Viele Alleinerziehende in Thüringen sind auf Hartz IV angewiesen

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Alleinerziehende in Thüringen sind auf Hartz IV angewiesen
Haushalt, Kindererziehung, Job: Partnerlose Mütter und Väter müssen diese Aufgaben allein stemmen. Häufig sind sie auf Sozialleistungen angewiesen. Ein neues Landesprogramm soll ihnen helfen. Doch nach Einschätzung eines Sozialverbands läuft es schleppend an.

Trotz der guten Konjunktur haben es Thüringer Alleinerziehende nach Einschätzung der Landesarbeitsagentur auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor schwer. Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil machen fast 20 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften im Freistaat aus, die Hartz IV beziehen, teilte die Landesarbeitsagentur auf Anfrage mit. Von allen Alleinerziehenden-Familien in Thüringen war fast jede dritte eine Bedarfsgemeinschaft, die Sozialleistungen erhielt.

«Auch wenn die positive konjunkturelle Situation auch bei alleinerziehenden Arbeitslosen spürbar wird, sind sie nach wie vor benachteiligt», erklärte die Landesarbeitsagentur.

Nach Ansicht des Sozialverbands Arbeiterwohlfahrt (Awo) Thüringen führt die dauerhafte Mehrfachbelastung von Alleinerziehenden zu einem größeren Armutsrisiko. «Alleinerziehende müssen sich um die Kindererziehung, den Haushalt und ihren Beruf gleichzeitig kümmern. Das geht oft nur mit einem Teilzeit-Job», sagte Dirk Gersdorf, Sprecher der Awo Thüringen. Wegen der niedrigen Einkommen bei der Teilzeit-Arbeit seien viele von Armut bedroht.

Die Awo spricht sich für eine Kindergrundsicherung aus, in der die bisherigen Leistungen zur Familienförderung wie beispielsweise Kindergeld, Unterhaltsvorschuss sowie Bildungs- und Teilhabe-Leistungen gebündelt werden.

Um für Alleinerziehende mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen, seien laut Gersdorf aber auch die Unternehmen gefragt. Nur wenige Arbeitgeber nutzten bisher die Möglichkeit, mit Kitas zu kooperieren, um beispielsweise auch eine Betreuung an Samstagen oder nach 17 Uhr zu ermöglichen. «Unzureichende Betreuungsangebote können Alleinerziehende dazu zwingen, weniger zu arbeiten, als sie eigentlich wollen», sagte der Awo-Sprecher.

Mit dem neuen «Landesprogramm für das Solidarische Zusammenleben der Generationen» will die Thüringer Landesregierung auch Alleinerziehenden helfen. Bei der Umsetzung sind die Kommunen gefragt. Nach Angaben eines Sprechers können Kommunen Mittel abrufen, um zum Beispiel Familienlotsen oder Dorfhelfer zu finanzieren, die auch Alleinerziehende unterstützen könnten.

Die Awo Thüringen findet es richtig, dass Projekte zur Familienförderung von den Kommunen gesteuert werden sollen. «Die Kommunen wissen am besten, was gebraucht wird», sagte ein Sprecher der Awo. In der Praxis laufe das Programm aber eher schleppend an. Nach der Einschätzung des Sozialverbands seien die Kommunen teils überfordert mit den Anträgen und dem Verwaltungsaufwand.

Das Landesprogramm gilt seit Januar thüringenweit. In der Familienförderung löst es die Stiftung Familiensinn ab. Jährlich stehen laut Ministerium rund 10 Millionen Euro für das neue Landesprogramm bereit.  (dpa/th)

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