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Das Erfurter Schülerforschungszentrum ist ein Eldorado für junge Erfinder
Suche nach motivierten Talenten

Magnetische Knete - ob so etwas funktionieren kann diskutieren (von links) die Schüler Susanne Schmidt, Julian Reichardt und Niels Lißner mit den Lehrern Bastian Vötgen (Mitte Hintergrund) und Frank Paulig.
Magnetische Knete - ob so etwas funktionieren kann diskutieren (von links) die Schüler Susanne Schmidt, Julian Reichardt und Niels Lißner mit den Lehrern Bastian Vötgen (Mitte Hintergrund) und Frank Paulig. (Foto: Michael Steinfeld)
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Das Silicon Valley von Erfurt - dieser Vergleich schmeichelt Frank Paulig schon sehr. Doch so ganz abwegig findet ihn der Leiter des Schülerforschungszentrums nun auch wieder nicht. Schließlich ist die Denkfabrik im Erfurter Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) mit Bio- und Chemielabor, Rechenzentrum, Robotern und anderen High-Tech-Geräten vom 3D-Drucker bis zur Hochgeschwindigkeitskamera viel besser ausgestattet als jedes Garagen-Startup.

Und die Ideen sprudeln hier auch. Vom Raketenfahrrad über einen Keksbackautomaten bis hin zur magnetischen Knete ist erst einmal kein Einfall zu abstrus. „Man muss sich auch hohe Ziele stellen“, fordert Frank Paulig. So beschäftigt sich eine Gruppe gerade mit Holografien, die irgendwann vielleicht die zerstörten Buddha-Statuen in Afghanistan ersetzen könnten. „Warum nicht? Wenn es im Kleinen funktionieren sollte...“, gibt Paulig Feuer frei für alle Spinnereien. „Es sind schon besondere Typen, die hier ihre Freizeit verbringen und nicht etwa auf dem Fußballplatz.“

„Leider stellen wir fest, dass fast ausschließlich unsere eigenen Schüler das Jugendforschungszentrum besuchen“, bedauert Geografie-Lehrer Bastian Vötgen. Der junge Lehrer möchte die Einrichtung über Erfurts Grenzen hinaus noch viel bekannter machen. „Vor allem suchen wir Leute, die am Ball bleiben“, ergänzt Paulig. Dies müssen dann auch keine Musterschüler sein. Noten sind zweitrangig. Wichtiger ist die Motivation. Das Forschungszentrum steht auch nicht ausschließlich Gymnasiasten offen. „Wenn jemand ein Thema gefunden hat, für das er brennt, möchten wir ihn gerne fördern“, ist Paulig überall auf der Suche nach Talenten.

„Man kann etwas erreichen“

Dabei steht im Schülerforschungszentrum vor allem die Praxis im Vordergrund. „Es geht nicht darum, Theorie auswendig zu lernen. Erst was man sich selbst erarbeitet, vergisst man auch nicht so schnell.“ Auch will Paulig die Bildungserfolge nicht an den Siegen bei den Wettbewerben messen. „Mächtig stolz“ ist er aber dennoch über die Bundessieger vom ASG bei „Jugend forscht“ oder als Christian Rahmlow den Thüringer Klimaschutzpreis „Die Blaue Libelle“ erhalten hat. Mittlerweile Student forscht Rahmlow weiter an seinem Fenster-Wärmetauscher, der preiswerter, energiesparender und leichter zu warten sein soll als bisherige Modelle auf dem Markt.

„Bisher hat alles besser geklappt als erwartet“, freut sich Paulig über drei erfolgreiche Jahre. Ob dies nun Hilfe bei der Suche nach Sponsoren, der Kontakt zu Spezialisten, die umfangreiche Ausstattung vom Polarisationsmikroskop bis zum Sternenteleskop oder das Anmelden eines Patents sei. „Man braucht begeisterte Lehrer, die gerne mit den Schülern zusammen tüfteln. Werden sie allein gelassen, kommen sie nicht weit.“ Und die Betreuer profitieren ebenfalls, weil sie sich mit Themen beschäftigen, die ihnen oft fremd sind. Paulig erklärt: „Wir lernen selbst extrem dazu. Das ist das Spannende dabei.“

Hintergrund:

Das Erfurter Schülerforschungszentrum fördert seit Ende 2014 Nachwuchsforscher, ihre Talente in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu entwickeln. Die Jüngsten besuchen die fünfte Klasse, der Älteste ist bereits Student.

An zwei festen Terminen in der Woche können die Teilnehmer die gut ausgestatteten Räume des Schülerforschungszentrums nutzen und hier beispielsweise für ihre Seminarfacharbeiten forschen. Gefördert werden auch junge Talente, die an Bildungswettbewerben wie „Jugend forscht“ teilnehmen möchten.

Hauptsponsor ist die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen. Zu den Partnern gehören weiterhin das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und die Hochschulen im Freistaat.

Kontakt: sfz-erfurt@asgspez.de, Telefon: 0361/2628350

In Thüringen existieren noch fünf weitere Schülerforschungszentren: in Jena, Gera, Ilmenau, Schmalkalden und Nordhausen. Infos: www.jungforscher-thueringen.de

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