Workshop-Serie „Clinics“ im „MusikWerk“ Erfurt
Unterricht bei den Stars

Die Perkussion zieht sich als roter Faden durch das Leben der Multi-Instrumentalistin Ellen Mayer.
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Mit der Workshop-Serie „Clinics“ holt das „MusikWerk“, Erfurts größte private Musikschule, handverlesene Dozenten nach Thüringen. Diese Musiker arbeiten mit den bekanntesten Pop-Acts zusammen. Sie brennen darauf, ihre Erfahrungen von den Bühnen und aus den Studios dieser Welt zu teilen. Vorab geben die vier Musiker AA-Redakteur Michael Steinfeld einen Einblick.

3. März 2018: Deniz Erarslan

Seit seinem Studium der Jazzgitarre ist Deniz Erarslan als Live- und Studiogitarrist und Bassist für verschiedene Künstler im In- und Ausland unterwegs. Die letzten Jahre verbrachte er auf Tour durch Europa, Japan und die USA mit der Band „Boy“. Zusammen mit „Gloria“ von Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol („Wir sind Helden“) setzte Deniz ihr erstes Album um. Auch zu Thüringen hat Deniz eine besondere Verbindung. Seit 2016 spielt er für und mit Clueso ausverkaufte Konzerte in ganz Deutschland. Seinen Wurzeln bleibt der Hamburger trotzdem treu und ebenso seit 2006 den Hamburger Indie-Rockern „Fotos“.

Weißt du noch, als du dich das erste Mal im Radio gehört hast?
Das weiß ich tatsächlich nicht mehr so ganz genau. Allerdings kann ich mich sehr gut an einen anderen ähnlichen Moment erinnern: Das war in den Anfangstagen meiner Band „Fotos“. Wir standen nach einem super Auftritt in Wien auf der Tanzfläche eines Indieclubs, als plötzlich einer unserer Songs aufgelegt wurde und der Laden überkochte. Das war toll!

Du hast in Europa, Asien und in den USA gespielt. Bekommt man etwas mit von der Welt und den Menschen dort oder lebt man als Musiker in seiner Blase?
Es gibt einen „Fotos“-Song namens „Essen, Schlafen, Warten“, der beschreibt (leider) ganz gut den teils eintönigen Touralltag. Aber das kommt natürlich immer auf die Tour an, im Speziellen auf die Art der Reise und die Strecken. Mit dem Nightliner, der über Nacht fährt, hat man meist den halben Tag Zeit für Sightseeing oder Caféhäuser. Bei Konzerten in den USA oder Asien hab ich außerdem immer versucht, ein paar Tage dranzuhängen, um ein wenig Land und Leute kennenzulernen.

Du bist gelernter Jazzgitarrist. Muss man sich mit verschiedenen Musikrichtungen arrangieren, wenn man von der Musik leben möchte?
Ich hab vor Kurzem einen alten Jazzkumpel aus Studienzeiten zum Kaffee getroffen und wir haben uns gegenseitig aus unserem Musikerleben erzählt. Beide waren wir sehr interessiert und auch ein bisschen neidisch auf das, was der andere erzählt hat. Freie Improvisation und spannende Avangardeprojekte auf der einen und Rockshows vor zehntausenden Menschen auf der anderen Seite. Wenn man beides will, muss man da halt offen sein.

Welche drei Stücke dürfen im Soundtrack deines Lebens nicht fehlen?
10cc - I`m not in love.
Blur - Coffee & TV.
The Cure - Friday I´m In Love.

17. März 2018: Tim Neuhaus

Mit „As Life Found You“ feierte Tim Neuhaus 2011 seinen Durchbruch. Nach seinem Schlagzeugstudium in Weimar saß der gebürtige Hagener am Schlagzeug der „Blue Man Group“ in Berlin und London. Seit 2001 steht Tim sowohl als Bandmitglied als auch als kreativer Partner bei Texten und Produktionen dem Erfurter Musiker Clueso nah. Beim Album „Neuanfang“, welches 2016 erschien und den ersten Platz der deutschen Albumcharts erreichte, war Tim als Instrumentalist, Texter und Co-Produzent involviert. Parallel produziert Tim Neuhaus weiter seine eigenen Alben.

Du hast in Weimar studiert und bist kreativer Partner von Clueso. Hast du noch Kontakt zur Thüringer Musikszene?
Ich bin 2004 weggezogen und habe zur heutigen Thüringer Szene ein wenig den Kontakt verloren. Es war bedeutend für mich, in Weimar zu studieren. Es gibt so viele Band von damals, die heute immer wieder irgendwo auftauchen und es ist schön, von ihnen zu hören. Was aber aktiv in der Szene passiert, kommt bei mir nicht so richtig an.

Als Schlagzeuger sitzt du eher im Hintergrund. Als Solist stehst du in erster Reihe. Was ist dir lieber?
Ich lebe beides aus. Ich liebe es, Schlagzeug zu spielen und den Laden zusammenzuhalten. Das macht süchtig. Allerdings gibt es in meinem Leben auch den Gitarristen und Sänger. Es fühlt sich gesund an, immer wieder die Perspektiven zu wechseln. Ich halte es dadurch auch frisch. Man geht sich als Frontmann irgendwann selber mal auf die Nerven - gerade in Zeiten, in denen man sich ständig vermarkten oder von sich reden machen muss. Daher ist es total angenehm, immer mal wieder in den Hintergrund zu rücken. Und ehrlich gesagt, ist man als Schlagzeuger immer im Fokus und das ist auch total geil. Schlagzeug ist so präsent und so groß, nimmt so viel Raum auf der Bühne ein, dass ich das mit dem Hintergrund gar nicht so empfinde.

Deine eigenen Songs singst du englisch. Ist es eine besondere Herausforderung, auf Deutsch zu texten?
Ich finde, beides ist eine Herausforderung. Vielleicht hören viele bei englischen Texten oft nicht so gut hin, weil sie die Worte nicht so verarbeiten wie Muttersprachler. Deutsch war nie meine Poesiesprache, aber ich finde es genial, wenn andere Leute dies können. Mit Clueso Texte zu schreiben, fühlt sich plötzlich ganz leicht an. Bei mir wäre es nicht so natürlich.

Dein unvergesslichstes Konzert - vor und auf der Bühne?

Letztens war ich auf einer Tour und wir standen im Stau. Wir mussten eigentlich das Konzert absagen. Es war ein ganz kleiner Club mit 100 Leuten. Wir waren so panisch, dass wir nur ein kleines Lagerfeuer-Setup aufstellen konnten. Dann war es eines der schönsten Konzerte, weil es so hyperintim war und weil wir es retten konnten. Jeder war richtig euphorisch.

Es war auch sehr beeindruckend, auf dem Erfurter Domplatz mit Clueso zu spielen. Man hatte den Soundcheck, gab Interviews, überall Verwandte und Freunde. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich das Konzert gespielt habe. Als ich es dann im Fernsehen gesehen habe, mit der Lichtshow und dem beleuchteten Dom, war es dann so irreal.

An mein allererstes Blockflötenkonzert erinnere ich mich auch. Da saß ich zwischen 20 anderen und habe nur so getan, als würde ich spielen.

Und vor der Bühne: Tori Amos, 1994, auf Tour mit dem Album „Under The Pink“. Da saß ich in der ersten Reihe und hatte das Gefühl, sie spielt nur für mich. Ich habe nach dem Konzert noch 20 Minuten dort gesessen, weil ich nicht wollte, dass diese Magie aufhört.

20. und 21. April: Ellen Mayer

Die Perkussion zieht sich als roter Faden durch das Leben der Multi-Instrumentalistin Ellen Mayer. Sie tourte unter anderem mit Robin Gibb von den BeeGees, spielte mit Pete York von der „Spencer Davis Group“ oder mit Klaus Meine von den Scorpions. Zudem ist Ellen mit ihrer eigenen Band „Formatura“ zu verschiedenen Jazzfestivals im In- und Ausland eingeladen. Als Autorin veröffentlichte sie bereits vier Lehrbücher (Bongo, Conga, Djémbe und Cajón). Die Diplom-Rhythmikerin und -Percussionistin hat als Dozentin an verschiedenen Hochschulen und Universitäten einen Lehrauftrag und wirkt zudem als Theatermusikerin in Frankfurt, Mannheim oder Heidelberg mit.

Glaubst du an Talent oder ist alles erlernbar - zum Beispiel auch Rhythmusgefühl?
Wenn man, insbesondere bei Kindern, das Rhythmusgefühl schon früh fördert, dann ist alles lernbar. Deshalb ist die musikalische Früherziehung auch so ungeheuer wichtig. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein gewisses Rhythmusgefühl angeboren ist. In welchem Umfang, das kann man aber noch nicht genau sagen. Fakt ist, dass wir alleine, um sprechen zu können, über ein Rhythmusgefühl verfügen müssen. Deshalb kann auch meiner Erfahrung nach jeder Mensch, der sprechen kann, auch trommeln.

Du hast schon vier Lehrbücher veröffentlicht. Sind gute Musiker automatisch gute Lehrer?
Nein, überhaupt nicht. Um gut ein guter Musiklehrer zu sein, sollte man außer der Fähigkeit, selber gut zu trommeln, auch eine ganze Menge anderer Qualitäten besitzen. Zum Beispiel Empathie für den individuellen Schüler. Man sollte begeisterungsfähig sein und ein flexibles Unterrichtskonzept haben, damit man jeden Schüler individuell an sein musikalisches Maximum heranführen kann. Am besten sollte man selbst während seiner musikalischen Laufbahn hier und da Probleme gehabt haben, denn nur dann kennt man auch die Lösungen.

Du hast mit Musiklegenden wie Robin Gibb von den Bee Gees oder Klaus Meine von den Scorpions zusammengearbeitet. Gibt es einen Musiker, mit dem du gerne noch zusammengearbeitet hättest oder noch zusammenarbeiten möchtest?
Ja klar! Das sind alles wunderschöne Erinnerungen aus meiner beruflichen Laufbahn. Aber man will sich als Musiker ständig weiterentwickeln und Neues entdecken. Leider ist Robin Gibb 2012 verstorben. Er war schon damals, als ich mit ihm getourt habe, gesundheitlich angeschlagen. Ich schaue neugierig in die Zukunft und freue mich auf alles, was da noch so kommen mag und auf meine eigenen Projekte.

Was würdest du jedem Musikschüler mit auf dem Weg geben?
Musik ist cool! Musik macht Spaß! Musik ist Heilung und hat Kraft! Mit Musik kannst du Wege gehen, die du jetzt nicht vorhersehen kannst. Gehe jeden Schritt mit viel Freude und Selbstbewusstsein, auch wenn es mal Schritte auf der Stelle sind, oder Schritte rückwärts. Hauptsache du gehst stetig mit Musik.

10. November: Jost Nickel

In der Band um Jan Delay & Disko No.1, deren CDs alle die Nummer 1 der Albumcharts erreicht haben, ist Jost Nickel nicht nur als Drummer, sondern auch als Komponist erfolgreich. Aber schon nach seinem Studium am „Drummers Collective“ in New York machte er sich als Schlagzeuger an der Seite von Abe Laboriel Jr. und Manu Katché sowie bei Seeed, Marla Glen und Randy Brecker einen Namen. Jost veröffentlichte zwei Lehrbücher, die bei Schlagzeugern auf der ganzen Welt beliebt sind.

Werden Schlagzeuger deiner Erfahrung nach gerne mal unterschätzt?

Innerhalb der Musikerwelt werden Schlagzeuger nicht unterschätzt. Ganz im Gegenteil: Alle Eingeweihten wissen, dass Schlagzeuger eine ähnliche Funktion haben wie Dirigenten in klassischer Musik. Schlagzeuger bestimmen über das Tempo, die Lautstärke und das rhythmische Grundgefühl der Musik. Alles ist immens wichtig. Es stimmt wohl, dass das von den Menschen außerhalb der Musikerwelt nicht so wahrgenommen wird, aber daran habe ich mich gewöhnt.

Du hast selbst schon zwei Schlagzeugbücher geschrieben. Wer ist eigentlich dein Lehrer? Oder hat man irgendwann ausgelernt und übt nur noch, um das Niveau zu halten?
Ich habe keinen Lehrer im herkömmlichen Sinne mehr, aber ich lerne immer etwas hinzu. Das Schöne an Musik ist unter anderem, dass man wirklich niemals ausgelernt hat. Üben ist für mich selten zweckgebunden. Das heißt: Ich übe nicht, um mein Niveau zu halten, sondern weil es mir Spaß macht.

Ist das Leben als und mit einem Pop- und Rockstar Sex, Drugs & Rock'n'Roll oder in Wirklichkeit doch eher langweilige Fahrten mit dem Bandbus?

Es kommt immer darauf an, worauf man es anlegt. Klar sind lange Reisen anstrengend und eben lang. Gerade auf Reisen kann ich entweder genervt davon sein oder eben versuchen, die Zeit trotzdem noch sinnvoll zu verbringen. Was allerdings wirklich anstrengend ist, sind Sicherheitskontrollen auf dem Flughafen: Jacke aus, Jacke wieder an, Computer aus der Tasche und wieder rein und das mit den Flüssigkeiten habe ich noch nie wirklich verstanden. Das Klischee von Sex, Drugs & Rock'n'Roll trifft umso weniger, je mehr einem seine Kunst wichtig ist.

Was muss passieren, dass du noch Lampenfieber vor einem Auftritt hast?
Ich kann gar nicht sagen, warum ich manchmal aus heiterem Himmel Lampenfieber bekomme. Das entzieht sich meiner Kontrolle. Das heißt: Ja, ich habe manchmal - in unregelmäßigen Abständen - Lampenfieber. Ich weiß aber ganz gut, wie ich damit umgehen muss. Bei Lampenfieber denke ich daran, dass ich als Kind immer genau das machen wollte, weshalb ich jetzt Lampenfieber bekomme und freue mich dann darüber, dass es geklappt hat.

Alle Infos und Anmeldungen unter:
www.musikwerk-clinics.online

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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