Im Interview:
Seit 15 Jahren schreibt Egmond Prill die „Worte zum Sonntag“

Der Theologe Egmond Prill trifft für die „Worte zum Sonntag“ im Allgemeinen Anzeiger seit 15 Jahren den passenden Ton.
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  • Der Theologe Egmond Prill trifft für die „Worte zum Sonntag“ im Allgemeinen Anzeiger seit 15 Jahren den passenden Ton.
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Seit 15 Jahren schreibt ­Egmond Prill die „Worte zum Sonntag“ für den Allgemeinen Anzeiger. Im Interview mit AA-Redakteur Michael Steinfeld sprach der Theologe und Journalist über Glauben, Hoffnung und tröstende Worte.

Wann hast du zuletzt in der Bibel gelesen?
Heute Morgen – für ein Seminar, das ich führe. Ich gehe gerne mit den „Worten zum Sonntag“ schwanger. Die Ideen kommen mir beispielsweise bei langen Autofahrten. Ich warte nicht bis zur letzten Minute. Ich habe lieber einige Tage Vorlauf. Dann kann da auch etwas wachsen.

Einige können erfreut ­sagen, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Du hast deinen Glauben zum Beruf gemacht.
Ja, zu DDR-Zeiten ­Theologie zu studieren, war eine Entscheidung, für die man im mehrfachen Sinne Glauben brauchte. Zum einen den Glauben mit der Bibel in der Hand, aber auch das Gottvertrauen, in einem atheistischen Staat, der die Kirche eher bedrängt, diesen Beruf zu wählen. Ich hatte zuvor nach meiner Ausbildung als Elektromonteur doppelt so viel verdient wie später nach sieben Jahren Studium im kirchlichen Dienst.

Du bist in Sachsen geboren – dort und in Thüringen ­aufgewachsen. Seit 1992 lebst du in Kassel. Ist die Missionsarbeit im Osten eine andere?
Ich bin nicht der große ­Missionar. Was ich im Osten, gerade bei Menschen in meinem Alter, bemerke: Man hat es nicht fürs Geld, das Ansehen oder die Karriere gemacht. Im Westen gehörte es eher zum guten Ton, in der Kirche zu sein, kirchlich getraut zu sein. Das ist bei den jungen Leuten heute sicherlich ganz anders. Das hat sich angeglichen und spielt keine Rolle mehr.

Du hast in den vergangenen 15 Jahren weit über 700 „Worte zum Sonntag“ für den Allgemeinen Anzeiger geschrieben. Was war dir besonders wichtig?
Ich habe meiner Fantasie und Kreativität freien Lauf gelassen und mich immer gefragt, was die Leser interessieren könnte, die nicht die treuen Kirchgänger sind. Ich habe über biblische Zahlen, Begriffe, Sprichwörter, Feiertage und Zusammenhänge zum Alltag geschrieben. Wir sprechen, ohne es zu wissen, vieles so landläufig aus, das aus der Bibel stammt. Ich habe immer versucht, neben dem religiösen Inhalt einen Aha-Effekt zu erzeugen und eine Hand voll Wissen zu vermitteln. Zum Beispiel, was denn jetzt grün am Gründonnerstag ist.

"Ich bin ein harmonischer Typ."

Viele dieser ­Redewendungen stammen von Martin Luther, der dem Volk aufs Maul geschaut hat, als er auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzt hat. Ist Luther in dieser Hinsicht ein Vorbild für dich?
Vielleicht in diesem Punkt, immer an den Leser zu denken und eine verständliche Sprache zu wählen. Ich bin weder der große Theologe wie Luther, noch so ein aufbrausender Typ, wie er beschrieben wurde. Ich bin in den Worten und Predigten harmonischer. Er hat hingegen Aufmerksamkeit und Zuspruch bekommen, weil er gegen den Strich gebürstet hat.

Ist der Sonntag als Ruhetag und Tag der Kirche noch zeitgemäß?
In der modernen Zeit, rollt sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag der Rubel. Zumindest online sind alle Geschäfte geöffnet. Ich bin viel an Schulen unterwegs und versuche, das Thema mit den jungen Leuten zu erörtern. Es gibt einen Lebensrhythmus von Einatmen und Ausatmen, von fleißig sein und arbeiten bis der Schweiß tropft und einer Erholungsphase. Jeder Mediziner erklärt uns die Bedeutung des Schlafes. Der Körper repariert in Zeiten der Entspannung unheimlich viel.

Das Leben ist so – ob man nun glaubt, von Gott geschaffen zu sein, oder nicht. Wir brauchen einen Tag zum Entspannen, für die Familie, die Partnerschaft, das Miteinander und um zu sich selbst zu kommen – und auch zu Gott. Ob das nun immer der Sonntag sein muss? Hauptsache ein Tag in der Woche, an dem man das Telefon ausschaltet.

In diesem Moment erklingen Kirchenglocken – der Klingelton des Handys von Egmond Prill.

Hältst du dich selbst an ­diese Auszeit? Deine Texte schickst du uns immer am Wochenende und sehr früh.
Ich bin Frühaufsteher und schreibe auch gerne früh morgens nach dem Aufstehen. Meine Frau liest dann alle Texte noch einmal gegen.

In deinen Texten steckt immer ein Bibelvers. Kommt die Idee zu den Worten von dem Vers oder suchst du den Vers passend zur Idee?
Das eine und das andere.

Erinnerst du dich an eine besondere Leserreaktion?
Ich hatte vor ein paar Jahren eine längere Korrespondenz mit einem Leser über religiös-philosophische Zusammenhänge. Er kannte sich als kritischer Geist in der Bibel gut aus und stellte entscheidende Fragen.

Drei-, viermal in 15 Jahren gab es auch kritische Briefe, meine Worte wären von der Zeitung herausgeworfenes Geld. Ich habe freundlich zurückgeschrieben, dass ich dies ehrenamtlich und kostenlos schreibe. Wen es stört, der kann die Worte ja einfach überblättern. Wer mir schreibt, bekommt aber immer eine Antwort.

An eine Zuschrift einer Frau erinnere ich mich. Sie war schon aus der Kirche ausgetreten, aber meine Worte haben ihr damals in einer schweren Phase Trost gespendet. Dann haben sie den Sinn und Zweck erfüllt.

Mit deinen Worten gibst du vielen Lesern Hoffnung. Wie blickst du selbst in die Zukunft?
Derzeit wird bei aktuellen Diskussionen wie beim Klima viel Panik gemacht – mehr als in vielen Bibeltexten. Der Weltuntergang wird an den Himmel geschrieben. Aber am Himmel steht auch der Regenbogen Gottes. So lange die Erde besteht, wird nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Tag und Nacht. Es gibt diese Verlässlichkeit der Schöpfung. Mit dieser Grundhoffnung kann man leben, auch wenn mal dunkle Wolken ihren Lauf ziehen. Denn gerade dann scheint und schillert der Regenbogen besonders stark.

Mehr
Die Bücher von Egmond Prill und der Kalender „LICHTflügel 2020“ ist unter www.draulitt-verlag.de erhältlich.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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