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Aussitzen, ablegen, abschalten

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Die Abwesenden sind Vorgesetzte, die für ihre Mitarbeiter ganz schwer zu erreichen sind.
Die Abwesenden sind Vorgesetzte, die für ihre Mitarbeiter ganz schwer zu erreichen sind. (Foto: Pixelio/asrawolf)
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Es ist richtig: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Wer schrittweise mehr Verantwortung übernimmt, entwickelt die eigene Karriere parallel zur Linie der persönlichen Kompetenzen.

Doch dieser Prozess ist nicht unendlich! Ungebremste Beförderung führt zwangsläufig zur Stufe der Inkompetenz - beim einen früher, beim anderen später. Viele Leser und Unternehmer haben mir nach meinem vergangenen Artikel sehr viele Beispiele mitgeteilt.

Das Problem ist, dass inkompetente Menschen in diesem Stadium ihre Situation nicht mehr richtig einschätzen können. Die beiden Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben Ende der 90er-Jahre ein Phänomen der kognitiven Verzerrung bei Menschen, das als Dunning- Kruger-Effekt (DKE) bekannt wurde. Die Kernbotschaft lautet: Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die man benötigt, um eine richtige Lösung zu finden, sind genau jene Fähigkeiten, um zu entscheiden, wann eine Lösung richtig ist.

Aus ihren Forschungen konnten die Psychologen ableiten, dass weniger kompetente Personen dadurch auffallen, dass sie
• ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen
• Mitarbeiter, deren Fähigkeiten ihren überlegen sind, als solche nicht erkennen - manchmal wohl auch nicht erkennen wollen
• das gesamte Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht mehr wahrnehmen und die Selbstbild- / Fremdbild-Relation gestört ist.

Leider führt der DKE bei Entscheidungen über die Besetzung von Führungspositionen in Unternehmen und Organisationen dazu, dass inkompetente Entscheider in der Regel wiederum inkompetente Mitarbeiter auf wichtige Positionen nachziehen. Eine Tatsache, die auf lange Sicht zerstörerisch für eine Organisation sein kann.

Leser fragten mich, woran man erkennen kann, ob ein Vorgesetzter, Kollege oder Mitarbeiter die Stufe seiner Inkompetenz schon erreicht hat. Gerne möchte ich einige Beispiele anführen.

DIE ABLENKER:
Das sind Menschen, die losgelöst von ihrer eigentlichen Aufgabe gern Gesprächspartner in Themen verwickeln, von denen nur sie vertieftes Expertenwissen besitzen. Damit versuchen sie dem anderen zu signalisieren, wie überlegen sie sind.

DIE ERREICHBAREN:
Diese Zeitgenossen hantieren mit mehreren Mobiltelefonen, Laptop und I-Pad gleichzeitig. Damit möchten sie Wichtigkeit signalisieren. Aber eigentlich sind sie kontaktschwach und wollen dies verbergen.

DIE ABLEGER:
Mitarbeiter, die mit Vorliebe Vorgänge und Akten ordnen und sortieren und mit ihrem archivarischen Bemühen die Angst vor der Zukunft, vor neuen Aufgaben verschleiern. Ihnen ist der Blick zurück lieber als nach vorn.

DIE STAPLER:
Menschen, die ihr Büro und den Schreibtisch mit Aktenbergen füllen, um Außenstehenden zu signalisieren, wie viel Arbeit sie auf dem Tisch haben und wie gefragt sie sind.

DIE REGULIERER:
Sie erkennen diese Menschen daran, dass sie auch den kleinsten Geschäftsvorfall in Richtlinien, Weisungen oder Organisations- und Handlungsabläufen festhalten wollen. Geraten Regulierer in eine neue Situation, für die es noch keine Anweisung oder Verhaltensregel gibt, steht ihnen der kalte Schweiß auf der Stirn.

DIE ABWESENDEN:
Dazu gehören Vorgesetzte, die für ihre Mitarbeiter ganz schwer zu erreichen sind. Sie sind im Unternehmen einfach nicht auffindbar und verstecken sich hinter "lückenlosen" Meetings und Außenterminen.

DIE AUSSITZER:
Ihnen graut es vor Entscheidungssituationen. Nahezu hilflos hören sie sich die Argumente des Für und Wider einer Entscheidung an, ohne sich festzulegen. Sie verzögern den Prozess so lange, bis sich die Dinge von selbst erledigen oder ein anderer entschieden hat.

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