Schwalben in Not
Bestände zurückgegangen - Naturschützer belohnen schwalbenfreundliche Thüringer

Der Rauchschwalbennachwuchs hat Hunger.
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  • Der Rauchschwalbennachwuchs hat Hunger.
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  • hochgeladen von Helke Floeckner

Schwalben, so heißt es, bringen Glück ins Haus. Doch die Glücksgefühle der Thüringer könnten durchaus in Gefahr sein - der Bestand an Schwalben hat sich hierzulande seit 1990 fast halbiert. Doch dafür, dass sich die Flugkünstler wieder vermehrt ansiedeln und sich wohlfühlen, lässt sich einiges tun.

Schwalben gehören ganz selbstverständlich zu jedem Dorf, auf jeden Bauernhof, in jede Stadt. Doch nun muss man schon genauer hinsehen, um sie zu erblicken. "Die Schwalben sind sehr viel weniger geworden. Gehen wir vom Bestand im Jahr 1990 aus, sind es heute nur noch 50 bis 55 Prozent davon", weiß Tino Sauer. Als Schwalbenbeauftragter vom Naturschutzbund (NABU) Thüringen kennt er dafür die Gründe. Es habe sich vor allem in den Dörfern so viel verändert: Ställe sind verschwunden, genau wie mancher Nutzgarten und Misthaufen weichen musste, Gebäude wurden saniert und ganz anders genutzt, Landschaften versiegelt, Nester entfernt... Hinzu kommt die Gefährdung der Zugvögel in afrikanischen Gefilden, jahrelang wurden sie dort gefangen oder vom Himmel geschossen oder aber sie verfügen durch den vernachlässigten Ackerbau über zu wenig Nahrung.

Zurück in der Heimat finden Schwalben auch nicht überall gute Bedingungen, trotz ihrer großen Anpassungsfähigkeit. Da fehlt ihnen das Material zum Nestbau, Nistplätze sind rar oder aber das Nahrungsangebot lässt zu wünschen übrig. "Dieses Jahr war wettermäßig ungünstig, durch die lange trockene Phase gab es erst einmal zu wenig Schlamm und Material zum Nestbau. Dafür waren die Futterbedingungen durch die vielen Insekten aber ganz gut", zieht der Schwalbenbeauftragte ein erstes Resümee. Der Rauchschwalbennachwuchs hat schon vergangene Woche die ersten Ausflüge unternommen, so dass bald mit der zweiten Brut begonnen werden kann. Die Mehlschwalbenküken sind wohl Ende Juni fit für den Auszug.

Tino Sauer geht jedesmal das Herz auf, wenn er Schwalben sieht. "Sie sind so elegante Flieger, wahre Flugkünstler", schwärmt er. "Es ist unglaublich, wie sie ihre Nahrung im Fliegen fangen, sie haben dann den ganzen Schnabel voll Inseketen. Da ist eine Amsel mit einem Wurm eher unspektakulär." Auch sonst sind Schwalben sehr freundliche Tiere, Singvögle, die gern in Menschennähe sind, die Mücken und anderes Ungetier vertilgen. Und sie ist schützenswert, ihre Nester dürfen nicht entfernt werden. Im Gegenteil: Es dürfen sehr gern mehr werden.

Schwalben willkommen

Der Naturschutzbund Thüringen hat dafür extra ein Projekt gestartet, das Schwalbenfreundlichkeit belohnt. Thüringer können sich mit ihrem Gebäude um die Plakette bewerben. Gerade erst wurde der ganzen Gemeinde Elxleben bescheinigt, dass hier Schwalben willkommen sind. Auch Raimund Kalb, der Pächter des Reiterhofs "Gut Ringhofen" in Mühlberg, freut sich über die Plakette. In seinem Pferdestall nisten mehr als 100 Schwalbenpaare. "Ich freue mich einfach, wenn sie so schön zwitschern. Und wenn die ersten Schwalben aus ihrem Winterquartier hierher zurückkehren, weiß ich, jetzt wird es endlich Frühling", erzählt er. Und dass die Pferde dank der gefiederten Mitbewohner weniger von Fliegen belästigt werden, sei auch nicht zu verachten.

Tipps für Schwalbenfreunde

Für alle, die Schwalben etwas Gutes tun, ihnen das Leben erleichtern möchten, hat Tino Sauer noch ein paar Tipps. Zuerst einmal sollte man sie, wenn die Vögel kommen, einfach machen lassen. Dann nämlich sind die Bedingungen schon mal gut. Ansonsten rät er, Lehmpfützen einzurichten, um den Nestbau zu erleichtern. Auch das Anbringen von Kunstnestern kann hilfreich sein, Schwalben nehmen diese künstlichen, sehr stabilen, beständigen und für Spatzen uninteressanten Wohnungen gern an. Außerdem mögen sie offene Türen oder gekippte Fenster in Ställen, um jederzeit hinein und hinaus zu können. Wer Angst hat, dass der Schwalbenkot die Hausfassade verschmutzt, kann das durch Anbringen eines Kotbrettchens verhindern.

In den vergangenen Jahren konnte der Naturschutzbund in Thüringen schon mehr als 1150 Plaketten für Schwalbenfreundlichkeit vergeben. Sicher werden es noch viele mehr. Damit die Sorge um die Schwalbe nicht eines Tages beängstigend wird.

Wissenswertes:

Schwalbenfreundliches Elxleben

Die erste Plakette für eine schwalbenfreundliche Gemeinde erhielt in diesem Jahr Elxleben im Landkreis Sömmerda.

An einigen Wohnblocks der Gemeinde wurden in Zusammenarbeit von Bürgermeister Heiko Koch und dem NABU über 40 Kunstnester angebracht. Aber auch die alten Nester dürfen hängen bleiben und wurden mit Kotbrettern versehen. "Früher gehörten Schwalben in unseren Dörfern zum normalen Ortsbild", erinnert sich Heiko Koch. "In Elxleben wollen wir das auch weiterhin fördern, zugleich aber dafür sorgen, dass die Tiere auch akzeptiert werden." Die neuen Kunstnester und die Kotbretter werden dazu beitragen, dass keine Probleme durch den Kot entstehen, Fassaden nicht mehr beschmutzt werden.

Jetzt mitmachen!

Mit der Verleihung der Plakette "Hier sind Schwalben willkommen" möchte sich der NABU bei Menschen bedanken, die Schwalben an ihrem Haus dulden. Ab sofort können sich Thüringer Bürger und Gemeinden um die Plakette bewerben.

Nähere Infos zum Projekt unter: www.NABU-Thueringen.de

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