Hier wachsen Zehntausende Kürbisse
Die Kürbiskenner aus Thüringen verraten alles wichtige zum Trendgemüse

Der Kürbis ist das Trendgemüse. Mittlerweile wird er auch in der Region angebaut.
2Bilder
  • Der Kürbis ist das Trendgemüse. Mittlerweile wird er auch in der Region angebaut.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Familie Linzer macht den Trend um das Kultgemüse gerne mit und gehört zu den größten Kürbisproduzenten in Thüringen.

Eigentlich ist Günter Linzer gar kein großer Kürbisfan. Geschmacklich gesehen. Kocht seine Frau Helga eine Suppe, dann löffelt er sie halt aus. Schließlich hat er sie sich quasi eingebrockt, als er die Hauptzutat angebaut hat. Denn in diesen Tagen erntet der Chef des Gartenbaubetriebs die letzten von rund 60.000 Kürbissen in diesem Jahr. Das sind insgesamt etwa 180 Tonnen, die einer Hand voll Erntehelfern im wahrstenSinne des Wortes schwere Arbeit verursacht haben.

Angefangen hat alles vor drei Jahren, als der Erfurter egapark für seine
Kürbisfiguren-Ausstellung einen heimischen Landwirt suchte, der sie beliefern
konnte. „Wir haben als Kinder gelernt: Mit Essen spielt man nicht.“ Zu Halloween macht Günter Linzer eine Ausnahme. Denn seine Freilandgemüseproduktion in Erfurt-Dittelstedt versorgt jährlich Thüringens größten Landschafts- und Gartenpark mit Kürbissen. Und weil das Gemüse derzeit so einen Hype erfährt, beliefert er seitdem auch noch den Handel mit zehntausenden Speisekürbissen.

Kürbisse sind eine Wissenschaft

Den Trend nimmt Günter Linzer schulterzuckend zur Kenntnis: „Früher ist alles vom Roten Platz in Moskau herübergeschwappt, jetzt kommt es eben über den großen Teich zu uns“, sieht er es pragmatisch. Zu DDR-Zeiten, erinnert sich der 63-Jährige, da gab es halt kleine und große Kürbisse. „Daraus ist heute eine Wissenschaft geworden.“ Der Landwirt zeigt auf eine Liste, die rund drei Dutzend der geläufigsten Sorten von weltweit rund 800 Kürbisarten zeigt. Am liebsten sind ihm alle Sorten, die höchstens acht Kilo auf die Waage bringen. Nicht aus geschmacklichen Gründen. „Aber wer schleppt denn so einen großen Kürbis heim? Dann isst du ja wochenlang nur noch Kürbissuppe“, rätselt Günter Linzer.

Zu seinen Favoriten gehören die Hokkaido-Typen, die sich in der Küche gut verarbeiten lassen. „Die meisten anderen Kürbisse müssen Sie erst schälen“, erläutert Helga Linzer. „Den Hokkaido spalten Sie nur drei-, viermal, nehmen die Kerne heraus und packen ihn in denTopf. Dann wird er zu Suppe püriert.“ Der leicht plattgedrückten Rouge Vif d'Etampes eignet sich auch für Rohkostsalat und trifft vor allem den Geschmack asiatischer Konsumenten in Thüringen. Im kommenden Jahr wollen die Landwirte den Butternut anbauen. „Den packen Sie in die Ofenröhre mit Zucker und Zimt“, sagt Helga Linzer. Unkompliziert sind auch der Spaghettikürbis und der Sweet Lightning, die sich - einmal erwärmt - einfach auslöffeln lassen.

Vorsicht vor Nachzüchtungen

Kaum ein Kürbis, der nicht mit F1 als ein Hybride gekennzeichnet ist. Hierbei handelt es sich um die erste Generation einer neuen Kreuzung. Denn dass Kürbisse groß wie eine Münze oder wie ein Traktorrad werden können - „das
ist gezüchtet - wie bei den Hunden“, erklärt Günter Linzer. Immer wieder fährt
das Paar zu Ausstellungen der Züchter. „Ich möchte wissen, wie die Sorten
aussehen, wie groß sie werden und was beim Anbau zu beachten ist.“

Generell ist der Anbau nicht kompliziert. Kürbisse mögen keinen Frost, aber viel Wasser. Der Pflanzabstand darf nicht zu knapp bemessen sein - je nach Sorte maximal zwei Pflanzen pro Quadratmeter. Wer möchte, kann die ausufernden Triebe kürzen, sodass nur etwa drei Früchte pro Pflanze wachsen.

Je nach Sorte variiert die Zeit zwischen Aussaat und Ernte. Linzer mahnt zur Ruhe. Auch wenn es einen Hobbygärtner in den Fingern jucken sollte, sei es nicht sinnvoll, direkt nach den Eisheiligen Sorten mit nur 70 bis 80 Tagen Kulturdauer anzupflanzen. „Dann haben Sie zwar beizeiten etwas zu Essen, aber das hält sich im Sommer nicht mehr lange.“ Deshalb sei auch bei der Ernte keine Hektik angesagt. Damit die Kürbisse nicht faulen oder austrocknen, rät Günter Linzer, die Frucht so lange wie möglich an der Pflanze zu lassen.

„Es macht wirklich Spaß“, sagt Helga Linzer, die gerne neue Kürbiskochrezepte ausprobiert, über den Anbau. „Es ist eine Freude, was aus diesem Saatgut wird. Der Kürbis passt gut in den Herbst, ist abwechslungsreich in Farben und Formen. Richtig etwas fürs Auge.“

Tipps:

Kaufen: Ein Klopftest wie bei einer Melone ist nicht nötig, da die Speisekürbisse einen viel kürzeren Transportweg hinter sich haben und daher nicht halbreif geerntet werden müssen. Reine Zierkürbisse sind ungenießbar. Sie enthalten den giftigen Bitterstoff Cucurbitacin.

Lagern: Kürbisse mögen es trocken und warm bei etwa zwölf Grad. Dann halten sie bis in den März hinein. Ein ausgeschnitzter Kürbis für Halloween hält maximal zwei Wochen, dann fällt er zusammen. Er muss gut ausgekratzt sein, um nicht zu schimmeln. Wenn er trocken wird, kann man seine Lebensdauer verlängern, indem man ihn auf einen Teller mit ein wenig Wasser stellt.

Anbauen: Kürbisse mögen nährstoffreichen Boden, wie er beispielsweise auf dem Kompost zu finden ist. Nicht sparen sollte man am Saatgut, sondern hochwertiges von einer Züchterfirma kaufen. Alte Kürbiskerne sollte man nicht als Saat für neue Speisekürbisse verwenden. Daraus entsteht nur eine neue, meist bittere Kreuzung.

Verzehr: Apropos bitter - man sollte seinem Geschmack vertrauen, vor allem bei Züchtungen von Laien. Wenn das Fruchtfleisch bitter schmeckt, sollte man es ablehnen.

Termin: Zum Abschluss der Kürbisausstellung auf der ega Erfurt geht es dem orangefarbenem Gemüse der Linzers am 31. Oktober von 14 bis 18 Uhr an den Kragen. Die riesigen Kürbisfiguren auf dem ega-Freigelände werden abgeerntet, die Kürbisse verschenkt.

Kontakt: www.gaertnerei-linzer.de

Der Kürbis ist das Trendgemüse. Mittlerweile wird er auch in der Region angebaut.
Helga und Günter Linzer bauen Kürbisse an.
Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.