Ein fiktives Interview mit dem Reformator Dr. Martin Luther
Luther II - 500 Jahre Reformation: "Ich fürchte nichts, weil ich nichts habe."

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Was würde Dr. Martin Luther heute sagen? Ein fiktives Interview mit dem Reformator über Gott und die Welt, über Frauen und ­Jugend, über Armut und Politik - hier Teil III, führte AA-Redakteur Thomas Gräser.

Sind Sie Frauenversteher?
Man soll Frauen loben, es sei wahr oder gelogen, sie bedürfen‘s wohl. Und: Wenn aber eine Frau auch etwas bitter ist, muß sie trotzdem ertragen werden, denn sie gehört ins Haus. Die Weiber sind von Natur beredet und können die Redekunst wohl. 

Was würde Angela Merkel über sich sagen?
Es gefällt mir kein Stand so gut, ich wollte auch keinen lieber annehmen, als ein Schulmeister zu sein.

Können wir von den ­Tieren lernen?
Ich weiß drei böse Hunde: Undankbarkeit, Stolz, Neid. Wen die drei Hunde beißen, der ist sehr übel gebissen.

Ein Rat für gesundes Leben.
Gib dem Leibe nicht mehr Futter, denn daß ihm not ist, die Gesundheit zu erhalten, und lasse ihn arbeiten und wachen, daß der alte Esel nicht zu mutwillig werde, und aufs Eis tanzen gehe, und breche ein Bein, sondern gehe im Zaum und folge dem Geiste!

Was sollte unsere Jugend beherzigen?
Wer im zwanzigsten Jahr nicht schön, im dreißigsten Jahr nicht stark, im vierzigsten Jahr nicht klug, im fünfzigsten Jahr nicht reich ist, der darf danach nicht hoffen. Und: Es ist auf Erden kein besser List, Denn wer seiner Zungen ein Meister ist. Viel wissen und wenig sagen, Nicht antworten auf alle Fragen. Rede wenig und mach´s wahr, Was du borgest bezahle bar. Laß einen jeden sein, was er ist, So bleibst du auch wohl, wer du bist.

Die Menschen in den USA sind seid Donald Trump gespalten?
Sollen die Werke gut sein, so muß zuvor der Mann gut sein, der sie tut, denn wo nichts Gutes inne ist, da kommt nichts Gutes raus. Und: Es ist kein Mensch so böse, daß nicht etwas an ihm zu loben wäre.

Vieles in unserem Land dauert viel zu lange. Und ich meine nicht nur den Flughafen BER.
Nur, wer sich entscheidet, existiert. Und: Der Aufschub ist das der Eile entgegengesetzte Laster. Und: Auf dieser Welt muß entweder bald gestorben oder geduldig gelebt werden.

Viele Menschen kommen so deprimiert daher, lassen den Kopf hängen oder sind gar aggressiv.
Auf böse und traurige Gedanken gehört ein gutes, fröhliches Lied und freundliche Gespräche. Und: Denn ein Herz voll Freude sieht alles fröhlich an, ein Herz voll Trübsal alles trübe.

Überhaupt scheint es, dass wir Deutschen nicht mehr lachen können?
Wir kommen nie aus den Traurigkeiten heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen. Und: Wenn die Schwermut dich überfällt, so sprich mit Freunden über Dinge, an denen du Freude hast.

Irgendwie scheint der ­Gemeinschaftssinn abhan­den­gekommen zu sein?
Niemand hat alle Gaben, Ämter und Tugenden. So muß an einem jeglichen Christen etwas sein, was da mangelt. Darum hat es Gott so geordnet, daß einer dem anderen diene.

Wie schnell doch manche Menschen ihre Meinung ändern.
Des Menschen Herz ist wie Quecksilber, jetzt da, bald anderswo, heute so, morgen anders gesinnt.

In Deutschland bröckeln viele Schulen und Neu­bauten fehlen.
Wenn die Schulen ­zunehmen, dann steht‘s wohl im Land.

Immer diese Widersacher!
Ketzer sind nützlich. Wir wissen nicht, wie gut es uns ist, Gegner zu haben. Aber: Anmaßung ist der Kopf der Schlange.

Manchmal geraten ­Politiker und Würdenträger ins Schwafeln.
Wortgeklingel verdrießt mehr, als daß es erbaut. Mit Wenigem viel sagen, das ist die Kunst; die größte Torheit aber ist‘s, viel zu reden und doch nichts zu sagen. Und: Ihr könnt predigen, über was ihr wollt, aber predigt niemals über vierzig Minuten. Und: Wolken, die über den Himmel ziehn, ohne Regen zu geben, sind die Gerechtigkeit des Gesetzes, das viel verheißt, aber nichts gibt als Schauspielerei.

Steigende Einbruchszahlen verunsichern die Menschen.

Du sollst deines Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen, sondern ihm sein Gut helfen bessern und behüten. Und: Dieberei ist die gemeinste Nahrung von der Welt.

Freunde kann  man sich aussuchen, Verwandte hat man.
Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus. Aber: Wo zwanzig Teufel sind, da sind auch hundert Engel; wenn das nicht so wäre, dann wären wir schon längst zugrunde gegangen.

Windige Formulierungen in Verordnungen lassen Menschen oft verzweifeln.
Die Bosheit ist ängstlich darauf bedacht, dass sie unter einem ehrenvollen Titel für Gerechtigkeit und Frömmigkeit gehalten werde. Und: Denn wenn ein Staat stürzt, so stürzen auch seine Gesetze.

Der rastlose Mensch – Übel oder Segen?
Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben. Aber: Wer etwas will anfangen, der mag es beizeiten tun.

Immer mehr Lobbyisten greifen ins Zeitgeschehen.
Das Gesetz macht es keinem Stand und keinem Beruf gerecht. Wer bekommt was er mag, ist erfolgreich. Wer mag, was er bekommt, ist glücklich. Und: Jedermann schneidet gern die Bretter da, wo sie am dünnsten sind. Man bohrt nicht gern durch dicke Bretter.

Lästerer, Hetzer, Missgunst und Menschenhass...
Gold bleibt Gold am Halse der Hure; der Leib der Hure ist gleicherweise Kreatur Gottes wie der Leib der ehrbaren Ehefrau: So ist die Eitelkeit zu beseitigen, nicht die Wesenheit.

Was sagen sie zur Gebietsreform in Thüringen?
Sonderlich geht‘s in deutschen Landen fein zu, daß ein Fürst den andern, ein Edelmann den andern, eine Stadt die andere und allesamt einer den andern hindert. Und: Das ist ein weiser Mann, der sich an eines andern Unfall bessern kann. Und: Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist; aber den Wald und die Stöcke ausrotten und den Acker zurichten, da will niemand ran.

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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