Musical "Wahnsinn": Aber nicht ohne Dixi-Klo
„Wolle“ Petrys Hits endlich wieder auf der Bühne

Das Ensemble aus dem Musical "Wahnsinn".
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  • Das Ensemble aus dem Musical "Wahnsinn".
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Vor rund 20 Jahren hat Wolfgang Petry die Bühne verlassen. Mit weit über 20 Millionen verkauften Alben ist er einer der erfolgreichsten deutschen Sänger und Komponisten. Am 22. September feiert „Wolle“ seinen 67. Geburtstag. Mit dem Musical „Wahnsinn!“ erleben seine Hits jetzt ihr Comeback - im Februar 2019 auch in Thüringen. AA-Redakteur Michael Steinfeld sprach mit Martin Lingnau, dem Creative Producer, Autoren und Arrangeur von „Wahnsinn!“.

Bisher hatten Sie das Glück, noch keine Aufträge akquirieren zu müssen. Die Aufträge sind immer zu Ihnen gekommen. Was war Ihr erster Gedanke, als man mit Wolfgang Petry zu Ihnen kam?
Ich war zunächst verwundert, da ich von selbst nie auf die Idee gekommen wäre. Da allerdings Dieter Semmelmann von Semmel Concerts ein unglaublich geschätzter Kollege ist, war ich natürlich nicht abgeneigt, diesen Gedanken einmal weiterzuverfolgen und zu überlegen, was man denn mit dieser Idee anfangen kann.

Ich kenne die Musik von Wolfgang Petry - so wie viele andere auch - seit Jahrzehnten. Ich konnte aus dem Stand eine Liederliste herunterschreiben. Sehr schnell habe ich gemerkt, dass die Lieder sehr monothematisch sind. Es handelt sehr oft davon, dass sie ihn verlassen hat, er sie aber trotzdem liebt und nun alleine da sitzt und traurig ist. Daraus kann man eigentlich kein Musical bauen. Man kann ja nicht seinen Hauptdarsteller 20-mal in die gleiche Falle tappen lassen. Das ist nicht abendfüllend.

Meine Frau erinnerte mich dann an meinen Lieblingsfilm „Tatsächlich Liebe“, ein Kaleidoskop aus verschiedenen Liebespaaren. Da hat es bei mir Klick gemacht. Ich kann ja viele Liebespaare ins Verderben schicken oder ins Chaos stürzen.

Dann habe ich ausprobiert, was denn mit den Songs passiert, wenn sie einmal von einer Frau gesungen werden. Es ist ja eine sehr maskuline Sprache in den Songtexten von Wolfgang Petry. Daraus hat sich dann auch wieder eine andere Art von Komik ergeben. Wenn es hemdsärmelige Figuren sind - so wie du und ich - und kein Rechtsanwalt oder Professor, dann glaube ich das. Dann wusste ich: Ja, so kann man es machen und es ist eine gute Idee.

Drei Akkorde? Königsklasse!

Sie sind selbst ein erfolgreicher Komponist. Wie bewerten Sie die Kompositionen von Wolfgang Petry mit den wenigen Akkorde und immer gleichen Rhythmus?
Ich versuche selbst in den Songs, die ich schreibe, möglichst eingängig zu sein. Denn im Musiktheater hat man nur die Möglichkeit, einmal gehört zu werden. Dann muss das sitzen. Man kann sich die Songs nicht erst „schönhören“.

Insofern kam mir das sehr gelegen, dass die Songs sehr eingängig sind. Dadurch dass ich selbst Komponist bin, weiß ich auch, wie schwer es ist, einen Song mit drei Akkorden zu schreiben. Sich so zu reduzieren, das scheint einfach oder manchmal auch banal. Aber es ist eigentlich so etwas wie die Königsklasse zu sagen: Diese und jene Akkorde nehme ich nicht, sondern ich beschränke mich und versuche, etwas zu kreieren, das eigenständig ist und hängenbleibt, wenn man es hört.

Daraufhin habe ich versucht, die Lieder umzurangieren, um die Musicaltauglichkeit zu überprüfen. Was passiert, wenn man den Diskobeat einmal wegnimmt und die E-Gitarren durch ein Streichquartett und ein Klavier ersetzt? Überleben diese Lieder dann? Ich habe schnell bemerkt, dass das super funktioniert. Wir haben einen Song im Eleanor-Rigby-Stil von den Beatles. Das ist ganz toll.

Da kam eine musikalische Freude auf, mit den Songs zu spielen und die Songs der jeweiligen Temperatur der Szene anzupassen. So wie bei der Filmmusik ist es auch im Musical wichtig, dass die Songs genau die richtige Stimmung der Szene treffen. Und das ging mit dem Material hervorragend. Das war eine ganz erstaunliche und wunderschöne Arbeit. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Hatten Sie Angst vor der Fan-Kritik?
Bei Fans weiß man ja nie, was passiert. Ich sage nur: Star Wars. Da war ich unglaublich froh, als ich die wohlwollenden Kommentare gelesen habe, wie positiv und begeistert alles aufgenommen wurde.

Was war Ihnen besonders wichtig?
Mir war es wichtig, die Lieder nicht zu verschlimmbessern oder ihnen Ideen überzustülpen, die ihnen nicht stehen. Daher haben wir immer genau geguckt, welche Lieder sich überhaupt für welche Szenen und Figuren eignen. Wir haben ja neben den großen Hits auch unbekannte Lieder von Wolfgang Petry im Musical, bei denen man auch gar nicht denken würde, dass sie von Wolfgang Petry sind. Mir war schon wichtig, dass der Geist weiter atmet. Aber wir haben die Lieder in das Gewand gebracht, das die jeweilige Figur und Szene brauchen.

Natürlich war es mir wichtig, was Wolfgang Petry von dem Ganzen hält - nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch und von der Geschichte her. Er hat das Ganze betreut. Er hat die Geschichte bekommen und gefragt: „Können wir nicht noch frecher und selbstironischer sein?“

Wir haben viele Details seiner Biographie - als „Easter Eggs“ versteckt - den verschiedenen Figuren zugeordnet. Wer etwas über Wolfgang Petry weiß, wird Dinge wiedererkennen. Wer nichts weiß, dem schadet es für das Verständnis des Abends aber nicht. Es ist quasi ein Bonus. Er kam mit vielen kleinen Ideen an bis hin zum dringendsten Wunsch von ihm, dass er wollte, dass ein Dixi-Klo auf die Bühne kommt.

„Ja, läuft.“

Warum das denn?
Das ist eine reine Insidergeschichte. Er war größer als Helene Fischer. Er hat als erster Deutscher aus der Musikgattung des Rockschlagers Stadien gefüllt. Damals noch ohne LED-Brimborium und Show. Er stand einfach alleine und ohne etwas da und hat seine Songs gesungen. Bei einem Stadionkonzert waren alle Dixi-Klos abgeschlossen, weil irgendjemand vergessen hatte, sie aufzuschließen. Die Katastrophe war vorprogrammiert. Seitdem ist er immer vor dem Auftritt zu jedem einzelnen Dixi-Klo gegangen und hat geguckt, ob es geöffnet ist. Er hat nie wieder darauf vertraut, dass ihm jemand sagt: „Ja, läuft.“

Das ist so ein Beispiel für den selbstironischen Umgang mit ihm und seiner Geschichte. Er ist sehr uneitel, sehr unprätentiös. Das kann man sich nur wünschen, dass jemand einen so im Hintergrund unterstützt und anspornt, noch frecher zu sein und ihm kein Denkmal zu bauen. Lustigerweise entsteht dadurch das viel schönere Denkmal, weil es Humor und Leichtigkeit hat, aber trotzdem eine kleine Verbeugung vor dem Künstler und seinem Werk ist.

Ist es auch eine kleine Zeitreise?
Das Musical spielt heute. Wir haben die Arrangements auch ein bisschen nach heute geholt, auch die Songs, die wir originalgetreu spielen. Wir haben Flashbacks in die 80er, weil wir in Rückblenden ein paar Vorgeschichten von Figuren erzählen. Wir gehen damit auch spielerisch und komödiantisch um. Aber die Musik ist heute noch genauso energetisch und aktuell, wie sie damals war. Sie ist überhaupt nicht gealtert.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Songs von Wolfgang Petry? Besitzen Sie eine seiner CDs?
Jaja. Ich habe CDs von ihm zu Hause. Eine Songtexterin, mit der ich viele Musicals geschrieben habe, sie heißt Edith Jeske, hat für Wolfgang Petry getextet. Und ich habe viele Songs gekannt, obwohl ich bei einigen gar nicht wusste, dass sie von Wolfgang Petry stammen. „Jessica“ zum Beispiel oder „Ganz oder gar nicht“. Dabei hätte ich sie auswendig singen können. Man kam auch nicht daran vorbei, wenn man mal das Radio anmachte - vor allem, wenn man 71 geboren ist und Mitte der 80er 15, 16 Jahre alt war.

Aber Sie haben nicht zu seinen Songs Foxtrott-Tanzen gelernt?
(Lacht.) Nein, das habe ich nicht.


Man lacht sich tot.

Wie war es denn, ihn kennenzulernen?
Das Kennenlernen war ganz wunderbar. Wolfgang Petry, der bis dahin noch gar keine Berührung mit dem Musicalgenre hatte, saß im Workshop neben mir und hat sehr gelacht und geweint. Das war dann das erste große Dankeschön an die Arbeit. Es hat mich sehr gefreut, das Gefühl zu bekommen, das richtig gemacht zu haben.

Geweint? Aber es ist doch ein Gute-Laune-Musical, dass die Thüringer am 26. und 27. Februar 2019 in der Messe Erfurt erwartet oder nicht?
In meinen Augen ist es auch eine Romantic Comedy. Das Musical ist sehr emotional. Man lacht sich tot, aber man wird auch die eine oder andere Träne vergießen. Musik hat immer etwas mit Emotionen zu tun und die gehen in verschiedene Richtungen. Es ist ganz erstaunlich, wie ehrlich die Balladen sein können und direkt berühren.

Es gibt ein Lied, das Wolfgang Petry gesungen hat, das von Reinhard Mey gecovert wurde. Daran würde man eigentlich auch nicht denken, dass dies passiert. Das Lied heißt: „Nichts von alledem.“ Da kann man sehen, dass die Grenzen, was gutes Song-Writing ausmachen, fließend sind und dass nicht alle Musikstile in Schubladen gesteckt werden müssen. Als ich die Version von Reinhard Mey gehört habe, habe ich gleich gesagt: Dieses Lied muss unbedingt in das Musical, obwohl es keiner seiner größten Hits ist.


Wann bekommen Sie gute Laune?

Ich bekomme gute Laune, wenn ich bemerke, dass das, was wir uns lange theoretisch am Schreibtisch ausgedacht haben, auf einmal auf der Bühne lebendig wird. Und wenn ich mich dann im Publikum umsehe und erkenne, dass es funktioniert. Wenn ich merke, dass die Leute an den richtigen Stellen weinen und lachen. Und wenn die Leute einen guten Abend haben - das ist ja was ich generell versuche, die Menschen für zwei-, zweieinhalb Stunden aus ihrem Leben in eine andere Welt zu entlocken, wo sie garantiert nicht an ihren Alltag denken, weil das, was sie gerade sehen, so stark ist, dass es sie links und rechts alles vergessen lässt. Das ist meine Aufgabe als Musiktheater-Autor oder als Musical-Autor oder wenn ich Filmmusik oder Popsongs schreibe. Wenn es gelingt, dass die Menschen in einer andere Welt eintauchen und sie sich dankbar zeigen, das macht mich dann glücklich.

Sie haben gesagt, in Deutschland sei es ein Problem, in Schubladen gesteckt zu werden. Aber wie leicht fällt es Ihnen, zwischen Popsongs, Musical und Filmmusik zu wechseln?

Im Grunde erzählt man mit Musik immer Geschichten. Als ich die Filmmusik für die Charité-Serie komponiert habe, die Sönke Wortmann inszeniert hat, da war die Musik auch eine tragende Rolle. Man erzählt quasi den Subtext der Geschichte. Was der Charakter nicht sagt, erzählt man dann mit der Filmmusik. Insofern habe ich das Gefühl, dass es eigentlich immer die gleiche Arbeit ist, aber es ist ein etwas anderes Handwerk von Genre zu Genre. Der Ansatz ist immer gleich, möglichst gut eine Geschichte zu erzählen. Die Form ist unterschiedlich. Ein Popsong hat drei Minuten, ein Musical zweieinhalb Stunden. Ein Popsong ist eine Novelle, ein Musical ist ein Roman.

Ich habe gelesen, wie viel Überschuss Sie komponieren. Am Ende landen drei von vier Songs, die Sie für ein Musical schreiben, in der Mülltonne. Ist das nicht deprimierend?
Das ist auf jeden Fall nicht ganz einfach. Und das macht auch nicht immer gute Laune. Meistens ist es so, dass die Lieblingslieder von einem selbst gar nicht im Musical bleiben. Da muss man dann immer Abstand nehmen. Ich habe gelernt: Es gibt nur ein Ego und das ist das Werk - ob das nun ein Film ist oder was auch immer. Das ist das einzige Ego, das Platz hat im Raum. Alle anderen müssen diesem dienen und zuarbeiten. Ich umschreibe das immer so: Wenn ein Musical fertig ist, ist die LP fertig, aber die Singles sind oft rausgeflogen. Andere Geheimkandidaten haben sich still und heimlich durchgesetzt und sind dann - ohne dass sie vorher große Beachtung bekommen haben - auf einmal so prominent und so richtig, dass andere Dinge links und rechts davon abweichen.

Im „Wunder von Bern“ gab es einen Song, der hieß „Rock'n'Roll Rebel“. Den haben wir in 30 Minuten geschrieben. Das ist der einzige Song, der nie angetastet wurde. Alle anderen wurden permanent verändert, umgeschrieben. Doch dieser Song hat nie groß nach Aufmerksamkeit gesucht. Das kann man nie planen und man weiß nie, was auf dieser langen Reise passiert. Ein Musical begleitet einen ja mindestens zwei Jahre von der Planung bis zur Premiere.

Bei manchen Musicals geht es um viele Millionen Euro. Wie gehen Sie mit solch einem Druck um?
Ja, das ist ein großer Druck. Aber man muss sich davon freimachen. Man ist engagiert worden, für das was man kann, was man vorher getan hat. Man muss dann alles links und rechts vergessen und den Spaß als Hauptmotivator nehmen und die Dankbarkeit, diese Aufgabe zu haben. Das gelingt zuweilen ganz gut. Wenn dann ein Theater eröffnet wird, wie das Theater an der Elbe, mit Riesenbrimborium und Bürgermeister und Feuerwerk am Hafen, dann schlottern einem schon ab und zu die Knie, ob man seinen Job gut genug gemacht hat. Aber Gott sei Dank ist es dann schon fertig und ich kann auch nichts mehr ändern.

Immer wieder neu erfinden

Der „Melodienmacher für Millionen“, der „Mozart von St. Pauli“ - wenn Sie so in der Presse bezeichnet werden - was bewirkt das bei Ihnen?
Beim „Wunder von Bern“ gab es 99 gute Kritiken und eine schlechte. Und ich habe mich an dieser einen aufgerieben und sie immer wieder durchgelesen, während alle Leute um mich herum gesagt haben: „Martin, jetzt ist auch mal gut.“

Ob positiv oder negativ, man sollte sich davon freimachen, sich nicht davon beeindrucken lassen und auf sein eigenes Herz und die Stimme im Kopf hören, die einen dort hingebracht hat, wo man ist. Allen Leuten kann man es nie recht machen, das ist auch klar. Daher ist mein Credo jetzt eigentlich: Wenn es mir gefällt, dann gebe ich es raus in die Welt.

Natürlich hat jedes Objekt seine eigene Musiksprache und die beachte ich auch. Ich versuche auch, mich immer wieder neu zu erfinden. So ist das Wolfgang-Petry-Projekt für mich eine ganz neue Art, mit Songs Geschichten zu erzählen - eben, weil sie nicht von mir sind. Wenn es mir dann gefällt, hoffe ich, dass es den anderen auch gefällt. Aber ich muss dahinter stehen und ein Fan davon sein - ohne abgehoben sein zu wollen, dass ich ein Fan meiner eigenen Musik bin. Ich bin das nämlich weiß Gott nicht.

Wie perfektionistisch sind Sie denn?
Ziemlich schlimm. Gott sei Dank sagt man ja auch: Ein Musical wird nicht geschrieben. Ein Musical wird umgeschrieben. Es ist nie fertig. Auch nach der Premiere wird an einem Musical immer weiter gearbeitet, was ein großer Vorteil ist. Denn das Musical ist ein lebendiges Projekt.

Ein Film oder eine CD sind einfach fertig - daran kann man nicht mehr rütteln. Aber beim Musical sind die ausführenden Akteure jeden Abend live lebendig vor Ort. Da wird ein Lied hier mal ein bisschen kürzer oder wir schreiben dort mal ein neues Lied. Oder wir denken uns eine neue Choreographie aus. Oder wir schreiben eine Szene noch einmal um. Das passiert tatsächlich während eines Spielbetriebs immer wieder. Alle kreativ Beteiligten schauen immer, ob noch irgendetwas geht.

Der Perfektionismus ist da eine Art Berufskrankheit, die sich positiv auswirkt, indem man einfach immer weiter daran feilt und immer weiter neue Ideen hineingibt. Und so ist ein Stück 100 Vorstellungen nach seiner Premiere relativ anders als bei seiner Premiere. Da sind dann so viele zusätzliche Ideen eingeflossen. Dafür kann man bei einem zweiten Besuch sehr viel Neues entdecken.

In Ihrer Vita gibt es ein paar skurrile Fakten. Nummer eins: Ihr Vorfahre hat die deutsche Nationalhymne geschrieben.
Ja, Hoffmann von Fallersleben ist ein Vorfahre von mir - ein bisschen über eine Ecke. Es ist mir persönlich nicht so wichtig, aber sicherlich eine schöne Anekdote. Ich bin ein großer Freund von Hoffmann von Fallersleben, weil er in meinen Augen der erste Singer-Songwriter Deutschlands war. Er hat Musik und Texte geschrieben und hat Lieder verfasst, die bis heute jeder kennt. Das muss man erst einmal schaffen. Denn unabhängig von der deutschen Nationalhymne hat er so viele Volkslieder geschrieben. Ich war mit meiner Mutter vor drei Jahren im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum bei Wolfsburg. Da hat sie auf ein Klavier gezeigt, auf dem sie als Kind immer gespielt hat. Da habe ich schon Gänsehaut bekommen.

Nummer zwei: Ein unerfüllter Herzenswunsch von Ihnen ist es, für den Tatort zu komponieren. Wieso ist das denn noch nie passiert?
Das weiß ich auch nicht. Vielleicht rufen Sie da mal an. Es ist lustig: Ich wollte als Kind unbedingt Tatort-Komponist werden, nicht Filmmusik-, nicht Musicalkomponist, nur Tatort-Komponist. Ich habe mir das so vorgestellt, wenn die dann mit dem Auto durch Duisburg fahren, gibt es so schnelle Musik: Damdamdamdam. Das fand ich super. Aber das Leben trägt einen woandershin und man macht andere Dinge. Vielleicht kommt ja bald auch mein Tatort.

Halbes Leben auf dem Schiff

Und Nummer drei: Wenn ein AIDA-Schiff den Hafen verlässt, hören die Passagiere Ihre Kompositionen.
Ich habe 1996/97 angefangen, das Entertainment auf der AIDA mit zu erfinden. Ich war ein riesengroßer AIDA-Fan. Ich habe das Konzept sehr gemocht. Fast 20 Jahre lang war ich zuständig für die Kreation aller Shows und habe alles komponiert, was da zu komponieren war. Das war eine tolle Testbühne für die Wirklichkeit. Technisch ist das auch ganz toll ausgestattet. Das war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Das war eine gute Lehrstube, Sachen auszuprobieren und sein eigenes Handwerk zu schärfen.

Ich habe bestimmt ein halbes Jahr meines Lebens auf Kreuzfahrtschiffen verbracht. Mir bedeutet das auch sehr viel, diese Auslaufmusik geschrieben zu haben, denn ich bekomme so viel positives Feedback von Menschen, was ihnen diese Musik bedeutet. Entweder sie heiraten dazu. Oder sie hören es im Alltag und fühlen sich an den Urlaub erinnert. Es kommen sehr viele Zuschriften.

Das ist etwas, das mich generell erfreut, wenn ich mit meiner Musik Menschen bewege und dass es ihnen wirklich etwas bedeutet. Das denkt man ja gar nicht, wenn man sich etwas ausdenkt. Das ist ein ganz toller Aspekt meines Berufs. Das kann man mit Geld nicht aufwiegen, was das emotional bei einem bewirkt.


Termin:

Tickets für das Musical „Wahnsinn!“ am 26. und 27. Februar 2019 in der Erfurter Messehalle gibt es unter www.ticketshop-thueringen.de oder Telefon 0361/2275227.


Zur Person:

Martin Lingnau ist mit weit rund fünf Millionen Besuchern einer der erfolgreichsten Musiktheater-Autoren Deutschlands. Seine Produktionen sind vielfach und international ausgezeichnet worden. Er veröffentlichte 41 Tonträger und komponierte 21 Musicals, darunter „Das Wunder von Bern“, „Der Schuh des Manitu“ oder „Heiße Ecke“. Seine Songs werden von einer breiten Palette von Interpreten gesungen, angefangen bei Annett Louisan über Mary Roos und Maite Kelly bis hin zu Udo Lindenberg. Martin Lingnau arbeitete als Komponist mit Regisseuren wie Dieter Wedel, Bully Herbig, Walter Moers und Sönke Wortmann zusammen. Ebenfalls komponierte er die Musik für Kinofilme und TV-Produktionen.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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