Bis dass der Tod uns kündigt: So halten Sie Ihr Gehirn für ein langes Arbeitsleben fit!

Wir werden immer älter. Der Nachwuchs wird immer weniger und die Lücken im Arbeitskräftereservoir größer.
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  • Wir werden immer älter. Der Nachwuchs wird immer weniger und die Lücken im Arbeitskräftereservoir größer.
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Unsere Gesellschaft wird immer älter. Folglich müssen wir auch länger arbeiten. Mit folgenden Tipps bleiben Sie auch geistig fit bis zur Rente mit 70.

Die Rente ab 70 wird immer realer. Zu diesem Urteil kommt jeder, der derzeit ­aufmerksam Artikel liest über die „alters­bedingte Katas­trophe“ fehlender Fachkräfte aufgrund der demographischen Entwicklung bis 2030. Man kann den heutigen Rentnern also nur herzlich gratulieren. Bezogen auf ihren Renteneintritt wird es den nachfolgenden Genera­tionen für Jahrzehnte sicherlich schlechter gehen.

Derzeit ist die ­Faktenlage eindeutig: Wir werden immer älter. Der Nachwuchs wird immer weniger und die Lücken im Arbeitskräftereservoir größer. Ob wir dies allein mit Produktivitätsfortschritten ausgleichen können, ist fraglich. Hinzu kommt der Fakt, dass die verbleibende Arbeit immer komplizierter wird. Die Arbeitsintensität pro Arbeitskraft – und damit die Belastung – ist so hoch wie nie.

Das Gehirn: Nutze es oder verliere es!

In dieser Situation sehe ich auch nicht, dass die eine Million Migranten hier eine Entlastung bringen können. Wir haben keinen Bedarf an einfacher Arbeit, sondern an komplizierter. Es wird vermutlich Generationen dauern, bis hier die Wissenslücken und Arbeitsweisen angeglichen sind.

Können wir wirklich bis 70 arbeiten?

Bei der Beantwortung dieser Frage möchte ich mich nur auf die geistigen Fähigkeiten konzentrieren. Über die körperliche Beanspruchung in vielen Berufen ist schon viel geschrieben worden. Unser Stütz- und Bewegungsapparat ist nicht unbegrenzt haltbar und verschleißt mit der Zeit. Kann da wenigstens unser Gehirn mithalten? Die Neurowissenschaften beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie wir die geistigen ­Fähigkeiten – insbesondere die Lern­fähigkeit – bis ins hohe Alter erhalten können.

Was weiß man derzeit genau?

1. Unser Gehirn ist ein „Use it or lose it“-­Organ. Das heißt: Nutze es oder verliere es! Wer sein Gehirn nicht belastet, wer nicht aktiv lernt und Wissen verarbeitet, der verliert mit der Zeit die Fähigkeit, neue Nervenzellen zu bilden. Grundsätzlich können sich normalerweise auch bei alten Menschen neue Nervenzellen in den Gehirnregionen für Lernprozesse und das Gedächtnis bilden.

2. Mit dem Alter verschieben sich die Gewichte von der fluiden mehr zur kristallinen Intelligenz. Fluid meint dabei die Fähigkeit der schnellen Informationsver­arbeitung, die sich vorwiegend auf das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis stützt – der Arbeitsprozessor im Gehirn. Die kristalline Intelligenz hingegen beschreibt die Leistungen des Gehirns beim Sprachverständnis und der Abbildung und Verarbeitung unserer gesamten Erfahrungen. Es ist das Langzeit­gedächtnis – quasi die Festplatte unseres Gehirns.

Gehirnmuskeln trainieren!

3. Aktuelle Studien, bei ­denen man in Kontrollgruppen 20- und 60-Jährige Jonglieren trainieren ließ und dies mit Kernspintomografen kontrollierte, zeigen positive Neubildungen zur Regenera­tion der fluiden Intelligenz bei den Älteren.

4. Damit ist bewiesen, dass jeder etwas für den ­Erhalt seiner geistigen Fähigkeiten bis ins hohe Alter leisten kann und er im hohen Maße selbst dafür verantwortlich ist. Mit dem Gehirn ist es wie mit den Muskeln: Wer sie trainiert, kann auch noch mit 70 einen Marathon laufen.

Was kann man also tun?

• Arbeitgeber sollten sich überlegen, ob sie zum Beispiel ihre Mitarbeiter über 50 mittels Jobrotation an neue Arbeitsprozesse in anderen Unternehmensbereichen heranführen und damit die Voraussetzung schaffen, dass neues Lernen möglich wird. Praktika im eigenen Betrieb!

• Aktive Informationsver­arbeitung. Konsumieren Sie nicht nur Informationen im Fernsehen oder in den Printmedien, sondern setzen Sie sich aktiv mit diesen auseinander. Schlagen Sie bei unbekannten Begriffen sofort nach oder stellen Sie bestimmte Infor­mationen in komplexere Zusammen­hänge. Betrachten Sie beispielsweise politische Tagesereignisse in historischen Dimensionen.

Bleiben Sie am Ball!

• Das Erlernen einer Fremdsprache ist überaus hilfreich für den Erhalt der geistigen Fitness.

• Wagen Sie sich an neue und anspruchsvolle Hobbys: Modell­bau, die elektrische Eisen­bahn, Digitalfotografie mit elektronischer Bildbearbeitung, das Studium künstlerischer Epochen oder ziel­gerichtete Untersuchungen in Natur und Umwelt.

• Stehen Sie im gesellschaft­lichen Leben! Kommunizieren Sie aktiv, erweitern Sie Ihren Bekannten- und Freundeskreis oder bringen Sie sich in ehrenamtlicher Arbeit in Verbänden und Vereinen ein.

• Seien Sie zielorientiert und bleiben Sie am Ball. Nur wer kontinuierlich an der Erreichung seiner selbst gesteckten Ziele arbeitet, zwingt sein Gehirn, die fluide und ­kristalline Intelligenz wieder in eine annähernde Balance zu bringen.

Wir werden immer älter. Der Nachwuchs wird immer weniger und die Lücken im Arbeitskräftereservoir größer.
Die jetzige Rentnergeneration hat gut lachen. Künftig werden wir bis 70 arbeiten müssen.
Autor:

Matthias S. Freund aus Erfurt

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