Ein Blick in die Zukunft: So entwickelt sich Thüringens Arbeitsmarkt

Mehrere namhafte Institute, die sich mit Arbeits- und Berufsforschung beschäftigen, haben in ihrer jüngsten Studie eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich konkrete Aussagen über den Qualifikationsbedarf und die Entwicklung des Arbeitsplatzangebotes in bestimmten Berufsfeldern nach Bundesländern und Regionen bis 2030 darstellen lassen.
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  • Mehrere namhafte Institute, die sich mit Arbeits- und Berufsforschung beschäftigen, haben in ihrer jüngsten Studie eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich konkrete Aussagen über den Qualifikationsbedarf und die Entwicklung des Arbeitsplatzangebotes in bestimmten Berufsfeldern nach Bundesländern und Regionen bis 2030 darstellen lassen.
  • Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
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Einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, dies gehörte sicherlich zu den am häufigsten ­geäußerten Wünschen rund um den Jahreswechsel. Inso­fern ist es eine gute Gelegenheit, aktuelle Prognosen über die wahrscheinliche Entwicklung der Arbeitsplätze in unterschiedlichen Berufsfeldern in Thüringen zu veröffentlichen. Akademikerschwemme und Fachkräftemangel: Sieben Prognosen, wie sich der Arbeitsmarkt in Thüringen entwickeln wird.

Mehrere namhafte Institute, die sich mit Arbeits- und Berufsforschung beschäftigen, haben in ihrer jüngsten Studie eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich konkrete Aussagen über den Qualifikationsbedarf und die Entwicklung des Arbeitsplatzangebotes in bestimmten Berufsfeldern nach Bundesländern und Regionen bis 2030 darstellen lassen.

Über allem steht das Problem einer älter werdenden Bevölkerung in Thüringen und der damit verbundenen Schrumpfung des Anteils der Fachkräfte in den unter­schiedlichen Berufen. Die östlichen Bundesländer haben die höchste Alters­quote. Von den Binnen- und Außenwanderungen profitieren aber ausschließlich Bayern und Baden-Württemberg. Alle anderen Bundesländer müssen mit Bevölkerungsrückgang rechnen – fast acht Prozent in den östlichen Ländern.

Auch wenn die aktuellen Flüchtlings­ströme zu einer Verjüngung des Bevölkerungsdurchschnitts führen mögen, wird sich dies mittelfristig nicht auf dem Fachkräfte­engpass auswirken. Schon heute sind in Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen in vielen technischen Berufen Mangelsituationen an qualifizierten Fachkräften zu beo­bachten. Auf dem sogenannten Jedermann-Arbeitsmarkt – Tätigkeiten die in unterschiedlichen Berufsfeldern keine besondere Qualifikation benötigen – kann es jedoch in Thüringen zu Verwerfungen kommen. Hier muss man zwangsläufig auch mit Verdrängungssituationen mit den „Neuen Zuwanderern“ rechnen.

Hier die Prognosen:

1. Für Facharbeiter in ­technischen und gewerb­lichen Berufen, Meister und Techniker, steigen die Nachfrage und das Arbeitsplatz­angebot. Damit ist ein ­sicherer Job eher wahrscheinlich.

2. Gute bis sehr gute Arbeitsmarktchancen bestehen bei den sogenannten Berufen am Menschen. Im Bildungs- und Pflegesektor sowie bei den anderen sozialen Diensten wird es zu einer verstärkten Nachfrage nach qualifiziertem Personal kommen. Auch im touristischen Gewerbe wird es einen größeren Bedarf an Arbeitskräften geben.

3. Im verarbeitenden ­Gewerbe steigt der ­Bedarf an Fachkräften aufgrund der überpropor­tionalen Altersabgänge. Auch dort sollten die Arbeitsplätze relativ sicher sein.

4. Die fortschreitende Akademisierung führt zu einem Überangebot an ­Arbeitskräften in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, nicht jedoch in Thüringen. Es ist daher wahrscheinlich, dass ein Zuzug aus anderen Bundes­ländern nach Thüringen für Akademiker notwendig wird.

5. Die aus der Akademikerschwemme resultierende Verdrängung in Berufsbereiche mit mittlerem Qualifikationsniveau wird in Thüringen unwahrschein­licher. Nicht wie in Bayern, Baden-Württemberg und NRW.

6. Ungünstige Beschäftigungsprognosen entstehen für die Büro- und kaufmännischen Dienstleistungsberufe. Die fortschreitende Computerisierung ­fordert in diesen Berufsfeldern ihren Tribut. Das gleiche gilt auch für die Berufe im Warenhandel, ­insbesondere für die Beschäftigten im Einzelhandel und in den Verkaufsberufen.

7.
Am schwierigsten wird die Situation für alle – Arbeitssuchende wie auch im Arbeitsprozess stehende – mit keiner oder nur geringer Qualifikation. Dort sind die Prognosen eher düster. Und wieder bestätigt sich die alte Volksweisheit: „Ohne Fleiß kein Preis!“

Autor:

Matthias S. Freund aus Erfurt

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