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"Rest of best" sorgt für Unterhaltung in Pyeong­chang
Thüringer Olympia-Rekordler

Rest of best in Sotschi: Roland Rynkowski, 
Kerstin Buchfelner, Arite Mayhof-Plewe und Lutz Schwabe (v. li.).
Rest of best in Sotschi: Roland Rynkowski,
Kerstin Buchfelner, Arite Mayhof-Plewe und Lutz Schwabe (v. li.). (Foto: Rest of best)
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Olympische Winterspiele: Toll, was der Sport bewirkt

  • Mit nur 14 bis 16 Startern hat sich das Thüringer Olympiateam seit Sotschi halbiert. „Rest of best“ reist zu 100 Prozent nach Pyeong­chang und alle sind fit.
  • Die Weimarer Band „Rest of best“ hat sich für die neunte Teilnahme an Olympischen Spielen qualifiziert *** Die vier Musiker sind fit und outen sich als „Doper“ *** Sie ringen mit Claudia Pechstein (45) um Rekorde *** Warum der Kontrabass diesmal zu Hause bleibt und was sie sich für Pyeongchang vornehmen, verrät der Bandgründer Roland Rynkowski (65) kurz vor dem Abflug AA-Redakteur Thomas Gräser


Die Weimarer Band „Rest of best“ gibt es seit über 30 Jahren. 23 Jahre spielt die Formation in jetziger Besetzung. Seit 20 Jahren geht sie bei Olym­pischen Spielen an den Start – ab morgen in Pyeong­chang zum neunten Mal. 


Ihr liegt mit Pyeongchang bei den Teilnahmen an Olym­pischen Winterspielen (6) knapp hinter der Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (7). Wollt ihr den Rekord knacken?
Unser Rekord liegt bei neun Teilnahmen. Wir zählen natürlich die drei Sommerspiele mit. Claudia hatte ihre Chance, denn die Eisschnellläuferin Christa Rothenburger ging auch als Radfahrerin im Sommer an den Start und gewann 1988 in Seoul eine olympische Silbermedaille im Radsprint. Also, ich kann das nicht abschließend beantworten. Wir wissen ja nicht wie lange Claudia Pechstein (sie wird am 22. Februar 46 Jahre) noch teilnimmt. Es kann ja sein, dass wir ewig hinterher­rennen. Wir planen in Pyeong­chang ein „Altersheimtreffen“ mit mir. Sie ist die älteste Sportlerin und wir die ältesten Musiker.

Claudia muss sich auf dem Eisoval im Vorfeld quälen, um Bestzeiten für eine ­Nominierung zu erzielen. Wie qualifiziert ihr euch?
Wir haben sogenannte Südkurven. Und diese finden wir auch bei den Sponsoren. Die ermöglichen uns den Start.

Was ist euer „Doping“?
Wir gestatten uns einen Vorglüher – ein Glas Wein oder Champus. Das ist bei uns ein Muss. Wir sind sozusagen „dopingverpflichtet“.

Du warst mal Schwimmer beim ASK Rostock. Wäre auch ein sportlicher Start zu den Olympischen Spielen denkbar gewesen?
Ja, ich war Olympiakader. Aber ich konnte es nicht schaffen, da der Sportklub aufgelöst wurde. Aber ich bin immer noch aktiver Schwimmer und wurde Dritter bei den DLRG-Seniorenmeisterschaften 2017.

Wie sieht eure ­sportliche ­Betätigung ­während der Olympischen Spiele aus?
Wir gehen zu Wettkämpfen. Aber in Nagano hatte ich ­sogar meine Langlaufski mit.

Nun seid ihr künstlerisch nachtaktiv. Was steht tagsüber so auf dem Programm?
Per Auto sind wir beweglich, falls wir etwas abseits wohnen. Und wir werden Land, Leute, Sportler kennenlernen und Wettkämpfe sehen. Und wir wissen noch nicht wie lange wir vor Ort bleiben.

„Rest of best“ nimmt seit 1998 an Olympischen ­Spielen teil. Was ist heute anders als vor 20 Jahren?
Bei der ersten Teilnahme bin ich noch mit der Akkreditierung eines Trainers ins Olympische Dorf gekommen. Es war lockerer, zusätzliche Auftritte wurden per Zuruf vereinbart. Seit 2001 stiegen die Sicherheitsmaß­nahmen enorm. Das brodelnde ­Thüringenhaus vermissen wir schon.

War kein Sponsor für die Reisekosten des Kontra­basses zu finden?
Der Kontrabass ist doppelt so teuer wie mein Ticket. Er bleibt zu Hause, obwohl sich bereits Muhammad Ali und Usain Bolt darauf verewigt haben. Für den Rückflug zweier Gitarren ­aus Rio zahlten wir damals auch schon schlappe 600 Euro.

Was liegt euch mehr – Flip-Flops oder Winterstiefel?
Die Sommerspiele sind viel größer und erlebnisreicher. Und klar, dass die Mädels jetzt schneller frieren.

Ich kann mir vorstellen, dass Auftritte zu Olym­pischen Spielen anders sind, als Shows in großen Sälen?
Das ist eine andere Dramaturgie. Wenn nach Interviews und Dopingtests, nachts um ein Uhr ein deutscher ­Gewinner im Deutschen Haus eintrifft, reicht es, wenn man ein Goldmedaillen-­Ständchen singt. Es ist eine Schnellparty, doch die Post geht stets ab.

Nun ist Korea ein geteiltes Land. In einem solchen bist du auch aufgewachsen. Siehst du Parallelen?
Mauern sind keine Lösung. Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift, formulierten einst Marx und Lenin. Irgendwann wird auch diese Mauer fallen.

Pyeongchang bedeutet übersetzt „Friede und Gedeihen“ – ein Zeichen?
Ich finde es großartig, was der Sport bewirkt. Nordkorea hat sich durch die Winterspiele ein Stück geöffnet. Sie bilden mit Südkorea ein gemeinsames Eishockeyteam der Frauen und marschieren gemeinsam ein. Ich werte das als gutes Zeichen.

Nach ­Sotschi mit 31 Athleten reisen 2018 gerade 14 bis 17 Thüringer  Sportler nach Süd­korea. Dieser Abwärtstrend ist bei euch nicht ­ erkennbar. Ihr seid ­komplett? Die Nachwuchsarbeit läuft doch auch?
Wir waren schon immer ­wenige Leute. Und manchmal haben wir uns mit Bernhard Kanhold „Kani“ verstärkt. Da reisten wir sogar mit 125 Prozent an. Und wir sind immer fit. Bei uns ist noch nie eine Veranstaltung ausge­fallen. Die Nachwuchsarbeit läuft bei uns auch. Ich habe drei Söhne, die Musik studiert haben. Und Kerstin Buch­felner tritt auch mit ihrem Sohn – der Gitarre spielt – auf. Alles top.


Der Olympia-Fahrplan

23. Olympischen Winterspiele: 102 Entscheidungen in 15 Sportarten,
92 Nationen sind am Start, von den 2900 Athleten kommen 154 aus Deutschland, die mit 180 Betreuern anreisen, Flugstrecke Deutschland – Südkorea = 8493 km.

° Noriaki Kasai (45), japanischer Skispringer, nimmt zum achten Mal an Olympischen Winterspielen teil.

° "Wir als Landessportbund Thüringen sprechen von 14 Thüringer Sportlern in Pyeongchang, die Mitglied in einem Thüringer Verein sind. Dazu kommen mit Toni Eggert und Tatjana Hüfner im Rodeln zwei Athleten, die in Thüringen trainieren bzw. leben. Aber nicht Mitglied in einem Thüringer Verein sind. Macht somit 16 Sportler", sagt Silvia Otto, Referentin beim Landessportbund.

Die Thüringer Starter bei den XXIII. Olympischen Winterspielen

Biathlon
Erik Lesser
SV Eintracht Frankenhain

Bob
Alexander Rödiger (Anschieber)
BRC Thüringen

Paul Krenz (Anschieber – kein Thüringer Verein, aber Heimat Nordhausen)
Mitteldeutscher Sportclub Magdeburg

Mariama Jamanka (Pilotin)
BRC Thüringen

Lisette Thöne (Anschieberin, Ersatz)
ESC Erfurt

Eisschnelllauf
Patrick Beckert
ESC Erfurt

Judith Dannhauer
ESC Erfurt

Rennrodeln
Sascha Benecken (Doppel)
RT Suhl

Toni Eggert (Doppel mit S. Benecken)
BRC Ilsenburg (kein Thüringer Verein, aber Trainingsort Oberhof)

Dajana Eitberger
RC Ilmenau

Tatjana Hüfner
RC Blankenburg (kein Thüringer Verein, aber Trainingsort Oberhof)

Andi Langenhan
RRC Zella-Mehlis

Johannes Ludwig
BSR Oberhof, Bronzemedaille

Skeleton
Christopher Grotheer
BRC Thüringen

Skilanglauf
Thomas Bing
Rhöner WSV Dermbach

Victoria Carl
SC Motor Zella-Mehlis

Skispringen
Juliane Seyfarth
WSC 07 Ruhla

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