Fleißige Zähler und zugfaule Wintervögel

Haussperling

Über 5.000 Thüringer Vogelfreunde haben an der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (NABU) und des Landesbund für Vogelschutz (LBV) teilgenommen.

„Wir freuen uns riesig, dass wir so viele Thüringerinnen und Thüringer für unsere Aktion begeistern konnten“, sagt Kirsten Schellenberg, die Landesgeschäftsführerin des NABU Thüringen. „Dies ist ein Rekordergebnis seit Beginn der Aktion im Jahr 2011. Nicht zuletzt liegt dies an der sehr guten Berichterstattung der Medien in Thüringen.“

Die Auswertung der Ergebnisse hielt allerdings auch einige Überraschungen bereit. Sonst häufige Wintergäste wie Kohl-, Blau- und Schwanzmeisen oder Kleiber wurden im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel oder gar um die Hälfte weniger beobachtet. Gleichzeitig wurden aber Amseln und Rotkehlchen häufiger gemeldet. „Die Winterbestände von Vogelarten wie Blau- und Kohlmeisen sind vom Zuzug von Artgenossen aus dem kälteren Norden und Osten abhängig“, nennt Klaus Lieder, der Sprecher des Landesfachausschusses für Ornithologie im NABU Thüringen, eine mögliche Ursache für den Rückgang an Sichtungen. „Arten wie Amsel und Rotkehlchen, die normalerweise bei kalten Temperaturen teilweise etwas nach Süden ausweichen, sind dagegen vermehrt bei uns geblieben.“ Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch, dass auch ein schlechter Bruterfolg, beispielsweise bei den Meisen im vergangenen Frühjahr, zur niedrigen Zahl an Wintervögeln in den Gärten beigetragen hat.

Mit über 23.000 Sichtungen ergattert der Haussperling wie schon im letzten Jahr den ersten Platz in Thüringen. Dahinter platzieren sich Kohlmeise, Feldsperling Amsel und Blaumeise. „Der Haussperling hat zwar in diesem Jahr wieder mal den ersten Platz belegt, insgesamt geht es dem kleinen Vogel aber gar nicht gut. Dies zeigt auch das diesjährige Ergebnis, bei dem der Haussperling im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen ist“, bedauert Klaus Lieder. Den dramatischen Rückgang des Haussperlings belegt zum Beispiel auch eine Studie der Universität Exeter aus Großbritannien. Laut dieser hat der Bestand des Haussperlings von 1980 bis 2009 um 61 % abgenommen. Der Vogelexperte nennt eine zu intensiv betriebene Landwirtschaft als Mitverursacher dieses Desasters.

In den bundesweiten Ergebnissen landet der Haussperling ebenfalls an der Spitze, es folgen Amsel, Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise. Insgesamt haben sich an Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmach-Aktion 118.000 Vogelfreunde beteiligt.

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