Und dann geht eine Klappe auf...
Noch dreizehn Ichs kommen aus dem Nichts

Dritte von rechts: Rina Hayashi als Giselle und Marcelo Kanopka als Albrecht
  • Dritte von rechts: Rina Hayashi als Giselle und Marcelo Kanopka als Albrecht
  • Foto: Theater Erfurt/ Lutz Edelhoff
  • hochgeladen von Astrid Lindner

"Giselle" im Theater Erfurt- ein faszinierendes Handlungsballett von Silvana Schröder mit Musik von Adolphe Adam. Die Geschichte ist ganz einfach: Liebe wird nicht erwidert; und die Liebende entrückt der realen Welt.
Giselles tote Mutter, schwarz mit Maske, ist stets präsent. Ihre Auftritte lassen frösteln, so überzeugend gut tanzt sie. Wie allgegenwärtig sie in der Gedankenwelt von Giselle ist, wird dem Betrachter durch eine Vielzahl immer wieder hinzutretender Mutterkopien, die die Rolle der Mutter in ihren Tanzdarbietungen unterstreichen, vor Augen geführt. Man erschaudert.
Der von ihr Geliebte kommt stets mitreißend frisch und lebensfroh daher. Er weist Giselles Annäherungen aber konsequent zurück.

Der Schmerz geht langsam in Wahnsinn über.

Fantastisch die Körpersprache und die Verbindung von Musik und Choreographie. Wenn es aus dem Orchestergraben hämmert, wird oben jemand gequält, geschlagen oder gar gewürgt. Nicht Giselle allein ist die Aggressorin. Nachdem sie ihre unkontrollierten Emotionen gegen Mutter oder Bruder herauslässt (irre die Bewegungen!),  geht eine Klappe auf  und der Wahnsinn kommt aus dem schwarzen Nichts.  Auch 13 Kopien von Giselle leisten ganze Arbeit. Die tränenverschmierte schwarze Schminke läuft allen über Wangen und Gewand. Der Messer- Kamm wird zum Mordinstrument, bei dessen Anblick der Zuschauer bald schon den Atem anhält. Denn Giselle ist in ihrer Entrücktheit nicht zimperlich.
Bei ihrem Geliebten jedoch stoppt die Raserei.  Nachdem sie auch ihn im Wahn verletzt, hat sie Macht über ihn; er kann ihr - mit zerstörten Füßen- nicht mehr entfliehen. Das ist das Ende. Ist das das Ende?
Im ausverkauften Erfurter Opernhaus tobte der Saal. Das Theater Erfurt und das Thüringer Staatsballett haben es wieder einmal vermocht, ein uns allen gegenwärtiges Thema auf erschütternd- großartige Weise darzubieten. Sie vereinten dynamisch-bewegte Musik mit über alle Maßen ausdrucksstarkem Tanz, wofür ich der Choreographin Silvana Schröder und allen mitwirkenden Künstlern nur danken kann.
"Giselle" Ballett im Theater Erfurt

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen