Worte zum Sonntag - 23. Oktober: "Ein stummer Schrei"

Meist kommen sie im falschen Moment: die Wassertropfen aus den Augen. Oft sind sie peinlich, die Tränen der Rührung, der Freude, der Trauer. Wir sollen das Gesicht wahren. Es war ein Erziehungsziel über Jahrhunderte: Vor allem Männer zeigen keine Schwäche. Selbst Freudentränen gehören sich nicht. Das wirkt nach.

Die Bibel zeigt uns dagegen oft Menschen mit Tränen in den Augen. David, ein König, bekennt: "Ich bin so müde vom Seufzen; ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit meinen Tränen mein Lager." (Psalm 6). Ein Mensch findet keine Ruhe. Die Sorgen bringen ihn fast um. Doch es hilft, dass Tränen fließen. Was tief im Herzen sitzt, kommt heraus. Tränen sind das Blut der Seele.

Eine Wunde in der Hand soll ausbluten und sich reinigen. Tränen sind noch mehr: als stummer Schrei erreichen sie Gottes Angesicht. Ein Todkranker erhält eine Nachricht von Gott: "Ich habe dein Gebet erhört und deine Tränen gesehen." (Jes. 38, 5). Was innen schmerzt, darf nach außen kommen und vor Gott. Tränen zeichnen Not und Schmerz ins Gesicht.

Jeder darf weinen und vor Gott klagen. Er hört zu. Und er gibt einen Ausblick. Leid und Geschrei, die Tränen voller Schmerz und Trauer sollen ein Ende haben: "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb. 21,4).

Gesegnete Zeit

Autor:

Egmond Prill aus Erfurt

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