Ehemalige Primaballerina aus Venezuela ist nun in Thüringen zu Hause
Carolinas Traum vom Tanzen

Carolina Boscán als Helena im "Sommernachtstraum".
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  • Carolina Boscán als Helena im "Sommernachtstraum".
  • Foto: Mario Perricone
  • hochgeladen von Helke Floeckner

Die aus Venezuela stammende Balletttänzerin Carolina Boscán hat inwischen in Thüringen ihr Zuhause gefunden und bringt hier nun Mädchen das Tanzen bei.

Sie träumt den Sommernachtstraum. Voller Grazie und Anmut, leichtfüßig tanzend auf der Bühne. Ein anderes Mal verzaubert sie ebenso scheinbar schwerelos auf ihren Zehenspitzen oder durch die Luft schwebend die Menschen, die ihr vom Bühnenrand aus voller Staunen zusehen. Diesmal im Ballett "Schwanensee". Oder in "Carmen", im "Nussknacker", bei "Romeo und Julia" oder zu Klängen von Mozart und Rachmaninov. Manchmal ist sie sogar die erste Solotänzerin. Die Primaballerina. "Den Begriff verwendet man heute eigentlich gar nicht mehr", sagt Carolina Boscán lächelnd. Eher spreche man von Hauptrollen, zumindest im klassischen Ballett. Die junge Frau aus Venezuela durfte als Balletttänzerin viele gute Rollen auf großen Bühnen tanzen. Ein wunderbarer, jahrelanger Traum, der für sie wahr wurde. Heute ist ihr Traum ein anderer. Längst ist Deutschland zu ihren zweiten, neuen Heimat geworden. Zu Hause ist Carolina Boscán inzwischen ganz und gar in Thüringen. 

Ihr Weg nach Deutschland

Das junge Mädchen Carolina ist gerade einmal 14 Jahre alt, als sie zu einem internationalen Ballettwettbewerb in die Schweiz kommt. Es sind einige Ballettdirektoren, die sie nach ihrem Tanz ansprechen. Sie sei gut, solle ihre Ausbildung doch bei ihnen fortsetzen. Schließlich wird es Deutschland sein, wofür sie sich entscheidet. Carolina Boscán ist 16 Jahre alt, als sie ihre Heimat Venezuela verlässt, um in Stuttgart an einer der renommiertesten Ballettschulen Europas zu einer klassischen Balletttänzerin zu werden. Ein großer Schritt. "Was weiß eine 16-Jährige schon von Deutschland?", erinnert sich die junge Frau an die neue, aufregende Zeit. Die Sprache zu lernen, war nicht einfach, auch die Kälte machte ihr anfangs zu schaffen. "Zum Glück hatte ich immer liebe Menschen um mich herum, die mir geholfen haben."

Nach der Ausbildung, bei diversen Gastauftritten und bei ihren Engagements an Theatern in Görlitz, Dessau, in Essen und neun Spielzeiten lang in Leipzig weiß Carolina Boscán immer mehr: Sie hatte damals richtig entschieden, in die Fremde zu gehen. "Deutschland hat einen guten Tanzgeschmack", erfährt sie immer wieder, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Besonders gern denkt sie an ihre Zeit in Leipzig, an den Chefchoreografen Uwe Scholz, den sie so sehr verehrt hat. "Das war eine wichtige Zeit für mich", weiß Carolina, die aber keinem ihrer Tanzorte den Vorzug geben möchte. "Jede Zeit ist wichtig in deiner Tanzkarriere." Schließlich sei die Zeit dafür begrenzt, immer recht kurz. Es sind so viele gute Rollen, an die sich die 34-Jährige erinnert. Am glücklichsten war sie allerdings, als sie vor Jahren im Urlaub zu Hause in Caracas als Vertretung für das Ballett "Don Quixote" tanzen durfte. "Das war eine Rolle, die ich schon immer bewundert hatte", gibt sie zu. Ansonsten sind es immer auch die neoklassischen Ballettstücke, die Carolina besonders liegen. Dort sei man trotz aller Technik und Vorgaben doch ein wenig frei beim Tanzen.

Karriereende - und Ballett im Herzen

Dass sie nun entschieden hat, das Tanzen auf den Bühnen sein zu lassen, tut ihr nicht weh. "Der Abschied musste sowieso kommen, ich bin glücklich damit." Sie habe nichts verloren, im Gegenteil, nur hinzugewonnen. Mit ihrem Mann, der von hier stammt, ist Carolina Boscán nach Erfurt gezogen. "Ich liebe diese Stadt. Ich habe hier mein Zuhause gefunden", schwärmt sie. Immer wieder zieht es sie auf den Petersberg, auch Bratwurst und das Thüringer Essen liebt sie, vor allem, wenn es Schwiegermama kocht. "Hier sind wir glücklich." Zum Wir gehört auch der kleine Sohn, fast ein Jahr alt. Manchmal, gesteht Carolina, tanzt sie mit dem Baby durch die Wohnung. Seit einem Monat unterrichtet Carolina nun auch kleine Mädchen in der Tanz- und Theaterschule "Kretapa" im Ballett. Ihr geht das Herz auf, wenn sie sieht, wie die Kinder immer besser werden. "Tanz wird mich immer begleiten, es gibt trotz allem nichts anderes als Tanzen", weiß sie, dass sie ihrer großen Leidenschaft auch in ihrem neuen Leben treu bleiben wird. Manchmal, wenn sich die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat Bahn bricht, wird Carolina ein wenig traurig. "Venezuela ist das schönste Land der Welt. Aber auch das schlimmste", weiß sie um die schwierige politische Situation dort. Zum Glück gibt es das Internet, durch das sie Kontakt zu den Eltern hat. In das Land selbst zieht es sie im Moment eher nicht. "Inzwischen bin ich länger in Deutschland, als ich in Venezuela gelebt habe. Hier ist mein zu Hause."

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