Erfurt aktuell: Gespräche mit Bischof Ulrich Neymeyr zu abendlicher Stunde

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Andreas Abendroth
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Gebotene Objektivität bei der Berichterstattung

„Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich auch unter erschwerten Bedingungen für einen Qualitäts-Journalismus einsetzen. Ich denke dabei nicht nur an die Schmähungen, denen Sie aktuell von rechtspopulistischen und rechtsextremen Gruppierungen und Parteien ausgesetzt sind“, so der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr zum Jahrespresseempfang des Bistums Erfurt.

Neymeyr zeigte in seiner Ansprache ein sehr realistischen Bild der derzeitigen Medienlandschaft auf. Der Bischof wünschte sich für die Zukunft. „dass man auch künftig die Zeitungen in Thüringen nicht allein am Titel, sondern auch am Inhalt unterscheiden kann und sie eine deutliche Thüringer Handschrift erkennen lassen. Denn bei aller gebotenen Objektivität werden regional verwurzelte Journalisten selbst bundesweit bedeutsame Themen für Ihre Leserschaft anders aufbereiten als ihre Kolleginnen und Kollegen, die von außen zuarbeiten.“

In der anschließenden Diskussion mit Vertretern des Bistums ging es um den Synagogenbau in der Landeshauptstadt, um die Öffnung zu neuen Glaubensrichtungen, um die Annäherung von Katholischer und Evangelischer Kirche und um die Strukturreform im Bistum Erfurt.

Zum Synagogenbau betonte Neymeyr: „Wenn wir dafür eintreten, dass Christen in moslemischen Ländern Kirchen bauen dürfen, dann können wir es den Vertretern von Minderheiten-Religionen bei uns nicht verbieten Gotteshäuser zu bauen. Und wenn die Muslime hier Moscheen bauen, hoffen wir auch, dass sie sich mit uns dafür einsetzen, dass in ihren Heimatländern Christen Kirchen bauen dürfen, ihre Religion ausüben dürfen.“
Auf das sichtbare Zeichen einer Moschee – das Minarett angesprochen – führte Neymeyr aus: „Auch der Bau einer Moschee hat sich wie jeder Bau den geltenden baurechtlichen Bestimmungen unterzuordnen, wird von den zuständigen staatlichen Ämtern geprüft.“

Zur Thematik Glaubensannäherung zwischen Katholiken und Protestanten: „Die ökumenische Arbeit und Verbindung mit den evangelischen Glaubensbrüdern funktioniert in Thüringen sehr gut. Vor vielen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass man zum Gottesdienst in eine evangelische oder Neuapostolische Kirche geht. Wir sind auf einen guten, verbindenden Weg. Doch müssen einige Dinge noch auf höheren Ebenen geklärt werden.“

Auch wurde auf der Veranstaltung der Wechsel an der Spitze des Erfurter Domkapitels angesprochen. Dompropst Gregor Arndt wird auf eigenen Wunsch ab 1. August Pfarrer in Leinefelde und aus dem Domkapitel ausscheiden. Als seinen Nachfolger hat Bischof Ulrich Neymeyr auf Vorschlag der Domkapitulare Weihbischof Reinhard Hauke ernannt, der schon einmal von 2010 bis 2012 dem Domkapitel vorstand. Die Entpflichtung des alten und die Amtseinführung des neuen Dompropstes erfolgt im Rahmen eines Gottesdienstes mit Bischof Neymeyr am 18. Juni im Erfurter Dom.

Autor:

Andreas Abendroth aus Saalfeld

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