Unterricht in der Natur – Das grüne Klassenzimmer der CJD Erfurt Christophorusschule

David geht seiner Lieblingsbeschäftigungnach: dem Heuwenden.
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  • David geht seiner Lieblingsbeschäftigungnach: dem Heuwenden.
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(von Kim Koburger)

DieserDienstagmorgen ist ein ganz besonderer für David, Leon und Martin. Die drei Schüler der CJD Erfurt Christophorusschule fahren heute wieder raus auf den eigenen Schulacker in Alperstedt. Hier wird hautnah und mit der Garantie für schmutzige Hände der Umgang mit der Natur gelernt. Helgo Pforr, Besitzer des Ackers und Lehrer an der CJD Erfurt Christophorusschule, ist gebürtiger Stotternheimer und hat sein Stück Land dem CJD als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Seit 2010 haben Schüler dadurch die einzigartige Möglichkeit, einen Teil ihres Schulalltags in der freien Natur zu gestalten. „Der Acker in seiner heutigen Form ist ursprünglich aus der Arbeit mit nur zwei Geräten erwachsen“, erklärt Helgo Pforr. „Durch den Anbau von Kartoffeln und verschiedenen Gemüse- und Kräuterarten auf dem Schulacker entdecken die Schüler auf natürliche Art und Weise den Umgang mit gesunden Lebensmitteln.“ Angefangen unter einfachsten Bedingungen wurde durch viel Handarbeit bis heute Erstaunliches geleistet: neben dem 5.000 Quadratmeter großen Acker gibt es jetzt auch eine Streuobstwiese, einen Kräutergarten, einen Bienenstock sowie ein Insektenhotel. Der Schulacker ist unter anderem für seine wohlschmeckenden, naturbelassenen Kartoffeln bekannt, denen Helgo Pforr beispielsweise Namen wie „Laura“ gibt. So heißt übrigens auch eine seiner Schülerinnen, die das besonders lustig findet.
 
„Wirfahren mindestens einmal pro Woche mit Schülern ab 10 Jahren hier raus. In Form von Einzel- bzw. Kleingruppenförderung soll der Kreislauf der Natur vermittelt werden“, so Karina Schüller, die als Sonderpädagogische Fachkraft an der Christophorusschule tätig ist und den heutigen Arbeitseinsatz begleitet. Als David, Leon und Martin gemeinsam mit den Pädagogen auf dem Schulacker ankommen, haben alle bereits ein Strahlen im Gesicht. David möchte sich am liebsten sofort an die Arbeit machen. Doch zuerst wird ein „Kontrollgang“ gemacht, bei dem die Schüler jede Menge lernen und sich am Ende auf ein kleines Quiz mit Verkostung freuen dürfen. „Hier draußen lernen wir mit allen Sinnen“, betont Helgo Pforr. Auf seinen Kräutergarten ist er besonders stolz, die hier angepflanzten Teesorten möchte er den Jungs in Form eines Quiz ins Gedächtnis rufen. Dazu bekommen sie nacheinander einzelne Blätter der verschiedenen Pflanzen unter die Nase gehalten. Sie haben sichtlich Spaß beim Raten, auch wenn sie nicht alle Kräuter auf Anhieb am Geruch erkennen. David geht am Ende knapp als Sieger hervor und hat auch seine Lieblingspflanze, die Colapflanze, erraten.
 
Zurzeitsteht die Kartoffelernte an, worauf alle Schüler der Christophorusschule schon sehr gespannt sind. Helgo Pforr betont dahingehend, dass den Kindern der natürliche Reifeprozess ohne Chemie beigebracht werden soll. „Das Besondere ist, dass man die Kartoffel nicht nur im Klassenzimmer als Unterrichtsthema behandelt, sondern man lernt in der Natur hautnah ihre Entstehung kennen“, ergänzt er. Ziel ist die selbständige Bewirtschaftung des Ackers. So auch bei den beliebten Kartoffeln, die oftmals leider auch dem ein oder anderen nächtlichen Dieb zum Opfer fallen. Auf dem Schulacker gibt es auch Kartoffelraritäten und alte Sorten wie zum Beispiel Goldmarie, Angeliter Tannenzapfen und Smaland Rot. Kartoffelliebhaber können gern in der Schule anfragen und Kartoffeln kaufen, sei es als Stecklinge oder zum Verzehr.
 
Die Schülerlernen auf dem Schulacker außerdem, was in den verschiedenen Jahreszeiten genau passiert. Als David gefragt wird, welche besondere Kartoffelsorte jetzt im September geerntet wird, antwortet er auf Anhieb: „Blauer Schwede!“ Nach einer kurzen Pause, in der sich die Hobbygärtner mit belegten Broten und Obst stärken, geht es dann endlich an die Arbeit. Beim Verteilen der Handschuhe ist jeder gespannt, welche Aufgabe er heute wohl übernehmen darf. Leon und Martin kümmern sich gemeinsam mit Karina Schüller ums Unkraut jäten. Die beiden Freunde machen das sehr gerne. Denn sie wissen, dass sie damit der Natur etwas Gutes tun. Sie mögen jede Aufgabe auf dem Acker: „Wir haben hier so viel Spaß!“
 
Helgo Pforr macht mit David meist Einzelförderung, weshalb die beiden auch heute wieder zusammenarbeiten. Davids liebste Beschäftigung auf dem Acker ist das Heumachen und deshalb sprudelt es sofort aus ihm heraus: „Heu ist super!“ Der Schüler ist Helgo Pforr sehr ans Herz gewachsen, mit der Zeit haben sie eine enge Bindung aufgebaut. Auch beim gemeinsamen Heuwenden fällt auf, wie harmonisch die beiden als Team arbeiten. Helgo Pforr schneidet das Gras mit einer der wenigen Maschinen, die für den Acker benutzt werden. „Aber auch hier achten wir darauf, dass wir nur schadstoffarmes Benzin verwenden“, sagt er. David macht mit einer Heugabel zuerst den Weg frei, bevor er einen Großteil des Heus auf eine eigens gebaute Konstruktion hievt, die an sonnigen Tagen Schatten für kurze Pausen spenden soll. Diese Arbeit geht ihm so leicht von der Hand, dass er dabei komplett die Zeit vergisst. Denn leider neigt sich der heutige Unterricht auf dem Acker schon wieder dem Ende zu und wenn die Gruppe noch rechtzeitig den Bus erwischen will, muss sie wohl oder übel aufbrechen. „Wenn wir mal mehr Zeit
hier auf dem Acker haben, grillen wir gern gemeinsam, das ist bei den Kindern
sehr beliebt“, bemerkt Karina Schüller. Auch die geernteten Kartoffeln, Bohnen,
Kürbisse und Obst sind immer ein gefeiertes Essen für die Schüler der Christophorusschule, das dann gemeinsam in der Schule zubereitet wird.
 
Auf demRückweg hat jeder der Jungs ein stolzes Lächeln im Gesicht und auch die Lehrer sind sehr zufrieden mit dem heutigen Arbeitseinsatz. David hat sich noch ein paar Brombeeren für unterwegs mitgenommen, die er glücklich mit allen teilt.
 
Kontakt:
CJDErfurt Christophorusschule
fon:0361– 74 66 827
mail: schule-erfurt@cjd.de

 
Hintergrundinformation:
Die CJD Erfurt Christophorusschule ist eineallgemeinbildende Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Sie gibt allen Schülern mit Behinderungserfahrungen, unabhängig von ihrem Unterstützungsbedarf, individuelle Entwicklungs- und Bildungsimpulse mit auf den Weg. Neben dem Schulacker gibt es weitere naturnahe Lernorte, wie Schaf-und Kaninchenstall sowie Schulgarten auf dem Schulgelände in der Havannaer Straße. Ergänzt werden diese Angebote durch regelmäßige Reitzeiten und Tierpädagogik mit einem Therapiebegleithund, der in den Unterricht eingebunden wird.

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