Nur eine Frage
Warum bleiben Zugvögel nicht gleich im Süden, Herr Unger?

Zwei Mal im Jahr fliegen mehr als 50 Millarden Vögel auf Wanderschaft.
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  • Zwei Mal im Jahr fliegen mehr als 50 Millarden Vögel auf Wanderschaft.
  • Foto: uschi dreiucker / © pixelio.de
  • hochgeladen von Thomas Gräser

Es antwortet:

Dr. Christoph Unger, Vorsitzender des Vereins Thüringer Ornithologen und Biologe in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hildburghausen

Bei der Entwicklung des Vogelzugs im eurasisch-afrikanischen Raum haben sicher die Eiszeiten eine große Rolle gespielt. Viele Arten waren gezwungen, sich in mediterrane, afrikanische oder asiatische Refugien zurückzuziehen. Von dort wanderten sie nach der letzten Eiszeit wieder ein. Auch ­afrikanische ­Vogel­arten ziehen innerhalb ihres ­Kontinents. Gründe sind das Klima und die Nahrungs­verfügbarkeit.

 In großen Teilen Europas und Asiens ist es im Winter zu kalt und die Insektennahrung ist nicht verfügbar. Die Vögel haben aber hier ihre ökologische Nische zur Brutzeit gefunden. Im Süden hätten sie diese unter Umständen nicht oder die Konkurrenz ist dort viel größer. Gerade die Tundren im Norden Europas und Asiens sind von Milli­arden Zugvögeln besiedelt, die jedes Jahr eine lange und gefährliche Reise an­treten, um dort zu brüten. Der Vorteil dieser Brutgebiete im Norden: es gibt Nahrung im Überfluss (Mücken) und es ist 24 Stunden am Tag hell. Außerdem ist der Druck durch Feinde dort nicht so hoch, so dass die Bruterfolge sehr gut sind.

 All das führt dazu, dass Vögel jährlich zu Milliarden zwischen ihren Brutplätzen im Norden und ihren Winterquartieren im ­Süden hin und her wandern. Man schätzt, dass von den gegenwärtig auf der Welt lebenden 200 bis 400 Milliarden Vögeln mindestens 50 Milliarden jährlich auf ­Wanderschaft fliegen. Rund 200 europäische Vogelarten sind Pendler. Für sie heißt es auch zwei Mal im Jahr: Boarding, Departure und Arrivals.

 Das faszinierende Phänomen Vogelzug ist noch nicht erschöpfend aufgeklärt. Was man weiß ist, dass er in den Genen verankert ist und das durch Microevolution diese Prozesse ständigen Änderungen unter­liegen. Das zeigt sich vor allem an Reaktionen von Zugvögeln auf die Klimaerwärmung. Manche Arten, die noch vor 50 Jahren reine Zugvögel waren, sind heute in Teilen ihrer Populationen zu Teilziehern oder Standvögeln geworden. Teilzieher ziehen nur bei Bedarf in Regionen, wo es bessere Bedingungen gibt. Auch Zugwege verkürzen sich, wie es beim Kranich in den vergangenen Jahren immer mehr zu beobachten ist.

Fernreisende

Kuckuck, Nachtigall, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Weißstorch, Mauersegler, 
Fitis und Zilzalp

Kurzreisende

Kranich, Buchfink, Rotkehlchen, Star, Kiebitz, Kormoran, Feldlerche, Großer Brachvogel, Graugans, Singdrossel, Hausrotschwanz

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