Hohe Ansprüche an sich selbst
Tanzpädagoge Patrik Pavlik: Jeder Tag ist ein Geschenk

Patrik Pavlik vor der Alten Oper Erfurt.
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"Das Leben ist schön" sagt der Erfurter Tanzpädagoge und Choreograph Patrik Pavlik. Er möchte andere an seinen Fähigkeiten teilhaben lassen und immer wieder etwas bewegen.

Jeder Mensch kann tanzen. Das würde Patrik Pavlik sofort unterschreiben. "Jeder einigermaßen gesunde Mensch kann sich auf seine Weise bewegen, sprechen und auch tanzen. Nicht jeder in Perfektion, aber er kann es." Und immer wieder, wenn ein kleiner oder ein großer Mensch beginnt, tanzen zu lernen und seine Bewegungen nicht so sehr formvollendet daherkommen, tut er das manchmal so voller Lebensfreude, dass Patrik Pavlik das Herz aufgeht. Dann ist der studierte Bühnentänzer, Tanzpädagoge und Choreograph glücklich. "Beim Tanzenlernen geht es uns nicht nur um die Besten", erklärt der Inhaber der KulturEtage Erfurt, der Schule für Tanz, Gesang, Schauspiel und Artistik,, die er seit zehn Jahren betreibt. Natürlich möchte er die Guten, die Könner, noch besser machen. Die anderen tanzen, haben Freude daran. Und bei jedem sieht er genau hin, als Pädagoge erkennt er in jedem Persönlichkeit und Fähigkeiten, kann auf darauf aufbauen. "Kinder haben so viel Potenzial", schwärmt Pavlik. Es ist wichtig, damit behutsam umzugehen.

Für den gebürtigen Slowaken, der seit 1994 in Erfurt lebt, bedeutet das vor allem, als Lehrender gut ausgebildet zu sein. "Unser Beruf ist nicht geschützt. Ich finde es fatal falsch, dass jeder ohne einen entsprechenden Abschluss unterrichten darf. Inzwischen gibt es so viele Musik- und Tanzschulen." Er empfiehlt jedem, der etwas Neues auf diesem Gebiet lernen möchte, genau hinzusehen, nachzufragen. Und so, wie ein Schauspieler nicht gleichzeitig ein guter Regisseur sein muss, kann man einem Tänzer nicht automatisch Fähigkeiten als Pädagoge oder Choreograph zugestehen. "Auch ich überprüfe mich täglich neu", stellt Patrik Pavlik hohe Ansprüche an sich selbst.

Als er vor zehn Jahren seine KulturEtage eröffnet, tut er das aus dem Wunsch heraus, andere teilhaben zu lassen an seinem Wissen und Können. Als eine Art Verpflichtung sehe er das an, als eine Gabe auch, als Berufung. In jeder Unterrichtsstunde stecken dazu ganz viel Herz und Liebe zum Beruf, so arbeiten auch seine Dozenten, das ist ihm wichtig. "Obwohl es natürlich auch ein ständiger Kampf ist, man wird immer wieder gebremst", spricht der heute 47-Jährige über die vergangenen zehn Jahre - aus seiner Unternehmersicht. Er findet es schade, dass bei kreativen Angeboten so streng nach Vereinen und privaten Einrichtungen unterschieden wird. Bei Erfurts Kulturpolitik blieben so viele auf der Strecke. "Wenn du nicht im Verein bist, gibt es keine Unterstützung", erfahren Pavlik und andere immer wieder. Dabei stünden sie anderen in nichts nach, arbeiteten genauso intensiv mit Kindern und Jugendlichen, seien ebenso transparent. Für manche Projekte wünschte sich der Pädagoge und Choreograph mehr Aufmerksamkeit. "Mein allergrößter Traum wäre es, so arbeiten zu können, dass ich jeden einzelnen meiner Schüler nach seinen Möglichkeiten ganz individuell fördern könnte." Dass er auf dem richtigen Weg ist, zeigen Erfolge seiner ehemaligen Schüler. "Wir sind stolz, dass wir viele durch unsere Schule geprägt haben."

Längst fühlt sich Patrik Pavlik - der hier von 1994 bis 2002 im Ballettensemble des Theaters tanzte und seitdem unzählige Theater- und Musikprojekte begleitet - sich in Erfurt zu Hause, sieht sich trotzdem immer auch als Gast. Einer, der hier sein und seinen Traum leben darf. Manchmal ist sein Tag so vollgepackt, dass er kaum Luft holen kann. Die KulturEtage, die Workshops außerhalb, Mitwirkung an Shows und Bühnenstücken und nicht zuletzt sein durchaus intensives Ehrenamt als Vorstandsvorsitzender des Thüringer Tanzverbandes kosten viel Energie. "Ich möchte damit auch anderen Menschen Gutes tun, ihnen etwas zurückzugeben."

"Das Leben ist schön", lautet sein tägliches Motto. Besonders, seit vor vier Jahren eine schwere Krankheit ihn und seine Lieben um sein Leben bangen ließ. Er ist wieder gesund, geht gestärkt und ein wenig auch verändert aus dieser Erfahrung hervor. "Wertigkeiten haben sich geändert. Und ich versuche, in allem erst einmal das Positive zu sehen, das Schöne, das Neue", sagt er. Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die ihm Kraft geben. Seine Frau, seine Tochter sind sein Ein und Alles. "Jeder Tag ist ein Geschenk", weiß Patrik Pavlik um kostbare Stunden. Die genießt er, um neue Kraft zu schöpfen. Und wieder durchzustarten. Denn "Nichts zu machen ist Stillstand. Ich frage mich immerzu, was kann ich noch bewegen..."

Zur Person:

- Patrik Pavlik ist freischaffender Choreograph, Tanzpädagoge, Tänzer im In- und Ausland und Inhaber der KulturEtage Erfurt

- der gebürtige Slowake wurde acht Jahre lang am Tanzkonservatorium Bratislava zum Bühnentänzer ausgebildet

- Studium der Tanzpädagogik an der Palucca-Schule Dresden (Außenstelle Leipzig)

- 1994-2002 Mitglied des Ballettensembles am Theater Erfurt

- Engagaments in Bratislava, Prag, Weimar, Detmold, Neubrandenburg, Meiningen, in der Schweiz und in Österreich

- Tätigkeit als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig

- Zusammenarbeit mit international bekannten Künstlern, Mitwirkung an zahlreichen Theaterproduktionen und Shows, Workshoparbeiten bundesweit und international, Zusammenarbeit mit der deutschen Nationalmannschaft im Eiskunstlaufen

- seit 2016 Vorstandsvorsitzender des Thüringer Tanzverbandes

Patrik Pavlik vor der Alten Oper Erfurt.
Er betreibt seit zehn Jahren die KulturEtage Erfurt.

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