Die Band Keimzeit live auf der Theaterbühne
"Klingklang" & andere Keimzeit-Songs als Ballett

Das Ballettstück "KeimZeit" mit von der gleichnamigen Band (im Vordergrund Sänger Norbert Leisegang) live gespielten Songs hatte im November 2014 seine Uraufführung in Gera und kommt nun nach Erfurt.
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  • Das Ballettstück "KeimZeit" mit von der gleichnamigen Band (im Vordergrund Sänger Norbert Leisegang) live gespielten Songs hatte im November 2014 seine Uraufführung in Gera und kommt nun nach Erfurt.
  • Foto: Stephan Walzl ratatosh
  • hochgeladen von Helke Floeckner

Ein ungewöhnliches Theaterprojekt: Die Band "Keimzeit" spielt live 28 Songs, die tänzerisch interpretiert werden. Das Stück vom Thüringer Staatsballett Gera ist nun dreimal am Theater Erfurt zu sehen.

Schwindelerregende Kreisbewegungen sind in vielen Songs das Grundmotiv der Band "Keimzeit": aufbrechen zu Reisen ins Unbestimmte, die eigenen Wurzeln dabei nie ganz vergessen, abstürzen, wieder aufstehen ... Silvana Schröder, Ballettdirektorin des Thüringer Staatsballetts in Gera, holt die von ihr heiß geliebte Band mit ihren Liedern über Paradiesvögel und Außenseiter, Durchschnittsmenschen und schräge Typen live auf die Theaterbühne und komplettiert sie mit getanzten heiteren, farbenfrohen, skurrilen oder poetisch-intimen Momentaufnahmen des Lebens. Im Gespräch mit ihr über das Ballett-Projekt mit dem Namen "KeimZeit":

Was lösen Songs der Band "Keimzeit" in Ihnen aus?

Ich bin schon sehr, sehr lange Fan, seit meiner Jugend. Ich mag die Band, weil sie sehr sinnliche, poetische, melancholische Songs darbieten, die mich immer sehr berührt haben. Die mich auch ein Stück weit im meinem Leben begleitet haben, aus meiner Seele geprochen haben. Lieder, die mich zum Lachen, auch mal zum Weinen brachten, mir aber auch immer etwas Gutes schenkten. Deswegen bin ich schon so viele Jahre ein Fan, ich habe alle CDs der Band.

Keimzeit und Ballett - wie kommen Sie auf so eine Idee?

Es war immer ein Traum für mich, die berührenden Momente, die "Keimzeit" in ihren Liedern so poetisch mitteilen und die sich in meinem Herzen bewegten, zur wirklichen Bewegung zu bringen, mit dem Tanz verschmelzen zu lassen. Das war immer mein Wunsch. So bin ich eines Tages zu einem Keimzeit-Konzert nach Jena gefahren und hatte einen Termin mit der Band und dem Manager und habe mein Anliegen, meine Idee, meine Visionen vorgetragen.

Wie waren die Reaktionen?

Sie waren begeistert. Das sind alles ganz dufte, liebenswerte Jungs, ich mag sie sehr. Sie sind liebenswert, sehr offen und herzlich damit umgegangen. Aufgrund dessen sind sie zu einem Ballettabend mit einem Live-Gitarristen nach Altenburg gekommen. Davon waren sie so begeistert, dass sie mir die Zusage gegeben haben. Jede Arbeit mit ihnen war sehr fruchtbar, sie sind alle so bescheidene, dankbare Menschen. Das hat mich immer wieder berührt. Ich glaube, das geht dem gesamten Thüringer Staatsballett so. Inzwischen sind wir alle gute Freunde geworden. Und wenn wir uns wiedersehen, ist das jedes Mal eine sehr herzliche Begegnung. Wir freuen uns auf jede Vorstellung miteinander.

Wie war denn Ihre erste Begegnung mit der Band, mit viel Herzklopfen?

Oh ja, ich war sehr aufgeregt, als ich dort meinen Vorstellungstermin hatte. Das habe ich den Jungs auch gleich gesagt. Aber es gab schon mal eine Begegnung bei einem Konzert in Gera, da war ich um die 20. Da war ich noch Tänzerin, ganz jung und naiv. Ich hatte die Möglichkeit, hinter der Bühne den Sänger Norbert Leisegang mal anzusprechen und habe damals schon gesagt, ich hätte Lust, irgendwann einmal etwas zusammen zu machen. Damals hat er nur gelacht. Und jetzt ist der Traum wahr geworden.

Es klingt etwas gewagt - "Keimzeit" und Ballett...

Das Stück funktioniert absolut! Wir spielen es schon vier erfolgreiche Jahre. Es ist auch für die Band sehr schön zu erleben, dass ihre Musik mit Tanz funktioniert, dass ihr Anliegen, der Inhalt der Songs, nicht nur musikalisch, sondern auch visuell ausgedrückt werden kann. Sie singen von Außenseitern, von Paradiesvögeln, verschiedenen Menschen und Typen, die sie in sehr skurillen, farbenfrohen und bewegenden Momentaufnahmen des Lebens schildern. Das lässt sich auch chroeografisch wunderbar umsetzen.

Haben Sie sich außer der Choreografie auch um die Geschichte selbst und die Songauswahl gekümmert?

Das, was auf der Bühne geschieht, habe ich mir so ausgedacht. Die einzelnen Szenen vorbereitet, entwickelt und klar definiert. Insgesamt 28 "Keimzeit"-Songs sind live zu hören, bei deren Auswahl hatte ich freie Hand von der Band, das fand ich ganz toll. Diese Songs bebildere ich durch Menschen, die mich bewegen, die in den Liedern erscheinen. Typen, die uns jeden Tag begegnen - ob das Freaks sind, liebenswerte Menschen, normale Nachbarn. Das Bühnenbild ist so konzipiert, als würden da Menschen in ihren Wohnungen leben. Was passiert da, in dieser Stadt, dieser Welt, mit den Menschen? Es gibt Begegnungen, es gibt Abschiede, Beziehungen. Es gibt Melancholie, Traurigkeit, aber auch Liebe, Hoffnung. All das zeigen wir durch Tanz. Eben das, was auch die Songs vermitteln und was sie in den Menschen ausgelöst haben.


Sehen wir Sänger Norbert Leisegang im Ballettröckchen?

Natürlich nicht! Aber zu einigen Songs tanzt er mit. Er ist auf der Bühne unmittelbar integriert. Natürlich nicht mit Ballettschritten. Aber es gibt Hebungen, die die Tänzer mit ihm machen oder er bewegt sich mit den Tänzern etwas mit, geht mal um eine Tänzerin herum, durch eine Gruppe durch. Dabei macht er eine gute Figur. Er bewegt sich gern, das merkt man schon. Und diese neue Erfahrung hier auf der Bühne, diese Symbiose aus Tänzern und Band, macht ihm ganz viel Freude. Aber vor allem muss er sich natürlich auf die Songs, auf seine Stimme konzentrieren.

Haben Sie einen "Keimzeit"-Lieblingssong?

Das zu sagen ist schwierig. Schon bei der Songauswahl konnte ich mich ganz schwer entscheiden. Sie sind alle sehr tiefsinnig. Überall spricht mich etwas an, das manchmal mit mir zu tun hat. Ich glaube, das geht vielen Menschen so.

Gibt es das Stück noch woanders zu sehen?

Wir hatten außer den Aufführungen in Gera-Altenburg schon zwei ausverkaufte Gastspiele in Dresden. Was in der Zukunft kommt, kann ich noch nicht sagen, weitere Gastspiele sind durchaus möglich. Wir freuen uns darauf, in Erfurt zu sein. Wir werden dort vom Theater und auch vom Publikum immer sehr herzlich aufgenommen.

Termine für "KeimZeit":

Theater Erfurt: Freitag, 2. März, 19.30 Uhr; Sonntag, 11. März, 18 Uhr, Freitag, 6. April, 19.30 Uhr. Karten: www.theater-erfurt.de

Zur Person:

Silvana Schröder absolvierte eine achtjährige Ausbildung an der Palucca-Schule in Dresden. Anschließend ging sie an die Bühnen der Stadt Gera, arbeitete dort als Tänzerin mit vielen solistischen Aufgaben. Danach war sie vier Jahre lang im Ballett an der Oper Leipzig, ging zurück ans Theater Gera. Sie war dort viele Jahre als Tänzerin tätig. Außerdem arbeitete sie als Freischaffende an anderen großen deutschen Theatern, inszenierte dort Opern, verwirklichte Kinder- und Jugendprojekte, kreierte Ballettabende. 2011 zog es sie erneut nach Gera. Dort ist sie jetzt Ballettdirektorin und Chef-Choregrafin. Ihre Company am Thüringer Staatsballett in Gera besteht aus 22 Tänzern und ist international aufgestellt, sie erarbeiten auch sehr moderne Stücke. Silvana Schröder ist es wichtig, immer wieder auch Liveaspekte in die Produktionen aufzunehmen. Es war schon immer ihr Traum, mit anderen Künstlern, anderen Gattungen auf der Bühne gemeinsam Stücke zu erarbeiten.

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