140 Jahre FFW Waltersleben Teil III
Als das Wasser kam - Land unter in Erfurt

Die Schließe übervoll und das Tal geflutet.
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  • Die Schließe übervoll und das Tal geflutet.
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° 140 Jahre FFW Waltersleben Teil III:
Katastrophenalarm im Landkreis Erfurt – Hochwasser überschwemmt Teile von Waltersleben

Am 13. April 1994 machten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Waltersleben am frühen Abend eine Erkundungsrunde durch den Ort. „Die Schließe war fast übervoll und das Wasser lief auch den ‚Wassergraben‘ hinunter. Doch eingreifen mussten wir am Mittwoch noch nicht“, erinnert sich Maik Wagner. Das sah wohl etwas später schon ganz anders aus.

Wolfgang Grimm („Büchse“) verließ mit anderen „Irmchen’s Stube“ nach dem Feierabendbier. „Ab etwa dem Haus von Theo Müller patschen wir ‚Im Tal‘ durch Wasser.“ Die Schließe war übergetreten, das Wehr noch geschlossen. „Meine Blitzidee: Das muss geöffnet werden. Ich rannte nach Hause und schnappte mir die Kettensäge. Das Wasser lief bereits über den Betonelementesteg. Ich konnte gerade noch sehen, wo ich hinlief. Die dicken Bohlen waren nicht mehr zu sehen. Ich habe sie quasi mit dem Kettensägenschwert unter Wasser durchtrennt. Dann gab es ein Knacken. Ich sprang mit einem Satz Richtung ‚Tal‘, sonst wäre ich samt Säge von den Wassermassen mitgerissen worden“, so Wolfgang Grimm. „Das gab einen Flatsch, einen Sog und der Wasserstand sank.“

Dann ging es noch zum Hof von Edgar Grimm. „Wir retteten die Hühner“, sagt „Büchse“. Der ehemalige Schweinestall stand unter Wasser. „Unser Fachbetrieb war gerade beim Umziehen auf die ‚Waidmühle‘. Sonst wäre der Schaden hoch gewesen, da wir diesen Gebäudeteil als Lager nutzten. Lediglich ein paar neue Besen und Eimer schwammen herum“, sagt sich Dietmar Grimm.

Am Donnerstag gegen 1.30 Uhr löste die Kreisverwaltung Erfurt-Land Katastrophenalarm aus, meint Bürgermeisterin Karola Kausch. Nach 24-stündigen Regenfällen in Mitteldeutschland fielen bis zu 100 Liter pro Quadratmeter Niederschläge. „Um 2 Uhr gab es zum wiederholten Mal Alarm“, erinnert sich Otto Kurth. „Da kam es richtig toll. Das Wasser lief bei Alfons Müller zum Tor rein und zur Scheune wieder raus“, sagt der 86-Jährige.

Die Steinbogenbrücke in der Alten Chaussee faste das Wasser noch gerade so. „Dort war vielleicht ein Getöse“, sagt Kurth. „Am Ortsausgang Richtung Möbisburg stand das Wasser auf der Wiese.“ Zwischen 4 und 5 Uhr ging es etwas zurück. Doch Entwarnung gab es keineswegs.

Gegen 6.30 Uhr wollte Isolde Müller 14. April mit ihrer Mutter Anneliese nach Erfurt. „Ich habe im Tal nur Wasser gesehen. Es stand in der Hofeinfahrt und ganz knapp unter den Kellerfenstern“, sagt sie. Mit dem Auto hier rausfahren schien ihr zu riskant. In Stiefeln – Vater Theo trug den Koffer - ging es durch den Garten über die ‚Alte Chaussee‘ zur Mitfahrgelegenheit. Stromausfall, lahmliegender Busverkehr erschwerten die Situation. Die Kinder wurden mit Fahrzeugen der Feuerwehr zur Schule chauffiert.

Ab Vormittag hatten die Kameraden Otto Kurth, Ulrich Hüskes, Maik Wagner und Thorsten Hönl alle Hände voll zu tun. Sie waren per Einsatzfahrzeug Robur LO unterwegs und pumpten Keller aus: Im Büropark kam der „Frosch“ zum Einsatz. „Bei Albin Müller passte der Saugkorb nicht durch das Kellerfenster. Ich stieg mit diesem die Treppe hinab“, sagt Otto Kurth. „Mir kamen die Einmachgläser entgegen geschwommen. Das Wasser stand gute 30 Zentimeter hoch, mit Stiefeln kein Problem. So konnte ich den Saugkorb von innen an die Saugleitung kuppeln“, sagt der Brandinspektor, der wie andere von 2 bis gegen 16 Uhr am Stück im Einsatz war.

„Kurz vor Mittag – der Pegel fiel - ging es in den Keller von Friedhelm Kaiser. Dort hingen die Knackwürste, die auf eine Stange gefädelt waren, Wasser“, beschreibt Maik Wagner das Bild, was er nicht vergessen wird. Auch der Keller von Helmut Braxein wurde vom Hochwasser befreit.

Das Hochwasser von 1994 war ein Schlüsselerlebnis für die Freiwillige Feuerwehr. In der Nachwendezeit herrschte eine fatale Organisation. Es gab keine Ausbildung, keine Schutzausrüstung, keine Sandsäcke und für das im Fahrzeug verbaute Funkgerät gab es keine Einweisung. Vordringliche Aufgabe war: Sicherung des Abflusses von Wassermassen. Mit der Eingemeindung am 1. Juli 1994 wurden sukzessive all die Missstände im Erfurter-Ortsteil abgestellt.

Hochwasser 1994 in Erfurt

Die Schließe übervoll und das Tal geflutet.
Überflutete Möbisburger Straße.
Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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