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Liedermacher Maik Göpel: „Kinder werden heute leider schneller erwachsen.“

Liedermacher Maik Göpel in seiner Wohnung in Friedrichroda.
Liedermacher Maik Göpel in seiner Wohnung in Friedrichroda.
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Der Liedermacher Maik Göpel aus Friedrichroda veröffentlicht eine neue Kinderlieder-CD. Mit erwachsenen Zuhörern teilt er seine „Lebenserwartung“.

Die Kunst ist, dass es kinderleicht klingt. Denn das ist es nicht: Wenn Maik Göpel über Opas Gebiss, den neuen Familienhund oder das Leben mit Geschwistern singt, hat er an jeder Textzeile genau gefeilt. 25 Stücke sind auf der neuen CD des Liedermachers aus Friedrichroda. Wer weiß, dass er beim Texten und Komponieren an jedem Song rund eine Woche sitzt, kann nachvollziehen, wie viel Arbeit im nunmehr dritten Album der Serie „Maiks Kinderlieder“ steckt.

Der 54-Jährige findet die Themen, die Kinder bewegen, taucht in ihre Welt ein. „Das ist wahrscheinlich ein Knacks in meinem Kopf, dass ich Kind geblieben bin und mich daran erfreuen kann.“ Dabei wollte er anfangs gar nicht für so junges Publikum singen. Seine damalige Gesangslehrerin drängte ihn zu seinen ersten Kinderliedern. Der Erfolg überraschte ihn selbst. „Wenn ich zu den Konzerten in eine Kita komme, habe ich direkt einen Draht zu den Kindern. Ich habe gemerkt, dass dies ein Geschenk ist, das nicht jedem gegeben ist.“

„Ohne meine Frau hätte ich es nicht geschafft. Ich brauche Silvia auf der Bühne und auch sonst im Leben. Es funktioniert nur gemeinsam.“

Die Kleinen sind ein anspruchsvolles Publikum, das gut unterhalten werden möchte. Greift Göpel in die Gitarrensaiten, möchten sie mitsingen, klatschen und tanzen. Ein gutes Konzert ist für ihn daher wie ein Theaterstück inszeniert, mit viel Bewegung auf der Bühne. „Die Kinder wollen mitmachen, wollen ein Teil sein.“

Jede Menge Mitmachlieder stecken auch in seiner Notensammlung „Meine Hände können reden“. Mit diesem Heft fühlt sich Göpel bei der Noten-Edition Peters in Leipzig musikalisch verewigt. „Das ist ein über 100-jähriger Verlag, bei dem ich neben Mozart und Beethoven geführt werde. Das ist wie ein Ritterschlag. Ich weiß, dass ich dort der kleinste Ritter bin“, scherzt er. „Die haben schließlich einen Vertrag mit Lang Lang, da weiß ich mich schon einzuordnen. Aber diese Sache wird mich überleben.“

In ganz Deutschland unterwegs

Mit Musik und Sprache zu spielen, dies geschieht auch auf Göpels neuer CD - schon seine siebte. Dort finden die jungen Hörer unter anderem zehn Variationen des gleichen Liedes. Die Melodie ist identisch, der Text verschieden. Die Lieder experimentieren mit Buchstaben und Lauten. Göpels Tochter ist Logopädin und brachte ihn auf die Idee, die spielerischen Sprechübungen umzusetzen. Nicht unbedingt, um zu unterrichten, sondern mehr aus Spaß an der Sache, wie der Friedrichrodaer betont.

Göpel ist in ganz Deutschland unterwegs. Gerade erst hat er eine NRW-Tour mit 23 Konzerten in zwei Wochen hinter sich. „Maiks Kinderlieder“ haben es sogar schon nach Amerika geschafft. „2012 waren wir entlang der US-Westküste unterwegs. Wir sind 3000 Kilometer durch die USA gereist bis nach Tijuana in Mexiko. An deutschsprachigen Schulen haben wir 16 Konzerte gegeben. Das waren tolle Erfahrungen.“ Im Dezember soll eine ähnliche Tour in der Gegend von San Francisco starten.

Apropos international: „Gelegentlich finde ich meine Kinderlieder im Internet mit ungarischem oder türkischem Text wieder. Eine deutsche Schule in Lissabon hat eines meiner Lieder für ein Fest verwendet. Manche Lieder haben sich also schon verselbstständigt und kommen ohne mich klar“, freut sich der Musiker.

Kinder werden schneller erwachsen

Die Auftritte an Schulen sind allerdings seltener geworden. „Die Schulkinder haben sich verändert, weil sie - wie wir auch - in einer anderen Medienwelt leben. Mein Eindruck ist, dass man heutzutage leider früher erwachsen werden muss. Die Kinder hören früh Charts und sehen Dieter Bohlen im Fernsehen. Viertklässler dürfen mich wohl nur noch heimlich gut finden, um nicht als uncool zu gelten.“

Ebenfalls für Erwachsene zu spielen, genießt Göpel immer noch intensiv. „Ich brauche beides.“ In der Inselberg-Klinik in Tabarz tritt er regelmäßig mit seinem Abendprogramm auf. „Die Patienten haben eine schwierige Zeit hinter sich, befinden sich nach einer Krebstherapie in der Reha. Ich möchte sie aus dem Klinikalltag herausholen. Ich nehme mich selbst auf den Arm, zeige mich mit all meinen Schwächen. So sehen sie: Bei mir klappt auch nicht alles.“

Mit seinen Chansons und Stücken für Erwachsene gibt Göpel viel Persönliches von sich preis. Seichte Unterhaltung kommt ihm nicht über die Lippen. „Das kann ich nicht und dazu könnte ich auch nicht stehen“, sagt der 54-Jährige, der privat eher ruhiger Beobachter als Rampensau ist. Die Texte hat er alle im Kopf. „Vor jedem Auftritt spiele ich das ganze Konzert noch einmal durch. Diesen Trick habe ich von Reinhard Mey gelernt.“ Statt auf Textblätter zu schauen, beobachtet er dann lieber die Reaktionen der Zuhörer. „Ich habe ein Problem damit, wenn ich das Publikum nicht sehe. Wenn mich beispielsweise ein Scheinwerfer stark anstrahlt, irritiert mich das sehr. Ich möchte den Leuten in die Augen gucken.“

Im Nebenjob Arzt

Im vergangenen Jahr erschien die CD „Lebenserwartung“. Vor Publikum präsentieren wird sie Maik Göpel erst, wenn es ab kommendem Jahr auf Liedertour durch Mitteldeutschland geht. Bei solchen Festivals ist er mit Liedermacher-Größen wie Dirk Zöllner und seinem Vorbild Manfred Maurenbrecher unterwegs.

Nebenbei ist Maik Göpel übrigens Arzt, allerdings ohne jede Verantwortung. Als Dr. Holger Schiller ist er nämlich nur Komparse in der Fernsehserie „In aller Freundschaft“. Auch in Kinofilmen hat er schon mitgespielt. „Meistens muss ich nur durchs Bild laufen. Ich würde mir nicht anmaßen, dies Schauspielern zu nennen“, sagt er bescheiden. Dabei bringt er es in verschiedenen Rollen doch auf 60 bis 70 Drehtage im Jahr. In den Wartezeiten, die oft beim Dreh entstehen, erweitert er, wenn möglich, sein Netzwerk. „Ich lerne durch die Komparserie sehr viele Leute kennen.“ Manchmal ergibt sich dann wieder ein interessanter Kontakt oder ein Auftritt für die Liedermacher-Karriere.

Nicht zuletzt gefällt Göpel der Blick hinter die Kulissen. „Das hat mich immer fasziniert.“ Viele bekannte Schauspieler durfte er kennenlernen. „Ich genieße es, dass ich nur ein ganz kleines Rädchen bin und man mir Anweisungen gibt. Sonst bin ich im Mittelpunkt und muss immer präsent sein. Das ist auch richtig und das habe ich mir so ausgesucht. Wenn man aber mal einen Tag keine Verantwortung hat, ist das auch schön.“

Hintergrund:

Zur Person:
Schon während seiner Ausbildung war dem gelernten Elektriker klar, dass er eigentlich mit der Musik sein Leben bestreiten wollte. Das erste Programm stand im September 1989 mit vielen politischen Nummern. Dann kam die Wende, für Maik Göpel der ungünstigste Moment. Er hängte die Gitarre erst einmal wieder an den Nagel.

2003 holte er sein Instrument wieder aus dem Schrank und erlebte erste Auftritte. Seit 2005 ist er hauptberuflich als Liedermacher unterwegs. Begleitet wird er am Akkordeon von seiner Frau Silvia.

Seitdem hat Maik Göpel sieben CDs veröffentlicht und rund 100 Lieder geschrieben. Seine Kinderlieder wurden auf Youtube schon weit über 600 000 Mal angeschaut.


Termin:

Ein besonderes Konzert gibt Maik Göpel am 19. Juli in der „Stahlblauen Grotte“ im Schaubergwerk Morassina in Schmiedefeld. Infos: www.morassina.de

Kontakt/Infos:
www.liedermaik.de
www.facebook.de/liedermaik
www.youtube.com/liedermaik
Wikipedia-Eintrag: de.wikipedia.org/wiki/Maik_Göpel

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