140 Jahre FFW Waltersleben Teil II
Erfolgreich und doch enttäuscht - Raststättenbrand in Waltersleben

Die "Alte Grotte" in alten Zeiten.
  • Die "Alte Grotte" in alten Zeiten.
  • Foto: Lothar Müller
  • hochgeladen von Thomas Gräser

° 140 Jahre FFW Waltersleben Teil II:
Dachstuhlbrand in der Konsum-Raststätte „Alte Grotte“


Die idyllische Herbstruhe wurde am 28. Oktober 1972 in Waltersleben gegen 16 Uhr jäh unterbrochen. Gerd Wagner, Jahrgang 1941, wollte gerade das Fachwerk in der westlichen Giebelspitze der Scheune von Wilhelm Ruge ausmauern. Dazu hievten die Beiden an diesem Samstag Steine auf ein Gerüst im Inneren der Scheune. „Auf einmal zischte und patschte es. Wer deckt denn da sein Dach ab?, fragten wir uns“, erinnert sich Gerd Wagner. „Ich schaute aus dem Fachwerk und sah, dass Ziegeln der ‚Grotte‘ wie Bumerangs durch die Luft flogen.“ Er sah Rauch und „plötzlich schoss eine Stichflamme empor“, sagt der damals 32-Jährige.

„Ich sprang runter ins Heu oder Stroh, rannte das kurze Stück zum Gerätehaus, schlug mit einem Stein die Scheibe vor dem Alarmknopf ein und löste die Sirene aus“, beschreibt Gerd Wagner sein Handeln. Er stürzte den Hang zu seinem zu Hause hoch, sprang in der Waschküche in seine Kombi und düste zurück zum Gerätehaus. Erste Kameraden beförderten da bereits den Tragkraftspritzenanhänger (TSA 8) auf die Schließenbrücke. Kein Wasser, nur Schlamm. „Kurzerhand wird die Tragkraftspritze, samt bereits gekoppelter Saugleitung, geschultert und zum Löschteich am Gerätehaus im Laufschritt bugsiert“, beschreibt Gerd Wagner das hektische Zeitgeschehen. Die Wasserversorgung stand.

„Vor Ort waren 12, 14 oder mehr Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Waltersleben.“ Gerd Wagner stand am Strahlrohr und bekämpfte den Brand in der Dachgeschoss-Wohnung - die von der Wirtsfamilie Meinecke genutzt wurde - von außen mit. Gegen 16.30 Uhr war das Feuer gelöscht. Günther Meinecke und seine Frau Anne verletzten sich bei der Rettung des Kleinkindes ihrer Tochter Christine.

Brandinspektor Otto Kurth erklomm mittels Holzschiebeleiter den Ostgiebel und wollte das Fenster einschlagen, um somit einen Löschangriff starten zu können. Doch er bemerkte, dass der Angriffstrupp bereits über die Bodentreppe die Wohnung erreicht hatte.

Die eingetroffene Berufsfeuerwehr aus Erfurt kam nur noch bedingt zum Einsatz, so mit Scheinwerfer-Technik. Der Brand war längst unter Kontrolle. Doch die Einsatzabteilung Erfurt bei der Auswertung monierte die lange Strecke der Wasserversorgung. Nach dessen Ansicht wäre die Nutzung des nahen Hydranten viel besser gewesen. „Die haben uns richtig runtergeputzt“, sagt Gerd Wagner. Doch das wollte er auf sich und seinen freiwilligen Kameraden nicht sitzen lassen. „Greift doch mal euren laschen Schlauch am Hydranten an, dann erfahrt ihr etwas über hiesige Druckverhältnisse“, wurde auch Gerd Wagner gegen die Berufswehr etwas lauter. Doch einen Rückzieher oder gar ein Entschuldigung erfuhr er von den Kräften aus Erfurt nicht.

Es gab ja auch noch zu tun. Bis zirka 17.30 Uhr wurde die Dachgeschoss-Wohnung ausgeräumt. Schutt flog aus dem Giebel-Fenster auf die kleine Rasenfläche vor dem Mühlstein-Areal. Von zirka 18 bis 23 Uhr wurde das Dach provisorisch mit Latten und Planen geschlossen und Brandwachen für die Nacht aufgestellt. Wahrscheinlich haben bei der Renovierung angebrachte dünne Styroporplatten im Innenbereich der Wohnung, den Brand - der wohl durch einen defekten elektrischen Heizkörper entstand - noch richtig angefacht. Fazit: Drei Verletzte mit leichten Verbrennungen - zwei Erwachsene und ein Kind, welches von der Familie selbst aus den Flammen gerettet wurde.

Gerd Wagner, der richtig und entschlossen gehandelt hat, hing seine Feuerwehrkombi für immer an den Nagel im Gerätehaus. Die seiner Meinung nach haltlose Kritik an der Wasserversorgung und das Nichtbeistehen seines Wehrführers, konnte er nach einem so schnellen, engagierten und erfolgreichen Einsatz der FFW nicht verkraften.

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