Andy Kunte spielt jede Woche auf der Kinderkrebsstation
Trost mit Musik

Nicht nur an jedem Donnerstag, sondern auch zu anderen Anlässen wie Weihnachtsfeier oder Regenbogentour spielt Andy vor den Kindern.
  • Nicht nur an jedem Donnerstag, sondern auch zu anderen Anlässen wie Weihnachtsfeier oder Regenbogentour spielt Andy vor den Kindern.
  • Foto: Helke Floeckner
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Der Erfurter Solokünstler Andy Kunte bringt seit fast 20 Jahren jungen ­Krebspatienten jede Woche musikalische Ablenkung:

Der Donnerstag ist heilig. Da gibt es am Vormittag immer nur den einen Termin in seinem Kalender. Woche für Woche macht sich Andy Kunte auf den Weg zu Kindern, die ihn sehnsüchtig erwarten. Das tut er beinahe 20 Jahre lang. Zuerst als Unterstützung von Musikerin Verena Fränzel, dann bald schon allein.

Der Musiker – sonst steht er mit seinen Künstlerkollegen als Golden Sixties Band auf der Bühne oder ist als Solokünstler unterwegs – singt und musiziert dann anderthalb Stunden lang auf der Station 33 im Erfurter Helios-Klinikum. Umgangssprachlich sagen die meisten „Kinderkrebsstation“ zu dieser Etage. In ihrem Spielzimmer, der „Villa Kunterbunt“, können die kleinen Patienten den anstrengenden Klinikalltag vergessen, einmal nicht an die böse Krankheit und die kräftezehrende Therapie denken, lachen, spielen, basteln, mit Mama und Papa kuscheln und einfach Kind sein. Und am Donnerstag mit Andy singen oder, wenn die Luft nicht reicht, ihm zuhören.

„Jedes Mal ist es anders, wenn ich hinkomme, ich muss auch improvisieren“, erzählt der Mann mit der Gitarre und der immerwährenden guten Laune. Manchmal sind nur ein paar Kinder da, dann wieder sind es mehr. Mal singt Andy Kunte ihnen vor und sie stimmen ein, dann wieder zeigt er ihnen, wie man mit Trommeln und Rasseln, Keyboard und Xylophon Musik machen kann oder bringt ihnen erste Griffe auf der Gitarre bei. Der ­Anfang von Andys musikalischer Zerstreuung aber ist immer gleich: Die Gitarre wird nicht nur mit ihren tiefen Tönen zur großen Glocke und schwingt genauso, sondern das selbst getextete Begrüßungslied darf nicht fehlen: „In einer Woche bin ich wieder zurück. Ehe wir uns trennen, wünschen wir uns Glück!“

Glück brauchen die Kinder und Jugendlichen, die alle ­wegen einer Krebsbehandlung auf der Station sein müssen, natürlich noch viel mehr als andere. „Es ist ein Mutmach- und ein Trostlied“, sagt Andy Kunte über seinen Begrüßungssong. Auch die anderen Lieder und seine Späßchen haben die gleiche Wirkung. Wenn sie alle gemeinsam auf musikalische Weltreise gehen oder die Tiere aus dem Zoo besingen, ist plötzlich alles so leicht. Wenigstens diese wunderbaren Minuten lang. Wer in seinem Zimmer oder auf der Intensivstation liegt, für den gibt es auch etwas vom Besuch mit Musik, zu ihm kommt Andy persönlich. Wenn er dann hört, dass sich ein Kind weigert, seine Medizin zu nehmen, macht er daraus auch mal spontan ein fröhliches Liedchen, die bittere Pille sozusagen schmackhaft. Es funktioniert.

Berührungsängste habe der Musiker bei seinen Besuchen – die vom MusikWerk Fränzel und der Elterninitiative leukämie- und tumorerkrankter Kinder Suhl/Erfurt e.V. initiiert und mit einer kleinen Fahrtkostenpauschale unterstützt werden – dabei noch nie gehabt. Natürlich treffe es ihn, wenn es einem Kind plötzlich schlechter geht, es um sein Leben kämpft. Aber die guten Momente überwiegen, so vielen Kindern kann geholfen werden.
Andy Kunte kann sich ­seine Donnerstage kaum ­anders vorstellen. Als Künstler, gesteht er, gibst du sowieso oft mehr als andere, steckst so viel Herzblut in eine Sache. „Ich sehe es auch als eine gesellschaftliche Pflicht, sich einzubringen, etwas weiterzugeben, was man kann, anderen damit sogar zu helfen.“ Und wenn ihn die Kinder anlächeln, ihn vor lauter Freude drücken, ist das sowieso sein schönster Lohn.

» www.andykunte.com

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