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W wie Weg - Thüringen zu Fuß
Der Hebammenweg von Tiefengruben

Auf dem Rückweg fasziniert der Rundblick zu den Höhenzügen um die Kurstadt Bad Berka und nach Tiefengruben.
Auf dem Rückweg fasziniert der Rundblick zu den Höhenzügen um die Kurstadt Bad Berka und nach Tiefengruben. (Foto: Thomas Gräser)
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Thüringen zu Fuß - W WIE WEG: AA-Redakteure touren durch Thüringen und stöbern die schönsten Wandertouren im Grünen Herzen Deutschlands auf. Die zweiten 30 wanderbaren Geheimtipps sind jetzt im kompakten Taschenbuchformat erschienen. Hier die aktuelle Route: Der Hebammenweg von Tiefengruben.

WEG-Name: Die Route erinnert an den Weg, den Tiefengrubener Hebammen einst nahmen, um auf der kürzesten Strecke zu einer anstehenden Entbindung in Gutendorf oder Meckfeld zu eilen.

WEG-Start: Los geht es an der  St.-Nikolaus-Kirche im Rundplatzdorf Tiefengruben. Man geht Richtung Süden, ortsaufwärts den „Ziech“ - Weg zwischen Haus-Nr. 41 und 42 - hoch zur Streuobstwiese und biegt links ab.

WEG-Spezifikum: Am Ortsrand wandert es sich gut ein Stück auf dem Obstlehrpfad mit Infotafel. Doch diesen verlässt man hinter dem Sportplatz nach rechts. Der Wanderer erreicht nach der Streuobstwiese und der ­Koppel nun Mischwald.

WEG-Länge: Für die rund sieben Kilometer lange Tour sollte der Wanderer zirka zwei Stunden einplanen.

WEG-Markierung: Der Kurs ist vorbildlich doppelt ausgeschildert. Man folgt dem grünen H auf weißem Grund.

WEG-Steigung: Hoch zum 471 Meter hohen „Kesselberg“ muss der Wanderer einen 300 Meter langen Aufstieg bewältigen. Es bleibt der einzige auf der Tour.

WEG-Beschaffenheit: Man wandert vorwiegend auf unbefestigtem Waldboden. Kurz vor Gutendorf ist die Strecke 450 Meter lang asphaltiert.

WEG-Pause: Beim Verlassen des Waldes, mit Blick auf den „Rüttelsberg“ mit Antennenmast, findet der Wanderer rechts eine Waldschenke zum Rasten. 

WEG retour: Von Gutendorf aus geht der Wanderer bis zum Kerntal auf der Route der Hin-Tour. Beim Aufstieg zum „Kesselberg“ folgt er rechts dem Schotterweg auf der alten Salzstraße. 

WEG-Besonderheit: Auf dem Rückweg erreicht dann der Wanderer die Lichtung mit Vatertagsstein, Feuerstelle und Sitz­garnituren für eine zweite Rast.

WEG-Schätze: Für GPS-Schnitzeljäger gibt es einige Geocaches zu heben.

WEG-Aussichten: Nach dem Verlassen des Waldes bietet sich links ein spektakulärer Blick über Tiefengruben bis nach Bad Berka und auf die Höhenzüge, die die Kurstadt umgeben. Dann geht es vorbei an Wochenendhäusern (Alte Salzstraße) am Waldrand zurück in das Rundplatzdorf über den "Schindanger".

WEG-Buchung: Touristinformation Bad Berka, Goetheallee 3, Telefon: 036458 - 5790.

WEG im Netz: tiefengruben.de

Die Hebammen: Als 1887 die Gutendorfer Hebamme starb, wurde festgelegt, dass die Tiefengrubener Geburtshelferin Amalie Nimmrich auch Gutendorf und Meckfeld betreuen musste. Aus dieser temporären Regelung wurde damals ein Dauerzustand. So können wir heute davon ausgehen, dass dieser direkte Weg zwischen den Ortschaften bereits im 19. Jahrhundert von den Hebammen genutzt wurde. Im August 1892 begann der Hebammendienst von derTiefengrubener Anna Schachtschabel, die auch wie ihre Vorgängerin Amalie Nimmrich Gutendorf und Meckfeld betreute. Im Geburtenbuch 1907 bis 1924 von Anna Schachtschabel sind 203 Geburten registriert. Sie praktizierte bis 1929.

Die Salzstraße: In Thüringen gab es mehrere Salzstraßen und -wege. Die oberhalb von Tiefengruben verlaufende Salzstraße begann in Frankenhausen am Kyffhäusergebirge. Dort wurde ab 998 nachweislich Salz aus Solequellen gewonnen.  Der mittelalterliche Handelsweg führte über Rohrborn, Schloßvippach und Eckstedt nach Ollendorf und überquerte dort die via regia, die Königsstraße. Weiter ging es über Niederzimmern, Utzberg, Bechstedtstraß nach Gutendorf. Ab Ortsausgang  (Richtung Bad Berka) verlief die Salzstraße bergan in den Wald - heute vorbei am Vatertagsstein – und oberhalb von Tiefengruben weiter nach München. Von der Höhe gab es einen Abzweig hinunter ins Dorf, um auch die Bewohner „tief in der Grube“ mit Salz und anderen begehrten Waren beliefern zu können. Daher: Tiefengruben.

Ziech: bairisch „Ziach“, für Bettüberzug;  könnte auch von Ziechling stammen = Ziehlinge (z.B. junge Obstbäume) oder Schaber/Ziehklinge des Tischlers; Ziech steht aber auch für ziehen = Ziechbrunnen, Ziechvater, Ziechtochter. Wer andere Bezeichnungen oder Erklärungen findet, bitte als Kommentar einstellen.

Buchtipp: „W wie Weg – Thüringen zu Fuß“, Teil 1 und 2 (je 8,95 Euro). Online kaufen: www.klartext-verlag.de oder im Buchhandel; per Mail: info@klartext-verlag.de.

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