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Herrscher über Technik & Kurven: Thüringer Motorradfans

Nicole Ludwig mit ihrer Harley Sportster
Nicole Ludwig mit ihrer Harley Sportster
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Rasant oder eher gemütlich durch Thüringen oder noch viel weiter düsen, sich dabei als Herrscher über Technik und Kurven den Wind um die Nase wehen lassen und so sein ganz persönliches Stückchen Freiheit genießen - die Lust am Motorradfahren ist ungebrochen.

Sie wird sogar größer. Im gesamten Bundesgebiet steigen die Zulassungszahlen für Zweiräder, das ist auch in Thüringen so. Zu Jahresbeginn waren im Freistaat 96.000 Motorräder, Motorroller oder Mopeds registriert, rund 10.000 mehr als noch 2007. Die AA-Redakteurinnen Jana Scheiding, Sibylle Klepzig und Helke Floeckner auf der Spur der Faszination Motorrad:

Nicoles Lebenselixier

"Mein Mann ist Biker. Und bei einer Party habe ich spontan verkündet, den Motorradführerschein zu machen", erinnert sich Nicole Ludwig an verblüffte Gesichter. Nun gehört sie längst dazu, seit zehn Jahren ist sie Motorradfahrerin. Die ersten Jahre ging es ziemlich rasant zu, ihre Maschine konnte gut 'Speed machen'. Über eine Harley Davidson - "so ein alte-Leute-Moped" - hat sie damals nur gelächelt. Nun hat sie sich in genau so ein Bike verliebt, fährt seit fünf Jahren eine limitierte Edition der Harley Davidson Sportster. "Der Sound ist einfach geil, es muss nicht mehr so schnell sein, da genieße ich lieber die Natur", sagt sie lächelnd und fügt hinzu: "Motorradfahren ist für mich Lebenselixier, dabei geht es mir gut". Auf 2000 Kilometer kommt die junge Frau, die sonst in einem Versicherungsbüro arbeitet, locker im Jahr. Entweder ist sie allein unterwegs oder mit ihrem Mann. Die nächste Tour führt sie in die Dolomiten.

Andrej Gukow: Cruisen & genießen

Durch ganz Thüringen, bis zur Ostsee oder nach Italien: Wenn das Wetter mitspielt, schwingt sich Andrej Gukow ein- bis zweimal pro Woche auf seine 94-PS-starke "Indian Chief". Die fällt allein durch ihre Optik - zum Beispiel die verkleideten Kotflügel - ins Auge. Aber auch ihr ziemlich starker Motor vermag einiges zu leisten. Die 1901 in Massachussetts gegründete Indian Motocycle Company war einer der ersten Hersteller von Serienmotorrädern in den USA. Andrejs Leidenschaft für Bikes begann schon im Jugendalter, im Laufe der Jahre kamen immer mehr Pferdestärken hinzu. War er bislang einer, der gern auch einmal schnell fährt, genießt er es nun, mit seiner Indian zu "cruisen", wie er sagt, und die Annehmlichkeiten des bequemen Bikes zu genießen. "Für mich bedeutet das, frei zu sein, auch ein bisschen, zu sich selbst zu finden", beschreibt er das immer wiederkehrende Hochgefühl.

Dirk Langbeins Gefühl von Freiheit

"Du hörst auf den Motor, lässt dir den Wind ins Gesicht wehen und hast das absolute Gefühl von Freiheit", muss Dirk Langbein nicht lange überlegen, wenn er über seine Motorradleidenschaft spricht. Seine Harley Davidson Fat Bob CVO ist ein echter Hingucker, dazu eher selten, es gibt sie europaweit nur 200 Mal. Dirk fährt die beeindruckende Maschine seit vier Jahren, ist aber schon immer Motorradliebhaber und -besitzer. Dreimal pro Woche etwa setzt er sich aufs Bike, auch bei schlechterem Wetter. Das nämlich ist egal, wenn er mit Freunden zum gemeinsamen Fahren verabredet ist, ist das Gesetz. Genau wie das jährliche Harley-Treffen, zu dem er jedesmal fährt. Manchmal ist Dirk Langbein mit seiner Maschine europaweit bis nach Österreich, Italien oder Slowenien unterwegs, mit dem Leihmotorrad hat er auch schon die USA und Vietnam erkundet. Er genießt es gleichermaßen, allein über die Straßen zu fahren und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und liebt ebenso das Gefühl, in der Gruppe unterwegs zu sein.

Wie ein Kindergeburtstag

Für Jörg Breyer (von links) ist die ­gelbe Boss Hoss ein riesengroßer Traum, für den er lange sparte. Heute ist er einer von etwa 150 Boss-Hoss-Fahrern in Deutschland. In den Niederlanden kaufte er die 700 Kilo schwere, defekte Maschine und baute sie zu Hause auf. Mit Baujahr 1997 ist sie eine der ersten ihrer Art. „Wenn ich mit ihr unterwegs bin, ist das wie ein Kindergeburtstag“, erzählt Breyer. „Nach einer Stunde bin ich aber auch fix und alle.“ Auch wenn sie auf engen Straßen ein wenig schwer händelbar ist – sieht Breyer seine Boss Hoss an, „habe ich immer einen Smiley im Gesicht“.

Bernd Breuer liebt Oldtimer. Zu Hause hat er eine kleine Flotte, die Fans blass werden lässt. Aber ebenso liebt er es seit 26 Jahren, Motorrad zu fahren – vor allem auf seiner Vulcan, Baujahr 1991. „Das ist mehr als Leidenschaft, das ist Liebe zur Technik, die verbindet“, erklärt er. „Wenn ein Kumpel eine Panne hat, wenn etwas an der Maschine ist, leidet man mit. Egal, wie spät es ist, man zieht sich an und fährt raus, um zu helfen.“

Seit 20 Jahren fährt Frank Teupel Harley. „Motorradfahren ist für mich ein Stück Freiheit, das mir keiner nehmen kann“, schwärmt Teupel, den seine ­Freunde aufgrund seiner Leidenschaft schon Harley nennen. Erzählt er vom Sound seiner Maschine, vom Vibrieren des Motors, stellt sich Gänsehaut-Gefühl ein. „Wenn ich mit einem vollen Kopf von der Arbeit komme, genügt eine Stunde Fahrt und alles ist gut.“

Die alte Polizeimaschine aus dem Libanon hatte es Frank Stietz angetan. Als er sie kaufte, war sie nichts als ein Haufen Schrott. Stietz investierte drei Jahre und ein stolzes Sümmchen in den Wiederaufbau. „Das war in Ordnung, denn ich ­wollte kein Motorrad, das schon völlig verbaut war.“ Stietz liebt es, an ­alten Fahrzeugen herumzuschrauben. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, sie zu fahren. Es war ein Fest, als der Rahmen lackiert und der Motor eingebaut waren.“ Dass Motorradfahren verbindet, schätzt Frank Stietz. „Auch an seine Hochzeit vor 15 Jahren denkt er gern zurück. „Es war eine Bikerhochzeit. Unterwegs ging die Maschine kaputt. Da musste ich vor der Kirche erst einmal schrauben. Vor dem Pfarrer hab ich dann irgendwie die Trauerränder unter den Finger­nägeln verborgen.“

Peer: Nur noch Chopper

Peer ist schon immer mit Leidenschaft Motorradfahrer. Monatelang fieberte er einst seinem 18. Geburtstag entgegen, als er endlich auf das stärkere Motorrad umsteigen durfte - eine MZ ES 250. Die hatte er in den Monaten zuvor so richtig aufgemotzt, mit allem, was dazu gehört. Seine ganz große Sehnsucht galt damals schon den Choppermaschinen, noch heute schwärmt er von "Easy Rider" - dem Film, in dem Peter Fonda auf einer Shopper fuhr. Die tollsten Bikes dieser Art aber bauen die Japaner, war Peer schon als Jugendlicher durch unzählige Bilder überzeugt. Faszinierend - und unerreichbar. Doch zum Glück kam alles anders... 1997 fanden Peer und seine nagelneue Yamaha Virago XV 1100 zueinander, die größte und schwerste ihrer Baureihe. "An ihr stimmt einfach alles", sagt er über das Motorrad, das auch "Die Unzerstörbare" genannt wird. Im Juni wurde Geburtstag gefeiert: 20 Jahre Peer und seine Virago.

Horst Kriegs Genießerrunden

Einst war sie die einzige einigermaßen schnelle Maschine, sozusagen die 'Harley des Ostblocks', heute ist sie Horst Kriegs riesige Leidenschaft - seine Jawa 350, Baujahr 1962. "Früher konnte ich mir nur die kleinere Variante leisten", erzählt der Vorsitzende der Odtimerfreunde Erfurt, der noch den Preis von damals kennt - 3684 Mark. Von den geliebten Oldtimern ist die aus Tschechien kommende Jawa sein absoluter Liebling, stilecht mit Fuchsschwanz verziert. Mindestens alle zwei Wochen holt er sie aus der Garage und dreht eine große Genießerrunde, meist mit Gleichgesinnten. Immer wieder werden sie unterwegs angesprochen, die Jawa hat noch immer viele Fans. Höhepunkt jedes Jahres ist das von Horst Krieg organisierte Jawa-Treffen, an dem längst nicht mehr nur Thüringer teilnehmen und für das er sich mehr Unterstützung von der Stadt Erfurt wünscht.

Münchner mit Thüringen-Ambitionen 

Lutz ohne Motorrad? Das geht nicht! Infiziert mit der rasanten Leidenschaft ist der Münchner seit 40 Jahren. Bis zu 25.000 Kilometer fährt Lutz jedes Jahr mit seiner BMW 1200 GS. Zeit dafür hat er, seitdem er im Ruhestand ist. Auf seinen Touren zieht es ihn bis nach Sizilien, Sardinien, nach Frankreich, in die Schweiz und zu etlichen anderen hübschen Flecken Europas. "Berge sind wichtig, dazu Kurven und Pässe", mag es der Bayer intensiv. "Gott sei dank kann ich das alles machen, weil meine Freundin mitzieht", ist er dankbar und glücklich, manchmal fährt sie sogar auf seinen Touren mit. Die Freundin kommt übrigens aus Thüringen, deshalb verbringt Lutz längst viel mehr Zeit hier als in der alten Heimat. Und Thüringen hat auch herrliche Motorradstraßen, schwärmt er und nennt sofort die Strecke zum Kyffhäuser. "Die fahre ich immer dreimal hintereinander, mindestens!"

Tempo ist Nebensache

Mit Schwung bockt Marina Hake ihre MZ 300 auf. „Im Hubraum-Vergleich ist das nur ein Kubikzwerg“, sagt die 57-jährige Wolkramshäuserin. 130 Sachen schafft die 24-PS-­Maschine auch. Aber das Tempo ist Nebensache. Dass ihr Herz an diesem Motorrad aus Zschopau (Baujahr 1976) hängt, liegt vor allem am nostalgischen Fahrgefühl. „Wir sind schon in jungen Jahren MZ gefahren.“ Mit Ehemann Achim ist sie im Ost-Klassiker-Klub Wolkramshausen. „Wir genießen die Gemeinschaft und die gemeinsamen Ausfahrten.“

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