Raus aus dem Jammertal!
Die Erfurter Bewusstseinstrainerin Peggy Seegy hilft Unfallopfern

Die Erfurter Betriebswirtin Peggy Seegy orientiere sich nach einem Schicksalsschlag im Jahr 2014 komplett neu und änderte ihren Lebensweg grundlegend. Seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Als Bewusstseinstrainerin hilft sie ihren Kunden, die durch einen Unfall Verletzungen erlitten haben, wieder zurück in ihre Unabhängigkeit.
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  • Die Erfurter Betriebswirtin Peggy Seegy orientiere sich nach einem Schicksalsschlag im Jahr 2014 komplett neu und änderte ihren Lebensweg grundlegend. Seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Als Bewusstseinstrainerin hilft sie ihren Kunden, die durch einen Unfall Verletzungen erlitten haben, wieder zurück in ihre Unabhängigkeit.
  • Foto: Michael Steinfeld
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Nur ein kurzer Augenblick verändert das Leben von Peggy Seegy schlagartig. Es ist jetzt vier Jahre her, als ihr Reisebus im Thailand-Urlaub verunglückt. Das Schlüsselbein und das Becken der Erfurterin sind danach mehrfach gebrochen.

Für drei Monate ist sie an den Rollstuhl gefesselt. Ihre Wohnung liegt im Dachgeschoss, ohne Fahrstuhl. „Ich war quasi in einem Turm gefangen“, erinnert sie sich.

Heute kann sie darüber lachen. Damals ist es für eine Powerfrau wie sie nochmal so schwer. Die selbstständige Immobilienmaklerin arbeitet sogar im Krankenbett weiter. „Ich war immer nur auf Tour - beruflich, sportlich, abends mit Freunden. Ich habe keine Zeit für mich selbst genutzt. Ich habe festgestellt, dass ich mein ganzes Leben immer nur gerannt bin.“ Rückblickend hat sie sich wie eine Getriebene gefühlt. „Auf mein Inneres habe ich nie gehört. Das habe ich erst in dieser Zeit schätzen gelernt.“

Die größte Herausforderung für Peggy Seegy ist es, nach dem Unfall Hilfe anzunehmen. Doch ohne geht es nicht. Einen Arm und ein Bein kann sie nicht bewegen. Das schränkt ihre Welt ein. Die Sportskanone kann plötzlich kaum noch etwas alleine, sich nicht einmal die langen Haare hochstecken. Im Rollstuhl kommt sie so einbeinig und -armig alleine auch nicht voran. Diese Abhängigkeit, diese Hilflosigkeit – nicht nur ein paar Tage, sondern über Wochen – setzen ihr zu. Hundert Mal am Tag zu bitten, fällt, der Thüringerin schwer. Die Beziehung zu ihrem Mann ändert sich. „Wir sind enger zusammengewachsen.“

Liegen lernen

Drei Monate ausgebremst. Liegen lernen – bis der Rücken schmerzt. Und plötzlich so viel Zeit zum Nachdenken, zum Innehalten. Peggy Seegy beschließt, nicht ins Tal der Tränen zu geraten, ihren Frust nicht an ihrer Umwelt auszulassen. So schnell wie möglich möchte sie wieder raus aus dem Rollstuhl, wieder unabhängig sein. Wieder loslaufen können, ohne Krücken, direkt in die Reha. „Ich wollte weiterkommen, meinen Heilungsprozess unterstützen.“ Der 8. Mai 2014 wird zu ihrem Stichtag.

Aus heutiger Sicht erscheint ihr der Unfall wie ein Wink des Schicksals. Sie nutzt die Zeit zum Lesen und für Online-Seminare. Sie beschäftigt sich mit Ernährung, trainiert Körper und Geist. „Ich habe Muskulatur- und Mentalübungen gemacht.“ Zu meditieren, langweilt sie anfangs. „Obwohl ich vorher Yoga gemacht hatte, habe ich mich dagegen gewehrt.“ Einfach nur für sich zu sein, ohne Buch, Fernsehen, jede Ablenkung fällt dem Energiebündel schwer. Doch sie lernt, die Stille auszuhalten.

Ihre Erfahrung möchte sie weitergeben, Menschen unterstützen, die eine ähnliche Situation erlebt haben. „Sie müssen ja nicht wirklich kaputt sein. Aber es gibt Menschen, die sich wie in einem Gefängnis fühlen.“ Ohne Selbstbewusstsein, das Leben im Stillstand.

Ein Blog mit Podcast entsteht – der „FreiGeist GedankenUrlaub“. Jeden Mittwoch gehen kostenlose Tipps und Übungen online. Es geht um Sport, Ernährung und wie man über „Mindsetting“ seine Ziele erreicht und wieder zu mentaler Stärke findet. „Alles ist selbst erlebt und erprobt. Ich gebe nur weiter, was funktioniert.“ Was einem letztendlich persönlich gut tut, das muss aber jeder für sich selbst herausfinden, betont Peggy Seegy. Sie hilft, dabei wieder auf die innere Stimme zu hören.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Ihre Erfahrung hat die heute 40-Jährige mittlerweile zum Beruf gemacht. Als Bewusstseinstrainerin und Buchautorin unterstützt sie andere Unfallopfer auf ihrem Weg zurück in die Unabhängigkeit. Der erste Schritt ist dabei oft, die Hilfe überhaupt anzunehmen. Viele verlieren sich in ihrer Opferrolle, bemerkt Seegy, verharren als Trauerkloß. Doch wer nur jammert, mache sich selbst klein. „Wir sind so oft undankbar, weil wir nur die Situation betrachten.“ Sie will das Bewusstsein auf die erreichten Fortschritte lenken, auf die Ziele, auf die notwendigen Schritte dahin. „Es ist eine Frage der Einstellung, des Wollens.“ Weg von dem Konjunktiv-Denken: Hätte, wäre, könnte. „Möchte ich den alten Schmerz wirklich behalten, ewig an ihm festhalten?“, rät die Bewusstseinstrainerin zum Loslassen.

„Raus aus dem Jammertal - rein in die Eigenverantwortung!“ heißt ihr Vortrag, den sie bei der „Speaker Cruise“ hält. Am 23. und 24. November referieren 20 Experten zu den Themen „Lebe dein Leben reicher, wertvoller und glücklicher“, alles auf einem Schiff auf dem Rhein. „Es gibt absolut nichts, was du in diesem Leben nicht erreichen kannst, wenn du nur genug dafür brennst“, sagt Seegy. Ihr nächstes Ziel hat die Erfurterin schon vor Augen: den Publikumspreis gewinnen.

Infos:

peggyseegy.com
crameri-speaker-events.de

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