Iss, was gar ist! Trink, was klar ist! Red, was wahr ist, sagte von Martin Luther. Ist Ehrlichkeit in der Küche Garant für Erfolg?
Die Ehrlichkeit ist im Grunde genommen die Basis für alles. So auch am Herd. Gegen flunkern habe ich nichts, das mache ich ja auch gern.

Das Essen soll zuerst das Auge erfreuen und dann den Magen sagte Johann Wolfgang von Goethe.
Das Anrichten ist schon ­wichtig. Ich mag das auf jeden Fall. Essen soll ja Spaß machen.

Bitte ein Tipp vom Sternekoch für den Hobbykoch – was sollte er tunlichst in der Küche vermeiden?
Er sollte es vermeiden, sich von Ernährungstipps verrückt machen zu lassen. Da heißt es: kein Eiweiß, kein Fett, dort keine Laktose, keine Nüsse. Der Nächste sagt: das viel und das wenig. Es ist erschreckend. Den Kopf einstellen, Freunde, das ist wichtig. Macht das was euch gut tut. Das ist auch meine Botschaft im Bühnenprogramm.

Essen hat heute einen ­höheren Stellenwert – Kochsendungen, tägliche Tipps, Aufklärung… Dennoch werden mehr Menschen immer früher dicker. Was läuft falsch in Deutschland?
Die permanente Verfügbarkeit von Lebensmitteln ist das Hauptproblem. Und die Verführung: An jeder Ecke gibt es was zu futtern und wenn‘s kleine Leckereien sind. Das To-go-Essen verstärkt das noch, auch der Suchtfaktor nach Süßem. Und schon ist der Schokoriegel – auch ohne Hunger – weggeputzt.

Was hat dann der ganze Kochboom gebracht, die Umsätze bei Tiefkühlkost steigen weiter?

Ein Fertiggericht muss nicht schlecht sein. Die Leute haben weniger Zeit, wollen, dass es schneller geht. So werden vermehrt Convenience gekauft. Was auch prinzipiell nicht verkehrt sein muss. Wer eine TK-Pizza isst, ist nicht gleich dem Tode geweiht. Das kann man gerne mal machen. Die Menge macht es. Unter der Woche kochen viele kaum, aber dafür am Wochenende. Man sollte auf sich achten und nicht in Maßlosigkeit verfallen.

Kochshows sind doch in Wirklichkeit Talkshows mit Herd- und Wasseranschluss, besteht da nicht die Gefahr den Beruf eines Koches zu verzerren?
Ich bin auf der einen Seite Profi- und auf der anderen Seite Fernsehkoch. Der eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das Essen eines Fernsehkochs muss per se nicht schmecken. Wenn es im Restaurant nicht ­opti­mal­ schmeckt, ist es ein großes Problem. Das ­Restaurant-Kochen ist mit viel Stress verbunden. Das ist sehr anstrengend. Aber auch bei 20 Minuten vor der Kamera kochen, komme ich ins Schwitzen. Da muss ja auch alles sitzen.

Molekularküche eine Alternative für Sie?
Nein, schon lange nicht mehr. Es ist zwar toll und ich finde es witzig. Doch sie hat nicht viel mit Genuss zu tun, sondern mit Show. Was ja auch seine Berechtigung hat. Dieser Trend ist schon deutlich rückläufig.

Haben Sie das große E, die Lebensmittelzusatzstoffe, aus Ihrer Küche verbannt?
Schon lange. Das gibt’s bei mir gar nicht. Natürlich, wenn man eine fertige ­Chilisoße verwendet, kann sich auch mal ein E darin verlaufen. Das wird aber dem Gast kommuniziert.

Welche Frage sollte ich ­einem Koch nicht stellen?
Ob er verliebt ist, wenn das Essen versalzen ist.

ZITATE

Beim Kochen kann man gar nicht so viel falsch machen.

Das Hobbykochen liegt sehr im Trend. Und es gibt viele Hobbyköche, die sehr gut sind.

Wer eine TK-Pizza isst, ist nicht gleich dem Tode geweiht.
Christian Henze

Ein Koch muss ­denken wie ein Computerfreak, ­ins­pirieren wie ­Gandhi, arbeiten wie ein Pferd, anrichten wie ein Künstler, ­motivieren wie ein Trainer, organisieren wie ein Buch­halter und ­kochen wie Oma! Redensart

TERMINE

Christian Henze kocht – Eine Portion Glück
» 4. März, 19.30 Uhr, Alte Oper Erfurt
» 7. März, 19.30 Uhr, Stadthalle Bad Blankenburg

Inform@tionen:
www.christianhenze.de

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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