Ein fiktives Interview mit dem Reformator Dr. Martin Luther
Luther III - 500 Jahre Reformation: "Wir sind Bettler, das ist wahr"

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Was würde Dr. Martin Luther heute sagen? Ein fiktives Interview mit dem Reformator über Gott und die Welt, über Frauen und ­Jugend, über Armut und Politik - hier Teil III, führte AA-Redakteur Thomas Gräser.

Sollten Politiker für Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden?
So treffen die es auch nicht allewege, die in Ämtern sind, sondern sie irren und sündigen viele Male und tun Unrecht und müssen um Vergebung der Sünde bitten.

Kein Tag vergeht ohne ­Promi-Trennungen.
Folgendes sind die Stücke einer Ehe: Die natürliche Befriedigung des Geschlechtstriebs; Zeugung und Nachkommenschaft; Hausgemeinschaft und gegenseitige Treue. Und: Kein Ehepflicht ohn Sünd geschieht.

Sollten wir Deutsche nicht öfters den Spiegel vors ­Gesicht halten?
Denn wir Deutschen sind solche Gesellen: was neu ist, da fallen wir auf und hängen daran, wie die Narren, und wer es uns wehrt, der macht uns nur toller drauf; wenn aber niemand wehrt, so werden wir‘s bald satt und müde, gaffen darnach auf eine anderes Neues. Und: Ganz Deutschland ist mit dem Sauflaster geplagt. Ein Rausch ist zu ertragen, die Trunksucht aber nicht.

Was läuft verkehrt?
Die Arznei macht kranke, die Mathematik traurige und die Theologie sündhafte Leute. Und: Die Welt ist wie ein betrunkener Bauer: Hebt man ihn auf einer Seite in den Sattel, so fällt er auf der anderen wieder herab.

Ist Gleichgültigkeit hinnehmbar?
Das ist die gefährlichste Anfechtung, wenn keine Anfechtung da ist.

Immer diese Rechtfertiger!

Schäme dich nicht, wenn du in etwas gefehlt hast und verteidige es nicht; denn Fehlen ist menschlich, verteidigen teuflisch.

Noch einen Rat?
Behalt den Kragen warm, füll nicht zu sehr den Darm. Und: Denn wo nicht Gutes inne ist, kommt nichts Gutes raus. Und: Weisheit, Verstand und gelehrt sein und die Schreibfeder, die sollen die Welt regieren.

Sollte man sich Nachrede zu Herzen nehmen?
Manche sind so ­neugierig, daß sie am liebsten das Gerede aller und jeden Wink erhaschen möchten, ja daß sie sogar am Fenster und an der Wand lauschen, was man von ihnen spricht. Denen geschieht recht, wenn sie etwa von ihrem Gesinde hören, was ihnen wehe tut. Wenn du auf jedes Gerede hören willst, so denk daran, daß du auch Leute hören wirst, die dir fluchen, und das am ehesten von denen, bei welchen du es am wenigsten erwartet hättest. Denn wenn du alles erfahren willst, wirst du auch vieles hören, was dir nicht lieb ist. Also erübrigt sich‘s, so neugierig auf jedes Gerede zu achten.

Sind Sie mit der Welt im Reinen?
Welt ist Welt; sie liebt weder die Gerechtigkeit noch duldet sie sie. Und: Dieses Leben ist nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind es noch nicht, aber wir werden es. Und: Pfaffen sollen beten und nicht regieren. Und: Die Welt hat nicht einen solchen Ekel an mir, als mein Ekel an dieser Welt ist.

Und mit den Menschen?
Der Mensch hat die Hölle in sich selbst. Mancher wird für unnütz geschätzt; wenn er aber tot ist, denkt man: O hätten wir jetzt einen solchen Mann, der uns raten und in den Sachen helfen könnte! Also nach dem Tode findet es sich, daß keiner so gering ist, der nicht etwas hätte, womit er andern dienen könnte, wiewohl es durch etliche Gebrechen etwa verdunkelt wird: aber nach dem Tode, so sieht man‘s dann. Und: Es ist keine Lehre so närrisch oder schändlich, die nicht auch Schüler und Zuhörer finde. Und: Wenn das Alter stark und die Jugend klug wäre, das wäre viel Geldes wert.

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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