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Charmolipi

Charmolipi - das letzte Fest in der "Villa 3-Käse-Hoch" am 10. Juli 2015.
Charmolipi - das letzte Fest in der "Villa 3-Käse-Hoch" am 10. Juli 2015. (Foto: Villa 3-Käse-Hoch)
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Ein Hoch auf unsere Demokratie! Politiker aller Couleur sprechen sich für mehr Engagement der Bürger aus. Ein Hoch auf die Sozialpolitik unserer Stadt Erfurt!

„Dieser Kindergarten wird geschlossen und wenn es das letzte ist, was ich tue.“ Glückwunsch auch an unsere Erfurter Dezernentin für Soziales, Bildung und Kultur – es ist endlich erledigt, dem Kindergarten „Villa 3-Käse-Hoch“ den Gnadenstoß zu verpassen. Heute nun der letzte Tag, an dem die 30 Kinder (der sonst 52 Kinder) in ihren geliebten Kindergarten gehen durften, in welchem ein Stück Stadtkultur zu Leben fand, das es selten gibt: Kindergarten, Kindergartenleitung, Eltern und Kinder waren wie eine große Familie. Stets in echtem Gespräch miteinander, sich gemeinsam engagieren, neue Ideen verwirklichen. Und alle legten in den letzten zwei Jahren oft selbst Hand an, baubehördlichen Ansprüchen gerecht zu werden, nach Lösungen zu suchen, ins Gespräch mit der Stadt zu kommen. Kurzum: sie kämpften.

Charmolipi – die Gleichzeitigkeit von Freude und Trauer. Freude über die gemeinsam verbrachte Zeit, und Trauer über den nun erfolgten Abschied, der sogar Menschen die Tränen in die Augen trieb, die nicht direkt involviert waren. Aber die etwa ihr eigenes Kind sehr gerne in der Villa in guten Händen gewusst hätten.

Nun ist der Kampf verloren. Und auch das Vertrauen ist zerstört, mit genügend Engagement, sogar mit eigenem finanziellem Einsatz etwas bewirken zu können. Und damit stirbt etwas, was nicht zu ersetzen ist. Nicht etwa nur eben ein Kindergarten, wie vielleicht mancher denkt, sondern Achtung! – Es stirbt ein Ort, an dem Bürgercourage und Gesellschaftsgeist atmete.

Am schlimmsten ist für die Beteiligten, dass dem Kindergarten insbesondere vor den Wahlen 2014 immer wieder neue Hoffnung gemacht wurde. Selbst einen Stadtratsbeschluss mit einer Übergangslösung bis 2018 gab es, der Anfang 2015 einfach wieder aufgehoben wurde. Und plötzlich hieß es, dass es in Erfurt 500 Kindergartenplätze zu viel gäbe. Diese erstaunliche Anzahl blieb seltsamerweise den Betroffenen, wie etwa Erfurter Kindergartenleitungen und Eltern, ein unbekanntes Mysterium. Sogar das Jugendamt wusste von derart überschäumenden Kapazitäten nichts. Seltsamerweise ist jetzt gerade irgendjemandem aufgefallen, dass doch Kita-Plätze fehlen, was aber erst nach der Sommerpause im Jugendhilfeausschuss besprochen wird.

Hm, liebe Stadt, am kleinen Recheneinmaleins sollte man noch arbeiten. – Beim Zusammenrechnen, wo man überall Gelder durch den Verkauf von prestigeträchtigen Häusern (wie z.B. das Haus der „Villa 3-Käse-Hoch“) akquirieren kann, um etwa das Steigerwaldstadion umzubauen, klappt es doch auch ganz gut mit dem Zusammenrechnen.

Erfurt, 31.07.2015

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