Thüringer Hobbywelt: Klaus-Dieter Müller ist Herr der 1000 Fotoapparate
Rares aus dem Müll - Wenn Kameras Musik machen

Kamerasammler Klaus-Dieter Müller (links) zeigt eine Ticka“, eine englische Marke von 1907 als Taschenuhr  (oben) und einen Mini-Fotoapparat (unten).
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  • Kamerasammler Klaus-Dieter Müller (links) zeigt eine Ticka“, eine englische Marke von 1907 als Taschenuhr (oben) und einen Mini-Fotoapparat (unten).
  • Foto: Fotos + Layout by Thomas Gräser, wort + bild concept
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Klaus-Dieter Müller liebt den Auslösesound von historischen Fotoapparaten. Er hat sich eine beachtliche Sammlung in über 40 Jahren aufgebaut und viel Wissen angeeignet. Die Suche nach raren Schätzchen geht weiter.

„Bitte recht freundlich!“ Doch vor dem breiten „Chees“ kommt beim Besuch bei Klaus-Dieter Müller erstmal das Staunen. Von überall her sind Objektive auf einen gerichtet, man fühlt sich beobachtet, ins Visier genommen. Doch die rund 1000 Kameras sind nicht „scharf“. Es ist die Fotoapparate-Sammlung des 62-jährigen Erfurters, verteilt auf zwei Zimmer und in neun Vitrinen und Schränken.

 In jedem wohlsortierten ­Regalboden gibt es etwas ­Neues zu entdecken – die ­Vielfalt der Fotoapparate aus fast 130 Jahren in dieser Sammlung. Modelle von Hüttig, Voigtländer, Krügener, Ernemann, Wünsche, Kodak, Zeiss, Agfa… und, und… Rund 50 Hersteller aus 14 Ländern zieren diese Sammlung.

 Wo so viel geordnete Leiden­schaft regiert, dürfen Kuriositäten nicht fehlen: eine Kamera aus einem russischen Kampfflieger MiG-15, Fotoapparat in einer Bierdose, die „Ticka“, eine englische Marke von 1907, als Taschenuhr, Minifotoapparate so klein wie Streichholzschachteln von 1938 bis in die 50er-Jahre oder die „Belplasca“ – eine Stereokamera (1954 bis 62) aus Dresden.

 „Das Fotografieren hat mich schon als Kind interessiert. Mein Vater hat viel fotografiert. Und schon früh habe ich mit meinem Bruder Filme entwickelt und Fotos belichtet“, sagt Klaus-D. Müller. Und das Handwerk hat er noch lange als Hobby ausgeführt und experimentiert. „Mit vielen alten Fotoapparaten habe ich tolle Aufnahmen geschossen“, schwärmt der Sammler. Und er hält es wie der kanadische Naturfotograf Freeman Patterson: „Es gibt nur eine Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in Hühnchen­suppe“.

 Mitte der 70er-Jahre war die „Exa 1b“ Begleiter von Klaus Müller. Aber auch mit einer „Exakta Varex“, hergestellt von der Firma Ihagee ­Dresden (1950 bis 70), war Müller damals oft unterwegs. Weit nach der Wende, bis 2004, sorgte eine Praktica BC für Nachschub im Fotoalbum. Und er ­schwärmte sogleich von der „Weltix“ und der „Weltini“. Das sind „tolle kompakte ­Fotoapparate aus den 30er-Jahren, hergestellt von der Firma Welta in Freital“, so Müller.

 Bereits zu DDR-Zeiten hatte Klaus Müller mindestens 150 Fotoapparate zusammengesammelt. „Boxkameras habe ich damals in Leipzig im Antiquariat für 20 Mark, Klappfotoapparate für 50 Mark in Berlin und Stereokameras für 150 Mark erstanden. Bekannte beschenkten mich auch und aus dem Müll habe ich auch Kameras gerettet“, so Müller. Nach der Wende kamen Flohmarktbesuche als Fundgrube hinzu und später noch das Internet. „Ein Schnäppchen war meine älteste Kamera aus 1890 für acht DM in Leipzig.“

 Doch Klaus Müller geht es nicht um die zügellose Hortung historischer Fotoappa­rate. Er weiß: sammeln bildet. „Das Wissen, um die Technik, Hersteller, Zeit und wann welche Firmen Pleite gingen oder übernommen wurden, interessieren mich.“ So umfasst seine Sammlung auch Fachliteratur, Prospekte und Kataloge. Dort ist auch zu finden, dass einst Fotoapparate in Thüringen produziert wurden – von 1952 bis 59 die „EXA“ beim VEB Mechanik Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda, in den 50er-Jahren die „Feca“ von W. u. P. Fertsch in Jena und vom VEB Carl Zeiss Jena die „Werra“ in Eisfeld.

 „In der Wirtschafts­wunderzeit sind viele kleine Unternehmen entstanden, die in der BRD Fotoapparate produzierten – oft nur für kurze Zeit“, sagt Klaus Müller. Und bei dieser Aussage ist der „Jagdinstinkt“ bei ihm wieder geweckt – die Suche nach seltenen Stücken. Blauäugig geht er dabei nicht auf Flohmärkte. Sein Hintergrundwissen über Fototechnik ist Bares wert.

 Auch wenn er heute über­wiegend digital fotografiert, die Begeisterung für die historischen Kameras bleibt. „Wenn ich den Verschluss einer alten Kamera spanne und auslöse, bei langer Belichtungszeit, ist der Sound des Hemmwerkes – vergleichbar mit einem Uhrwerk – faszinierend“, sagt Klaus-Dieter Müller. Und den wird er wohl noch oft ­genießen können.

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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