Die Rebensfrohe
Jenny Meinhardt - unsere neue Deutsche Weinkönigin?

Noch ein paar Tage ist Jenny Meinhardt Gebietsweinkönigin Saale-Unstrut.
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Jenny Meinhardt ist die noch amtierende Gebietsweinkönigin Saale-Unstrut und kämpft am 23. September um die Krone der Deutschen Weinkönigin.

Zwingend in einer Winzerfamilie  großwerden muss man nicht. Man kann auch ohne diese Voraussetzung vom Weinvirus infiziert werden. Jenny Meinhardt weiß das wie keine andere: „Mich hat es total gepackt“, gesteht die 25-Jährige und strahlt mit ihrer goldenen Krone und den glitzernden Steinen darin um die Wette. Jenny ist so voller Leidenschaft für ihre zauberhafte Heimat und alles, was mit dem Weinanbau zusammenhängt, dass es fast schon logisch erscheint, dass sie es souverän auf den Thron geschafft hat - Jenny Meinhardt ist seit fast einem Jahr Gebietsweinkönigin der Saale-Unstrut-Region.

Ein paar Jahre zuvor durfte sie schon einmal weinherrschaftliche Luft schnuppern - als Thüringer Weinprinzessin. „Meine Mutter hatte mich darauf gebracht, mich zu bewerben, sie wusste ja, wie sehr ich die Region liebe und es genieße, in der Natur zu sein“, erinnert sich Jenny. Und Prinzessin wollte sie schon als kleines Mädchen immer sein. Dass der Weinvirus dann derart heftig zuschlagen sollte, hätte Jenny nicht gedacht. „Zu meiner Zeit als Weinprinzessin war ich schon im vierten Semester, abbrechen kam nicht in Frage“, erzählt die angehende Lehrerin, die sich heute vorstellen kann, dass auch ein Studium der internationalen Weinwirtschaft das Richtige für sie gewesen wäre.

Grenzenlose Begeisterung für den Weinanbau

Als königliche Weinhoheit lebt sie ihre grenzenlose Begeisterung für den Weinbau nun eben ehrenamtlich aus. Auf 250 Termine in diesem einen Königin-Jahr kam der blonde Wirbelwind locker, ein enormes Pensum
neben dem Job. Jenny lächelt jeden Hauch einer Anstrengung einfach beiseite,
wenn sie als Gekrönte unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Weinfeste,
Messen, geführte Wanderungen, Weinproben, Hoheitentreffen - Anlässe gibt es zuhauf. „Ich genieße das alles sehr, vor allem auch einmal Blicke hinter die
Kulissen oder, immer wieder neue Gegenden kennenzulernen.“ Wer allerdings
glaubt, so eine Weinkönigin sei lediglich da, um hübsch auszuschauen und
vielleicht einmal nett zu winken, irrt gewaltig. Um überhaupt Königin zu werden, muss die Anwärterin neben Charme und Ausstrahlung ein umfangreiches Weinwissen haben und das sogar im Fachvortag, bei Fragerunden und auch auf Englisch unter Beweis stellen.

Für Königin Jenny ist das selbstverständlich. Auch, dass sie immer weiter hinzulernt. „Ich bin eben neugierig, will ganz genau wissen, wie der Wein ins Glas kommt, was beim Anbau passiert, was alles zu beachten ist“, spricht die 25-Jährige über immer währenden Wissensdurst. Was sie weiß, gibt sie gern weiter, keine Frage an Königin Jenny bleibt unbeantwortet. Vielleicht auch deshalb, weil sie sich inzwischen auch in der Praxis bestens auskennt. Beim Anbau und der Lese ihres Königin-Weines vom Weingut Zahn hat sie
selbst mit Hand angelegt.

Diesen Wein, einen Kernling, nimmt sie am 23. September mit nach Neustadt an der Weinstraße. Zwar ist Jennys Amtsperiode als Gebietsweinkönigin kurz zuvor zu Ende, doch sie tritt zur Wahl der Deutschen Weinkönigin an. Jedes der 13 deutschen Weinbaugebiete schickt seine Hoheit in den Kampf um die Krone. Auf die Damen warten knifflige Herausforderungen, eine bunte Mischung aus Wissensfragen, Unterhaltung, Spielen und einer
Blindverkostung. Jenny ist davor nicht bange, sie lässt es einfach auf sich
zukommen und ist schon gespannt, welchen Wein sie erschmecken wird. „Man muss ihn dann beschreiben, mal sehen, ob er knackig ist oder doch eher zart
schmelzend - mit den Worten darf man da schon kreativ sein.“ Sie selbst mag
derzeit vor allem Weißweine, mit leichter Fruchtnote, nicht zu parfümig und gern etwas spritzig.

Weißweine stehen vor allem für die die Saale-Unstrut-Region mit ihren vielen Steilhängen und Terrassenweinbergen, sie machen 75 Prozent des hier
angebauten Weins aus. „Ich freue mich schon sehr darauf, bei der Wahl unser
Weinanbaugebiet bekannter zu machen. Auch wenn es das nördlichste in Deutschland ist - manche sagen sogar Wein-Nordpol dazu - kommen von hier Top-Weine“, versichert Jenny, die für ihre Sache brennt. Bei einem Interview wurde sie einmal als „die Rebensfrohe“ bezeichnet. Das passt. Es wird Jenny Meinhardt auch bei der Wahl nicht schwerfallen, andere in ihren Bann zu ziehen. Und nachdem es 25 Jahre her ist, seit eine Deutsche Weinkönigin von Saale-Unstrut kam, wird es langsam wieder einmal Zeit dafür. „Ach“, winkt die junge Frau bescheiden ab, „es wäre schon das Tollste, es bis ins Finale unter die besten sechs zu schaffen.“

Bis zu dem großen Tag - an dem sie von 70 Freunden, Familie und Weinfreunden begleitet wird - genießt Jenny noch ein wenig die Zeit, absolviert Termine, bereitet sich auf die Wahl vor und freut sich über das extra designte königsblaue Kleid. Bestimmt kommt sie auch mal dazu, zu Hause den Eltern bei der Pflege der Weinstöcke zu helfen. Der Weinvirus hat nämlich auch die Familie ergriffen, sie haben jetzt 80 Rebstöcke. Nun gehört Jenny also doch zu einer Winzerfamilie.

Termin rund um den Wein:

10. September: Jennys letzter Auftritt als Königin - beim Winzerfest in Freyburg erfolgt die Proklamation der neuen Weinkönigin

Ein paar Fragen an die Weinkönigin:

Rot oder Weiß?

Sowohl als auch, das kommt auf die Jahreszeit an. Im Sommer schmecken mir Weißwein oder ein Rosé besser. Es hängt auch viel davon ab, was man dazu isst. Obwohl es längst nicht so ist, dass zu einem kräftigen Braten nur ein Rotwein passt.

Liegt im Wein wirklich Wahrheit?

“Sag niemals leis', sag niemals laut, was dir der Freund beim Wein vertraut.“ Das ist ein guter Ausspruch, daran sollte man sich halten. Und über manche Wahrheiten lässt sich gut bei einem Gläschen Wein reden.

Haben Sie unter den unzähligen Aussprüchen berühmter Menschen rund um den Wein ein Lieblingszitat?

“Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen“ - ist das nicht herrlich?! Es gibt wirklich unglaublich viele Zitate
zum Thema Wein, auch Goethe ist da eine Menge eingefallen. Bin ich bei einer
Weinprobe dabei, dann gibt es zu jedem Wein einen passenden Spruch. Da fällt mir
noch einer ein: Weintrinker sind gesund, intelligent und sexy. Zumindest nach
dem fünften Glas... ;-)

Bier auf Wein...

... das lass sein. Lass das Bier überhaupt weg! Bei Weinfesten ist immer so eine friedliche,
entspannte Stimmung, da sind gesellige Menschen, die gemeinsam genießen und
plaudern. Gibt es zu viel Bier, kippt schon mal die Stimmung, Ärger zieht
herauf.

Wem würden Sie gern einmal reinen Wein einschenken?

Jemandem, mit dem man etwas zu klären hat, der einen geärgert hat. Ein gutes Glas Wein ist immer auch ein wenig Kommunikationsmittel, dabei kann man sich wunderbar unterhalten, auch über Unangenehmes, und Vorurteile behutsam abbauen.

Was halten Sie von altem Wein in neuen Schläuchen?

Das ist eine Redensart von alten Inhalten neu verpackt. Aber das gibt es auch beim Wein, wir kennen es vom Blanc de Noir oder beim Orange. Das sind neue Trends, dabei gibt es die Keltertechniken dafür seit Hunderten von Jahren. Natürlich sollte man immer Trends wagen, dabei kann ja viel Gutes hrauskommen. Aber es ist auch gut, neugierig und wissbegierig zu sein und manche Dinge zu hinterfragen.

Wie behält man als Weinkönigin bei den vielen guten Tropfen einen klaren Kopf?

“Wasser macht weise, fröhlich der Wein, drum trinke sie beide, um beides zu sein.“ So halte ich es auch als Weinkönigin.

Zur Person:

- Jenny Meinhardt wurde 1992 in Apolda geboren, sie wuchs in Flurstedt bei Bad Sulza auf

- Sie ist die 47. Weinkönigin der Saale-Unstrut-Region

- 2010 begann sie ihr Lehramtsstudium an der Friedrich- Schiller-Universität in Jena (Geschichte, Geographie und Spanisch), derzeit absolviert sie ihr Referendariat

- 2012/13 war Jenny Thüringer Weinprinzessin

- Sie ist die jüngste Wanderführerin in Bad Sulza

- Kochen, Fotografieren und Reisen sind ihre Hobbys, seit über 13 Jahren ist sie aktives Mitglied im Spielmannzug Wickerstedt.

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut:

Unberührte Landschaften mit Weinbergen, Steilterrassen, jahrhundertealten Trockenmauern, romantischen Weinberghäuschen und malerischen Flusstälern prägen das rund 768 Hektar große Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut. Die Schönheit der Flusstäler und die Anmut der durch den Terrassenweinbau geprägten Landschaft versprühen mediterranen Zauber. Schon vor über 1000 Jahren frönte das Kaiserreich der Ottonen dem Weinbau an Saale und Unstrut. Drei Bundesländer teilen sich heute die Weinregion: Sachsen-Anhalt (644 Hektar), Thüringen (115 Hektar) und Brandenburg (10 Hektar). Über 60 Privatweingüter, die Winzervereinigung Freyburg, das Landesweingut Kloster Pforta und die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien laden entlang der Weinstraße Saale-Unstrut ein.
(Quelle: www.weinbauverband-saale-unstrut.de)

Autor:

Helke Floeckner aus Erfurt

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