Dr. Mark Benecke im Interview
Der Tod ein Tabu-Thema? - Ganz im Gegenteil meint Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke

Dr. Mark Benecke

Er ist, vermutlich sogar weltweit, der bekannteste Kriminalbiologe, Spezialist für forensische Entomologie, Buchautor und Politiker: Dr. Mark Benecke. Er studierte Biologie und Psychologie an der Universität zu Köln und promovierte über genetische Fingerabdrücke.

Später ließ er sich polizeitechnisch in der Rechtsmedizin in den Vereinigten Staaten ausbilden und war als Kriminalbiologe im Institut für Rechtsmedizin in New York angestellt. Wir sprachen mit ihm über den Umgang mit dem Thema Tod. 

Ist das Thema Tod ein Tabu-Thema?
Im Gegenteil. Die Menschen sind gar nicht davon abzubringen, ständig darüber zu reden. Manche machen ein ganzes Ritual daraus, sich mit Freunden zu treffen und Krimis und damit etwas Tödliches anzuschauen.

Aber das betrifft nicht den wirklichen Tod, oder?
Naja. Zweitens schauen sich Menschen teils täglich krasseste Gewalt und Todesfälle in den Nachrichten an. Kriege aus der ganzen Welt und Katastrophen, Unfälle und vieles mehr. Das scheint irgendwie alles nicht so schlimm zu sein. Bis es dann um den eigenen Tod geht.

Wie ist Deine persönliche Sicht?
Die Leiche ist der letzte biologische Zustand, den ein Mensch annimmt. Ein Kollaps der körperlichen Infrastruktur. Die einzelnen Organe können nicht mehr miteinander arbeiten, so dass sie Körper und Geist nicht mehr aufrecht erhalten können.

Hast Du selbst Angst vor Deinem eigenen Tod?
Ich habe noch etwas zu tun. Ich finde es blöd, wenn ich noch Projekte umsetzten möchte. Aber der Tod ist Teil des Spiels, unserer Runde auf der Erde, von der jeder nur eine hat. Ein Kind mit sieben Jahren allerdings hat jeden Grund, sich zu fürchten, denn es hat ja noch viel vor. Wobei die Kinder lebensgefährliche Momente und Erkrankungen oft tapferer ertragen als Erwachsene. Es ist schon ein Unterschied, ob Du sieben oder 95 Jahre alt bist.

Hier geht es zur Facebook-Spendenaktion

Müssen wir einen anderen Umgang mit dem Tod pflegen?
Das muss jede und jeder für sich entscheiden. Wir sollten lieber den Blick von der ganzen Gewalt im Fernsehen und in den anderen Medien abwenden und uns klar machen, wie viel Tod und Gewalt man weltweit in Kauf nimmt, solange es einen nicht selbst betrifft.

… und bei Menschen, die schwer krank sind?
Denen sollte man beispielsweise die Möglichkeit geben, ihre Wünsche noch umsetzen zu können. Glücklich sind Menschen, die soziale Kontakte pflegen können.

Die Kinderhospize, wie unser Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland, sind deutschlandweit auf Spenden angewiesen, um existieren zu können. Warum sollten Menschen dafür spenden?
Es ist komisch, dass für Euch keiner einfach mal einen Jahres- oder Zehnjahres-Haushalt spendiert. Für große Firmen wäre Euer Geldbedarf trotz der vielen Angestellten, die ihr zum Glück habt, ein vergleichsweise kleiner Betrag. Aber auch für alle anderen ist es superleicht: Ihr erledigt im Kinderhospiz ja schon die Arbeit und Pflege, ihr kümmert Euch um die Kinder und deren Familien und übernehmt die Verantwortung. Da ist es kinderleicht, den Geldbeutel aufzumachen und einen kleinen Betrag zu spenden, um die Familien, die Kids und Euch zu unterstützen.

Dr. Mark Benecke in Erfurt im Gespräch mit einer betroffenen Mutter. Ihr Kind leidet unter einem seltenen Gendefekt, von dem es nur zwei Fälle in Deutschland gibt. 

Dr. Benecke im Video mit einer betroffenen Mutter

Autor:

Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz aus Nordhausen

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