Wie ist das Leben als evangelischer Pfarrer, Herr Schilling?

Pfarrer Bernhard Schilling bei der Feier des Abendmahls.

Bernhard Schilling ist seit 11 Jahren in Gräfenroda Pfarrer, einer von rund 24.000 evangelischen in Deutschland. Den Ausschlag für die Berufswahl gab ein Schlüsselerlebnis bei der Bundeswehr. Als ein Vorgesetzter euphorisch schilderte, wie wirkungsvoll das neueste Waffenmodell tötet, stand für ihn fest: Ich gehe den humanitären Weg, werde Pfarrer.

"Zum Teil ist es ein Beruf und zum Teil mehr als das. Ich verdiene damit mein Geld. Aber Pfarrer zu sein, erfordert in manchen Dingen sehr viel menschliches Engagement." Er ist für die Menschen ein Vertrauter in Umbruchsituationen, begleitet sie bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen oder Beerdigungen. Oder ist einfach nur Gesprächspartner in schwierigen Lebensphasen. "Ich nehme mir viel Zeit für die Menschen und ihre Probleme", sagt Schilling. "Geregelte Arbeitszeiten sind selten. Wenn es an meiner Tür klingelt, bin ich im Dienst."

Ein fester Termin ist der Gottesdienst am Sonntag. Das Thema der Predigt gibt die Bibel vor. "Die Auslegung und der aktuelle Bezug obliegen dem Pfarrer. Ich befrage dazu ganz gerne die Psychologie." Die Kinder- und Jugendarbeit liegen Schilling am Herzen. Über die Musik versucht er, durch neue geistliche Lieder die Sprache der heutigen Zeit in die Kirche zu tragen. Auch sucht er das offene Gespräch zu religiösen Themen in der Gemeinde, leitet einen Frauenkreis, einen Männerkreis, die Bibelstunde und gibt Religions- und Konfirmandenunterricht. "Hier lässt sich das Wissen aus dem Studium anwenden. Ich bin stets bemüht, die Themen lebendig herüberzubringen."

Theologie ist, wie jedes andere Studium auch, wissenschaftlich gehalten. Es fordert die eigene Person und deren Einstellung zur Welt und zu Gott heraus. Gegenüber alten Sprachen wie Altgriechisch, Hebräisch und Latein sollte man ebenfalls keine Berührungsängste haben. Die praktische Gemeindearbeit hingegen lernt man erst später, in der Probezeit. "Im Leben gibt es zwei wichtige Themen: Liebe und Tod. Die Antworten auf viele Fragen, die sich damit beschäftigen, können die Menschen im Glauben finden. Egal, welcher Konfession sie angehören."

Wo?
Im Bereich der Evangelischen Kirche bestehen an 19 Universitäten Theologische Fakultäten oder Fachbereiche: Berlin, Bochum, Bonn, Erlangen, Frankfurt am Main, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Halle/Wittenberg, Heidelberg, Jena, Kiel, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Münster, Rostock und Tübingen.

Was?
Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Dogmatik, Praktische Theologie

Wie lange?
Das Studium dauert zwischen 9 und 12 Semestern. Daran schließt sich ein Vikariat an, das mit der zweiten Theologischen Prüfung endet. Danach wird der Pfarrer für einen zweijährigen Probedienst einer Gemeinde zugewiesen, bevor er dann selbstständig eine Kirchgemeinde leiten darf.

VITA B. SCHILLING
• Theologiestudium in Erlangen und Tübingen
• Vikariat und 2. Examen
• 1992 bis 1998 in Heygendorf/Allstedt (Thüringen)
• seit 1998 Gemeindepfarrer in Gräfenroda und Gehlberg

Autor:

JobProfile Redaktion aus Erfurt

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