Der Mythos vom Quereinsteiger: Ohne Fachwissen kaum Chancen

Quereinsteigern fehlt meist das Fachwissen für den Job. Kann das heutzutage noch funktionieren?
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  • Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de
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Können wir den Job hinwerfen und in einem völlig anderen Beruf durchstarten? In Deutschland eher nicht.

Die Sehnsucht, sein Leben einmal grundlegend zu ändern und völlig neue Wege zu gehen, ist geschlechtsübergreifend bei vielen Menschen vorhanden. Verbreitete Thesen führen dies auf einen hormonellen Zyklus im Menschen zurück, der circa alle sieben Jahre zu auffälligen Wechseln und Neuausrichtungen im Leben führen soll. Überzeugende wissenschaftliche Beweise ­liegen dafür jedoch noch nicht vor.

Wie dem auch sei: Die meisten belassen es bei der Sehnsucht. Sie suchen sich keinen neuen Lebenspartner, ändern nicht den Freundeskreis oder das Hobby und wechseln auch nicht das angestammte Berufsfeld. Andere aber tun dies. Regelmäßig erreichen mich in diesem Zusammenhang Bewerbungen – verbunden mit der Bitte, ein interessantes Berufsangebot in einem völlig neuen Beruf oder Umfeld zu bieten. Doch wie real ist dieser Wunsch?

Der Top-Manager macht jetzt Käse

Selbstverständlich gibt es Beispiele, wonach ausgebildete Musiker oder Dirigenten einen großen technischen Konzern leiten oder Geisteswissenschaftler leitende Positionen in Weltunternehmen erfolgreich ausüben. Auch andersherum: Erfahrene Top-Manager verkaufen ihren gesamten Besitz, geben ihre Macht ab und ziehen sich auf einen Gebirgsbauernhof zurück, um dort handgemachten Käse zu produzieren.

Dies ist aber nicht die ­Regel! Deutschland ist in diesem Sinne auch sehr konservativ. In anderen Ländern tritt man Quereinsteigern ­offener entgegen. Man erkennt sehr schnell, dass sich die Firmen nur dann für Quereinsteiger öffnen, wenn sie im regulären Beruf einen großen Mangel an Nachwuchs und an ausgebildeten Fachkräften haben.

Anfang der 90er-Jahre, in der Hochphase des Baubooms, wurden bereitwillig verfügbare Ingenieure für Maschinenbau oder andere technische Disziplinen als Bauleiter auf zahlreichen Baustellen eingesetzt. Gleiches galt eine Zeit lang für IT-­Berufe. Heute will man ausschließlich gut ­ausgebildete Fachleute.

Dubiose Offerten

Wer in den gängigen Such­maschinen für Stellenangebote den Begriff Quereinsteiger eingibt, der findet selbstverständlich berufliche Optionen in jeder ­Region. Dies sind Angebote im Umfeld folgender Branchen und Tätigkeiten: ­Pflege- und Altenbetreuung (soziale Dienste), Vertrieb und Verkauf, Callcenter, IT-Support, Wach- und Sicherheitsdienste, Fahrer, Maschinenbedienung, Kundenservice oder Gebäudereinigung. Und dann gibt es regelmäßig dubiose Offerten, mit denen man ohne viel ­Anstrengung schnell reich werden kann. Grundsätzlich können Sie auch viel Geld als 100-prozentig selbstständiger Immobilien-, Finanz- oder Verkaufsberater verdienen. Sie kennen die einschlägigen ­Anzeigen: „Mit nur vier Stunden Arbeit am Tag bis zu 10.000 Euro im Monat verdienen.“

Unsere hochtechnisierte Wirtschaft ist in allen Branchen sehr komplex und wird von Jahr zu Jahr anspruchsvoller, was die mitzubringenden Voraussetzungen im Wissen und Können der Arbeitnehmer angeht. Eine solide Berufsausbildung oder ein praxisrelevantes Studium sind und bleiben die erste Wahl für ein erfolgreiches Berufs­leben.

Wo konkretes Wissen fehlt, braucht es Tugenden

Wer dennoch den Versuch unternimmt, als Quereinsteiger einen Wandel in seinem Berufsleben zu bewerkstelligen, der sollte vor allem auf seine eigenen Voraussetzungen hinsichtlich der sogenannten Softskills achten. Dahinter verbergen sich überwiegend die Tugenden und persönlichen Einstellungen. Wo konkretes Wissen fehlt, da braucht es eben Lernbereitschaft, eine schnelle Auffassungsgabe, Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Verlässlichkeit und vieles mehr.

Bei Quereinsteigern ist vor allem das Bild der Persönlichkeit gefragt. Für den Arbeitgeber ist schließlich die Frage wichtig, ob sich ein Bildungsinvestment lohnt. Konzen­trieren Sie sich daher bei Ihrer Bewerbung auf die Darstellung jener erforderlichen Eigen­schaften, mit denen sie in vorangegangenen Posi­tionen erfolgreich gearbeitet haben. Finden Sie die gemeinsamen Schnittmengen zwischen den notwendigen persönlichen Eigenschaften der bisher ausgeübten Tätigkeiten und denen im neuen Job. Dann werden ihre Bewerbung und die damit einhergehende Sehnsucht nach Veränderung hoffentlich erfolgreich sein.

Autor:

Matthias S. Freund aus Erfurt

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