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Rückkehrer mit Biss
Der Biber ist wieder in Thüringen ansässig

Ein Jungbiber in Thüringen.
Ein Jungbiber in Thüringen. (Foto: Siegfried Klaus)
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Der Biber ist nach jahrhundertelanger Abstinenz zurück in Thüringen. Neu ausgebildete NABU-Biberberater wie Stephan Gunkel unterstützen bei aufkommenden Konflikten oder lassen die erst gar nicht aufkommen.

Er ist zurück. Nach gut 400 abtrünnigen Jahren hat der Biber Thüringen für sich wiederentdeckt. „Er war hier komplett ausgestorben“, weiß Stephan Gunkel, nur eine enizige Biberpopulation hatte in Deutschland überlebt, an der Mittelelbe. Ob das daran lag, dass man bis zum 17. Jahrhundert vermehrt Jagd auf das kompakte Säugetier mit dem dichten wasserabweisenden Pelz machte, um sich den praktischerweise zum Fisch erklärten Nager auch in der Fastenzeit schmecken zu lassen oder er einfach der Umgebung überdrüssig war, sei dahingestellt. Nun erobert er seine einstige Thüringer Heimat zurück, die ersten Biber sind seit 2007 hier wieder dauerhaft ansässig. Die Vorreiter von ihnen ließen sich an der Saale nieder, inzwischen kommen sie auch an Unstrut und Ilm, an der Werra, in der Rodachaue und in einzelnen Teichen vor.

Stephan Gunkel freut es, sehr sogar. Der Diplomingenieur und Inhaber des Flussbüros Erfurt beschäftigt sich schon aus beruflichen Gründen - wenn es um Gewässerschutz oder naturnahe Gewässerunterhaltung im Einklang mit der Umwelt geht - immer häufiger mit dem Biber. „Er betreibt als einziges Tier sozusagen Wasserwirtschaft“, weiß der Experte, der das Thema äußerst spannend findet. Das Tier kümmere sich um die Reinhaltung von Gewässern, helfe beim Hochwasserschutz, gestalte Gewässer, fügt er hinzu. „Er bringt also das Ökosystem in Ordnung, trägt zur Renaturierung von Gewässern bei und das sogar kostenlos“, ist Stephan Gunkel von dem nützlichen Tier angetan. Das schafft sogar neuen Lebensraum für viele andere gewässergebundene Arten.

Doch manchmal kann der kleine Gestalter und Holzliebhaber dem Menschen ins Gehege kommen, wenn dieser nah an den Gewässern wirtschaftet und die Landschaft nach seinen Wünschen gestaltet, Auen nutzt oder sich seine Bäume in Bibernähe befinden. Damit es gar nicht erst zu Konflikten zwischen Mensch und Biber kommt und sich das Tier weiter ungestört entwickeln kann, hat sich Stephan Gunkel wie 22 weitere Thüringer vom Naturschutzbund (NABU) Thüringen zum Biberberater ausbilden lassen. Mit ihrem neu erworbenen Wissen sind sie dem Biber nun ganz nah, widmen sich dem Schutz und Erhalt der Art.

Damit Biber & Mensch klarkommen

“Natürlich kann der Biber auch Probleme hervorrufen“, sieht der neue Biberberater den willkommenen Rückkehrer mit Biss realistisch. In seinem Bemühen, den Lebensraum selbst zu gestalten, Landschaft damit zu ihrem urtypischen Zustand zurückzuführen und auch mit seiner Art der Ernährung kann der streng geschützte Biber durchaus auch einmal negativ auffallen. „Wir Biberberater sind dazu da, bei solchen Konflikten zu beraten und zu helfen, wir werden vor allem schon in der Prävention tätig, immer in Zusammenarbeit mit den Behören vor Ort“, erklärt der Naturliebhaber seine Aufgabe als Biberbeschützer. Der Biber mag nun mal gern Kräuter, Sträucher oder Mais und nage nun mal Bäume an, das sei nicht zu ändern. Wenn er damit aber einer 300 Jahre alten Eiche oder den wenigen Obstbäumen eines passionierten Kleingärtners zuleibe rückt, ist das ärgerlich. Aber man kann schon vor dem ersten Biberbiss etwas dagegen tun, weiß der Berater. „Wir gehen aber davon aus, dass es bislang keine ernsthaften Konflikte dieser Art gibt“, spricht er über die derzeitigen Erfahrungen der Biberkenner. Und wenn doch, ist es gut zu wissen, dass es in Thüringen nun Biberberater gibt, die sich um das Wohl der Nager kümmern. Etwa 200 bis 300 der Tiere gibt es derzeit in Thüringen. „Von sagen wir mal 200 Bibern machen 198 überhaupt keine Probleme“, gibt Stephan Gunkel Entwarnung. Da verursachten Wildschweine mehr Schäden hierzulande. Eine Biberschwemme sei in Thüringen nicht zu erwarten, ist sich der Biberfreund sicher.

“Ich bin sehr froh, dass sich der Biber hier wieder angesiedelt hat“, freut sich Stephan Gunkel über eine große Bereicherung in Thüringens Natur. Und er genießt es, wenn einmal Zeit ist, draußen zu sein und genau hinzusehen und Biber und ihre Spuren in ihrem natürlichen Lebensraum zu entdecken. Ein faszinierendes Erlebnis.

Biberberater in Thüringen:

Seit Oktober gibt es 23 Biberberater in Thüringen. Es war die erste Biberberaterausbildung, die in Thüringen stattfand und wurde im Rahmen des NABU-Projektes „Bibermanagement in Thüringen“ durchgeführt. Zu den Ausbildungsschwerpunkten zählten unter anderem die Biologie des Bibers, die Inhalte und Umsetzung des Bibermanagements, Präventionsmaßnahmen in Theorie und Praxis, rechtliche Grundlagen des Biberschutzes und der Umgang mit verschiedenen Biberkonflikten.

Die Biberberater sollen zukünftig in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden vor Ort beraten, helfen Konflikte zu entschärfen und Präventionsmaßnahmen umzusetzen.

Durch seine Aktivitäten schafft der Biber zahlreiche Lebensräume für viele weitere Tier- und Pflanzenarten und hilft beim Hochwasserschutz und bei der Flussrenaturierung. Konflikte mit dem Biber entstehen meistens dort, wo der Mensch die Auen intensiv nutzt und nah an die Gewässer heran wirtschaftet. Frühzeitige Beratung und Hilfe vor Ort entschärft Konflikte mit dem Biber. Hier sollen die Biberberater unterstützen.

Auf Bibers Spuren:

- Durch ihre zahlreichen Merkmale und Besonderheiten eignen sich Biber sehr für die umweltpädagogische Arbeit mit Kindern

- Biberinteressierte können bei Exkurisonen Biberreviere erkunden und von Fachleuten Wissenswertes erfahren

- Infos, auch zu speziellen Biberfragen: www.NABU-Thueringen.de, Biber@NABU-Thueringen.de

Biber-Fakten:

- Der Biber gehört zur Klasse der Säugetiere (Mammalia), zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia) und zur Familie der Biber (Castoridae). Die Gattung Biber (Castor) wird in zwei Arten eingeteilt: den Europäischen und den Kanadischen Biber. Nach Thüringen wandern verschiedene Unterarten des Europäischen Bibers und Elbebiber ein.

- Mit einem Gewicht von bis zu 36 kg ist ein Biber schwerer als ein Reh.

-Biber erreichen eine Körperlänge bis zu 1,35 m, davon entfallen 30-35 cm auf den flach abgeplatteten Biberschwanz. Sie sind die größten Nagetiere in Europa und die zweitgrößten der Welt.

- Biber sind von plumper Gestalt. Sie sind an der Kelle - dem breiten, flach abgeplatteten Biberschwanz - zu erkennen. Wegen ihres schuppenartigen Aussehens wurden die Biber im Mittelalter zum Fisch erklärt und durften zur Fastenzeit verspeist werden.

- Biber besitzen große orangefarbene Nagezähne. Sie sind wurzellos und wachsen ständig nach.

- Der Geruchssinn ist sein wichtigster Sinn. Der Biber kann nur schwarz-weiß sehen.

- Biber leben als Paar ihr ganzes Leben lang zusammen.

- Der Biber gräbt seine Baue in das Gewässerufer, um hier geschützt mit seiner Familie den Tag zu verbringen. Auch die Jungen werden hier aufgezogen. Der Eingang liegt unter Wasser. Gibt die Decke im Wohnkessel nach, so schichtet der Biber Gehölze auf, so dass die typische Biberburg entsteht.

- Ist das Wasser zu flach oder schwankt der Wasserspiegel, baut der Biber Staudämme.

- Der Biber bewohnt die Ufer unterschiedlichster Gewässer - darunter große Ströme, Flüsse, Bäche, Seen, auch vom Menschen geschaffene Teiche, selbst kleine Gräben. Er entfernt sich meist nicht weiter als 20 Meter vom Wasser.

- Biber sind reine Pflanzenfresser.

- Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag verbringt er im Bau. Im Winter fährt er seine Aktivität herunter .

- Einmal jährlich kommt es im Biberbau zu Nachwuchs. Von April bis Juli werden meist zwei bis drei Jungtiere geboren. Sie bleiben zwei Jahre im elterlichen Revier.

- Das Biberrevier ist ein vom Biberpaar und den Jungtieren bewohnter Raum von ca. drei Kilometern Flusslänge.

-Der Biber wird im Mittel acht Jahre alt. Der älteste in Freiheit gefundene Biber war 21 Jahre alt. In Gefangenschaft wurde ein Biber sogar 35 Jahre alt.

(Quelle: NABU Thüringen)

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