Kein Mann fürs Tamtam: MDR-Reporter Marc Neblung zieht die Straße dem roten Teppich vor

Marc Neblung im Erfurter Café.
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Der Erfurter Marc Neblung ist als freier Autor, Reporter, Moderator und Schauspieler erfolgreich. Dabei liegen dem Gartenzaun-Plauderer, Fernseh-Nostalgiker und Currywurstpsychologen vor allem das klare Wort und die einfachen Geschichten am Herzen.

Wer den Erfurter Marc Neblung googelt, stößt schnell auf die fetten Schlagzeilen: Am Ballermann hat er mit Freunden einen Betrunkenen vorm Ertrinken gerettet. Und EX-DSDS-Sänger Mark Medlock hat er erfolgreich auf Schmerzensgeld verklagt, weil der ihn und die Gäste einer Firmenfeier übel beschimpft hatte.

Der echte Marc Neblung hat mit diesem Spektakel allerdings nur wenig gemein. Das Größte für ihn sind vielmehr die Kleinen in der Gesellschaft, der einfache Mann von der Straße. All jene, die nicht jeden Tag vor der Kamera stehen, auf die meist keiner hört - sie lässt der 39-Jährige am liebsten zu Wort kommen. „Menschen und ihre Geschichten sind mein Leben.“

„Mein Beruf macht Spaß und ist nicht nur Broterwerb. Was ich in einer Arbeitswoche erlebe, schaffen andere in fünf Jahren nicht. Die sind so alt wie ich und zählen schon die Jahre bis zur Rente.“

Für den MDR ist der 39-Jährige meist in anderer Mission unterwegs, stellt sich beispielsweise für die Wetternachrichten jedem Sturm entgegen oder berichtet heute über Rückenmarkschädigung und morgen über eine Unternehmensinsolvenz. Das gesamte Tagesgeschehen, ohne Nische, ein Hans Dampf in allen Gassen. „Ich möchte nicht nur in einem einzigen Ressort arbeiten - sei es nun Wirtschaft, Kultur, Sport oder Politik.“

Neblungs wahre Leidenschaft aber sind die Porträts: die Verkäuferin im Tante-Emma-Laden, der letzte Bäcker, der nach alter Tradition backt, das Rentnerpärchen, das über das Geheimnis einer langen Ehe plaudert. „Die Geschichten liegen doch auf der Straße. Und ein sympathisches Gespräch ist schöner als jede überschminkte Talkrunde.“ Für Neblung muss es nicht immer die große Show sein. Es reichen die kleinen Gartenzaungespräche. Zuhören, verarbeiten, abzeichnen, aber nicht überzeichnen - dies ist sein Credo. „Und wenn mir die Leute dann sagen: Da ist etwas für mich hängengeblieben, ist das Balsam aufs Seelenbrot.“

Alles ganz simpel halten

Zum MDR kam der gebürtige Nordhäuser übers Bürgerradio und Regionalfernsehen. Zum Entsetzen der Familie hatte er damals den Job im öffentlichen Dienst quittiert. Rückblickend eine gute Entscheidung. Er wollte direkt vor die Kamera. Ganz nah ran an die Menschen und dann aber einen Schritt zurück, um nicht selbst im Vordergrund zu stehen. Alles mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Wichtig sei ohnehin immer die Vorbereitung, am besten erst einmal in aller Ruhe einen Kaffee mit dem Gesprächspartner zu trinken, Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Er will das echte Leben, keine Darsteller. „Erst, wenn die Menschen frei erzählen - dann lebt der Beitrag.“

Sein Job ist dabei nicht leichter geworden. Die Menschen sind unsicherer, misstrauischer. Sie sorgen sich, vor der Kamera als Witzfiguren dargestellt zu werden. „Ich muss immer erst ein Vertrauensverhältnis aufbauen“, weiß Neblung.

Alles ganz simpel zu halten - dies gilt auch für seine Moderationen bei Events überall in Thüringen, sei es nun die Preisverleihung zum Sportler des Jahres oder beim Politiktalk für das Thüringer Wirtschaftsministerium. Seine Formel: Auf einfache Fragen, die sich auch der Zuschauer stellt, erhält er auch eine verständliche Antwort. Kein wissenschaftlicher Duktus, keine aufgeblähten Fachwörter. „Und das machst du nur, wenn du nicht selbst zu tief im Thema steckst. Was ich frage, muss die Omi auf der Couch verstehen können.“ Und wenn nicht, dann lieber selbst dumm stellen, mutig nachfragen, kritisch bleiben. Nicht nur einfach das Mikrofon halten und es schon gar nicht aus der Hand geben.

Als Polizist im Leben und vor der Kamera

Nicht allein als Moderator und Reporter, auch als Schauspieler war Neblung schon oft im Fernsehen zu erleben. Eigentlich wollte er zur Schauspielschule, wurde dann aber Polizist. Vielleicht findet sich deshalb gerade in Krimis immer eine Rolle für ihn - sei es als Kommissar in der Vorabendserie oder als LKA-Einsatzleiter im Tatort. „Mir wird nachgesagt, dass ich eben weiß, wie man als Polizist handelt, spricht und sich bewegt.“ Besetzt war er aber auch schon als Kinderarzt bei Schloss Einstein. Figuren, die Kompetenz ausstrahlen, freut er sich. Für die ganz große Rolle hat es nie gereicht. Seine eigene Schauspielerei kann er ohnehin selbst nur schwer ansehen, ist dabei sehr selbstkritisch. Doch bei aller Bescheidenheit: Kleinreden müsse er seine Leistung auch nicht.

So ein Zwölf-Stunden-Drehtag, an dem er nur eine Stunde etwas zu tun hat, ermüden ihn. „Ich kann nicht ruhig sitzen“, gesteht er. Lieber spinnt er Ideen für Fernsehformate. Im Internet lassen sich diverse Sendungen der Web-TV-Show „Erfurter Nachtschwärmer“ anschauen. „Leider gibt es eine Sendung wie Inas Nacht nur in Metropolen wie Hamburg. Doch wir haben selbst genug tolle Leute.“ Neblung lud Nachwuchsbands, Sportler, Jung-Unternehmer mit Ideen ein, produzierte seine Show aus verschiedenen Erfurter Kneipen. Kollegen wie Kameramänner wurden zu Freundschaftsdiensten verhaftet. Die Produktion wurde immer aufwändiger. Irgendwann war daher erst einmal Schluss. „Aber mit den Nachtschwärmern kann es bald wieder losgehen“, kündigt er an.

Vorbild: Thomas Gottschalk

Auch sonst hat er viele Ideen: einen MDR-Fernsehgarten live von der EGA zum Beispiel. Oder wie einst Michael Schanze mit Kindern reden. „Weg vom Tamtam, zurück zu einfachen Geschichten mit einfachen Menschen.“ Neblung hat einen nostalgischen TV-Blick. Man müsse das Fernsehen nicht neu erfinden, sollte Traditionen in Ruhe lassen und Winnetou nicht erneut verfilmen. Sein Vorbild ist Show-Dino Thomas Gottschalk, der Prominente und die Fleischfachverkäuferin zusammen aufs Sofa brachte. Moderatoren, die über sich selbst lachen konnten, die mit Herzblut agierten.

Gerne würde Neblung mit dem Imbisswagen durch Thüringen tingeln, um die Leute mit Wurstpsychologie zu wahren Worten zu locken. Am besten natürlich bei seiner eigenen Currywurst, mit der Neblung auf dem Markt ist und im Frühling richtig durchstarten möchte. Bisher verkauft er die Würste eher für den guten Zweck. „Es gibt viele Leute direkt vor der Haustür, denen es nicht gut geht, denen man helfen kann.“ Ob bei der Spendengala oder als Vorleser in Grundschulen - Neblung möchte gerne etwas zurückgeben, wie er sagt. Er selbst erinnert sich an eine wunderschöne Kindheit bei Adoptiveltern. Er hat Glück gehabt. Es hätte auch anders kommen können, das weiß er.

Heute erdet ihn seine Patchwork-Familie, vielleicht sogar der christliche Glaube seiner Lebenspartnerin. „Erfolg kann man nicht erzwingen“, sagt er und rät, immer mit Ruhe und Gelassenheit die Dinge anzugehen und alles bestmöglich zu machen. „Dann öffnen sich neue Türen.“

Mehr Informationen:

www.marc-neblung.de
www.facebook.com/marc.neblung
www.facebook.com/erfurter.nachtschwaermer
www.facebook.com/curry.34.erfurt

Marc Neblung im Erfurter Café.
Marc Neblung mit seiner achtjährigen Mopsdame Ellie hinter der Krämerbrücke in Erfurt.
Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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