Von Gunda bis Maradona
Ein Fotojournalist erinnert sich

Gert Dieter Schmidt - den die meisten als Dieter Schmidt kennen - arbeitete viele Jahre als Sportjournalist. Aus dieser Zeit gibt es viel zu erzählen, die spannendsten Geschichten hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst.
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  • Gert Dieter Schmidt - den die meisten als Dieter Schmidt kennen - arbeitete viele Jahre als Sportjournalist. Aus dieser Zeit gibt es viel zu erzählen, die spannendsten Geschichten hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst.
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"Etwas aufregend war es schon" gibt Gert Dieter Schmidt aus Bad Langensalza in seinem gerade erschienenen Buch zu und plaudert über sein Leben als Sportjournalist.

“Du bist ein Schlitzohr!“ Anerkennend klopft der ehemalige Rot-Weiß-Präsident dem Mann mit dem Fotoapparat auf die Schulter. Selbst Jahrzehnte später, wenn der diese Geschichte erzählt, bringt er die Menschen um ihn herum zum Schmunzeln. Es ist aber auch zu herrlich, wenn Dieter Schmidt, wie ihn die meisten nennen, obwohl er ja außerdem noch Gert heißt, sich an seine aufregende Begegnung mit Diego Maradona erinnert. 1988 war der Ausnahmefußballer mit seinem damaligen Club SSC Neapel für ein UEFA-Cup-Spiel nach Leipzig gekommen. Als einer der unzähligen Fotojournalisten, extra aus Erfurt angereist, gelangen ihm wenigstens ein paar Bilder vom Spielfeldrand. Doch Dieter Schmidt will mehr. Ganz nah möchte er dem kleinen großen Mann kommen, vielleicht das eine unvergessliche Foto schießen, wenigstens ein Autogramm ergattern. Also greift er nach dem Spiel spontan in die Trickkiste. Ein bisschen frech ist er schon, das könnte auch schiefgehen. Doch es gelingt. Es selbst kaum glaubend zieht der Fotograf an seinen fassungslosen Reporterkollegen vorbei, direkt hin zu Maradona.

“Mir war ein echter Streich gelungen“, freut sich Dieter Schmidt noch 30 Jahre später. Doch wie genau? Die ganze Geschichte erzählt er in seinem gerade erschienen Buch „Etwas aufregend war es schon - mein Leben als Fotojournalist“. Es ist eine von 25 Begegnungen und Erlebnissen, die der heute in Bad Langensalza lebende ehemalige Fotoreporter in seinem Buch Revue passieren lässt. Er habe immer schon gern und ausführlich erzählt, gibt Schmidt zu. Warum also nicht all das in einem Buch festhalten, wie es ihm Freunde und Familie lange schon raten? Auch, wenn es einen großen Aufwand bedeutet, das aus eigener Kraft und mit nur einem kleineren Sponsor finanziell zu stemmen. Ein Kapitel widmet er dabei „seinen“ Thüringer Spitzensportlern. „Von all den Sportlern, die ich fotografierte, waren wohl drei Thüringer Athleten besonders im Blickpunkt, auch deshalb, weil die Zeitungen bei jedem Anlass und den anstehenden Wettkämpfen Fotos haben wollten. Und das waren eben Gunda Niemann-Stirnemann, Heike Drechsler und Hartwig Gauder“, erklärt er in seinem Buch. In dem gibt es auch Geschichten gewordene Erinnerungen an Gorbatschows Tochter, an Helmut Kohl, Johannes Heesters oder Udo Lindenberg - an Menschen, die ihn beeindruckt haben. Dazu plaudert der Autor aus dem Nähkästchen, gibt auch mal eine Notlüge zu, spricht über einen nicht eingelegten Film, ein verpasstes Rendezvous oder nimmt den Leser mit auf Reisen zu einem Jet-Set-König, ins schweizerische Graubünden oder zum Turn- und Sportfest der DDR.

Am liebsten fotografiert er Sport

“Die Sportfotografie war mir immer das Liebste“, spricht Dieter Schmidt über seine größte Leidenschaft. Nachdem er bei der Armee das Fotografieren gelernt hatte und das später in der Werbeabteilung vom Kombinat Umformtechnik vervollkommnen durfte, widmete er sich ab 1983 vor allem den Sportbildern. Nach der Wende wurde das zu seinem Beruf, er arbeitete in Erfurt und darüber hinaus für mehrere Zeitungen, lernte Gleichgesinnte kennen. Noch heute haben Fotografenkollegen wie Sascha Fromm oder Jens Meyer bei ihm einen großen Stein im Brett. „Von den Jungs habe ich eine Menge gelernt.“ Dieter Schmidt weiß, was einen guten Fotografen ausmacht: „Du musst dich blitzschnell entscheiden, im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Manchmal musst du den Moment schon vorher erahnen. Das kann man nicht lernen, das hat man einfach“, sagt er, der viele richtige Momente nutzen konnte.

Als es Dieter Schmidt in den Jahren von 2003 bis 2014 nach Berlin zog, hat er weniger fotografiert. Dafür widmete er sich anderen Dingen wie seinem Hubschrauber-Modelle bauenden Großvater oder dem Bernsteinzimmer, schrieb Bücher darüber. Inzwischen ist er zurück in Thüringen, die Liebe hat ihn nach Bad Langensalza geführt. Längst hat er wieder damit angefangen, den Fotoapparat häufiger in die Hand zu nehmen. Beim Weitsprung fotografiert er ganz gern einmal, noch lieber in der Natur. „Die Lust daran ist wiedergekommen. Das mit dem Rennen und Hinknien geht mit meinen 82 Jahren nicht mehr so gut. Aber das hält mich nicht davon ab, Fotos zu machen.“ Und wenn er ins Plaudern gerät, hat er noch unzählige weitere Geschichten auf Lager. Wie er die Fußball-WM 2006 in Berlin hautnah erlebte beispielsweise oder seine Zugfahrt mit Willy Brandt. „Das und noch ganz viel mehr bringe ich in die zweite Auflage“, verspricht das liebenswerte Schlitzohr schon jetzt.

Das Buch:

Gert Dieter Schmidt „Etwas aufregend war es schon - mein Leben als Fotojournalist“ - 25 Geschichten über außergewöhnliche Ereignisse in der Politik, im Sport und in der Kultur. Erhältlich in Erfurt bei Hugendubel, in der Buchhandlung Peterknecht und bei Buch Stapp sowie in der Salza Buchhandlung in Bad Langensalza.

Der Autor:

Gert Dieter Schmidt, den die meisten nur als Dieter Schmidt kennen, ist 82 Jahre alt und stammt aus dem Vogtland. In den 1960er-Jahren kam er mit seiner Familie nach Sömmerda, später lebte er in Erfurt. Vor der Wende, auch schon während seiner Zeit bei der Armee, begann er zu fotografieren. Er lieferte mehreren Zeitungen vor allem Sportfotos. Dieses Hobby machte er nach 1990 zum Beruf. Von 2003 bis 2014 lebte Dieter Schmidt in Berlin. Nun ist der Ruheständler und - der Liebe wegen - in seine Wahlheimat Thüringen zurückgekehrt. Er wohnt in Bad Langensalza.

Gert Dieter Schmidt - den die meisten als Dieter Schmidt kennen - arbeitete viele Jahre als Sportjournalist. Aus dieser Zeit gibt es viel zu erzählen, die spannendsten Geschichten hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst.
So sieht das Buch aus.
Autor:

Helke Floeckner aus Erfurt

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