Serie: Nur eine Frage...?
Warum sagt jemand, „das ist mir wurst“, Herr Földes?

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
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  • Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
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Die Antwort weiß Prof. Dr. Dr. Csaba Földes

Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erfurt und Leiter der Forschungsstelle für Interkulturalität und Mehrsprachigkeit. Infos: www.foeldes.eu

"Die Bedeutung dieses umgangssprachlichen Phrasems ist ,jemandem gleichgültig, für jemanden nicht interessant sein‘. Über seine Herkunft kann man nur spekulieren, es liegen in der Sprachwissenschaft verschiedene Deutungsversuche vor.

Nach einer der Interpre­tationen ist die Redensart als eine verkürzte Form aus der Wendung das ist Wurst wie Schale (vergleiche: das istJacke wie Hose, das heißt ‚das ist eins wie das andere‘) entstanden.

Eine andere Erklärung geht in eine noch einfachere Richtung: Vermutlich handelt es sich lediglich um die Gleich­artigkeit, die sich bei der Wurst an beiden Enden zeigt; man denke so an die Sprichwortparodie: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Es ist schließlich egal, an welchem Ende die Wurst angeschnitten wird. Der Ausruf Wurst wider Wurst! bedeutet ,Gleiches mit Gleichem vergelten‘. ­Hinter diesem Spruch steckten ­ursprünglich keine schlechten Absichten, denn er rührt vom alten Brauch her, sich beim Schlachtfest gegenseitig mit Würsten, Fett und Fleisch zu beschenken (vergleiche: sein Fett ab­bekommen). Es war also eine Sitte gemeint, die sich noch aus der frühgermanischen Zeit der Opfergemeinschaft überliefert hat.

Eine eher volksetymolo­gische Deutung meint: Bestandteile der Wurst sind nicht mehr unterscheidbar, folglich ist egal, was genau drin ist, Hauptsache, es schmeckt.

Die denkbar wahrscheinlichste Version ist, dass „Wurst“ hier als Werktagsessen in geringschätzigem Sinne im Gegensatz etwa zum Sonntagsbraten gedacht war. „Wurst“ steht also für etwas Alltägliches, etwas nicht besonders Wertvolles. In der heutigen Redewendung ist das betreffende Element aber kein Substantiv mehr, sondern ein Adjektiv, sodass man es klein schreibt: jemandem wurst / wurscht sein.

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