Zwergensprache: Wenn die Hände die Wörter malen

Die Knirpse im Kurs lernen zu den wichtigen Wörtern im Satz gleich eine Geste mit. Fotos: Heyder
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Zwergensprache hilft nicht nur beim Spracherwerb, sondern auch später im Leben

Die kleinen Fäustchen werden in die Luft gereckt – „soooo groß“ sind die Winzlinge auf der Plüsch-Decke nun schon. Und obwohl ihnen das Wort „groß“ noch gar nichts sagt, haben sie bereits eine Vorstellung davon entwickelt, was damit gemeint ist.

Kaum ein Satz ohne Smiley, traurige oder grinsende, verlässt heute digitale Botschaften. Ob Handy oder E-Mail, WhatsApp oder Twitter. Und warum? Weil wesentlicher Faktor bei der Kommunikation fehlt. 80 Prozent der Informationen, die Menschen aufnehmen, werden über Gestik, Mimik und über die Stimme transportiert. Babys im Alter zwischen sechs und neun Monaten können noch nicht sprechen. Ihnen fehlt aber damit nur ein kleiner Teil, um sich verständlich zu machen. Denn andere Kommunikationsformen beherrschen sie bereits gut. Den Spracherwerb zu erleichtern hat sich die Ergotherapeutin Susanne Pilz zur Aufgabe gemacht. In ihren „Zwergensprache“-Kursen erfahren junge Eltern, wie sie ihrem Nachwuchs mit ein wenig Unterstützung zu einem besseren Lernen der ersten Sätze verhelfen. „Studien zeigen, dass ein Wort, das mit Gestik untermalt wird, auch anders im Gehirn abgespeichert wird. Es ist auch leichter wieder abrufbar“, erklärt Piltz. Für die acht Monate alte Ella ist es schon völlig selbstverständlich geworden, dass Mama Julia zu jedem Hauptwort im Satz auch eine entsprechende Geste macht. „Sie reagiert sofort mit Interesse und dreht den Kopf in meine Richtung, schaut auch, was meine Hände machen“, zeigt sich die junge Mutti überzeugt von der Methode.

Wenn die Hände eher als der Mund reden

„Ich kenne ein Beispiel, in dem ein kleines Mädchen, dass an einem Zaun stand, hinter dem ein großer Hund war, das Zeichen für Angst gegenüber ihrer Mutter gemacht hat. Das Wort dafür hat sie noch gar nicht beherrscht.“ Es sei aber nicht so, erklärt die Ergotherapeutin, dass das Kind eine eigenständige Zeichensprache erlerne, so wie die Gebärdensprache es sei. Vielmehr würden durch die gestenreiche Unterstützung Dinge im Sinne des Wortes begreifbarer, plastischer gemacht.
Und so treffen sich die Muttis einmal in der Woche zum Kurs zwölf Wochen lang. Dort wird viel gesungen. Aber eben nicht nur mit dem Mund. Die Hände singen dabei immer mit. Sie malen die Bedeutung der Wörter in die Luft. Für Substantive, wie Regen, Schmerz oder Schnecke funktioniere das wunderbar. Julia Lampe findet aber, bei Verben sei das nicht ganz so leicht. „Manchmal verwechsele ich die Zeichen schon mal.“ Nicht dramatisch, kann Susanne Piltz beruhigen. Das ist nicht so schlimm, auch wenn die Kindern sich mal eine andere Geste für etwas merken, das solle man dann einfach so beibehalten.

Selbst für das spätere Leben bekommen die Kleinen gleich etwas mit auf den Weg: Wer gestenreich spricht, gilt als der bessere Redner, hat mehr Zuhörer und wirkt interessanter, als diejenigen, die sich mit beiden Händen ans Pult klammern. Und so, das finden alle im Kurs, ergebe sich eine wunderbare Situation, bei der alle am Ende gewinnen.

Autor:

Axel Heyder aus Erfurt

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