Der Antidrogenzug „Revolution Train“ macht Station in Thüringen
Ein Zug, der Augen öffnet

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  • Foto: Petr peLucha / Rev. Train / Stiftungsfonds Neues Tschechien
  • hochgeladen von Thomas Gräser

Ob Verkehrsunfall, Verhörraum, verwahrloster Unterschlupf oder Arrestzelle – Bilder prägen sich ein. Neben Aufklärung ist das ein Ziel des tschechischen Antidrogenzuges „Revolution Train“. Denn die Macher wissen, der Mensch behält nur 10 Prozent von dem was er hört, aber bis zu 80 Prozent davon, was er erlebt.

Der Zug besteht aus sechs Wagons, vier davon sind vollständig für das Programm ausgestattet. Das Interieur der Wagons wurde zu multimedialen interaktiven Sälen umgebaut, deren Wände das Innere eines menschlichen Körpers darstellen. Darin spielt sich eine Geschichte auf mehreren Ebenen über die Ursprünge, Entwicklung und Folgen einer Drogensucht ab.

Durch die Aktivierung aller Sinne gelingt eine einpräg­same Wirkung auf die Besucher. Die Sicht über die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das soziale Leben bei Substanzmittelmissbrauch soll bildhaft erkannt werden. Dabei geht es sowohl um legale als auch um illegale Drogen. Von Alkohol bis Zucker ist in den Waggons fast alles präsent, mit dem Menschen in Versuchung gebracht werden. Auch die harten Drogen, die weiter auf dem Vormarsch sind wie Crystal Meth und Kokain, stehen im Fokus.

Während der 90-Minuten-Tour durch geschultes Personal erleben die ­Besucher die Geschichte von sechs ­Jugendlichen und der Drogenkarriere der beiden zentralen Gestalten Petra und Marcel. Bei ihr beginnt es mit der ersten Zigarette. Sie fängt an zu kiffen, schmeißt Pillen und landet bei Crystal Meth.
Die männliche Stimme im Zug sagt, die Schüler ­könnten jahrzehntelang Spaß haben oder ihren Körper in kurzer Zeit zerstören. Ein Film zeigt wie bekiffte Jugendliche nach der Disko mit dem Auto durch die Nacht rasen. Es kommt zum Crash, ein Motorrad­fahrer stirbt. Die hochgezogene Leinwand gibt den Zuschauern den Blick auf den Unfall sehr realistisch frei. Petra und Marcel überleben. Sie sind abhängig von Heroin. Beide brauchen Geld, um ihre Sucht zu bedienen. Die Folge Diebstahl, Überfälle und Prostitution. Schicksale wie sie hinter jedem der polizeilich registrierten 1333 drogenbedingten Todesfälle 2016 in Deutschland stehen könnten.

Im Zugszenarium schafft schließlich Petra, die ein Kind erwartet, den Absprung. Dagegen setzt sich Marcel den letzten Schuss. Diese Szenarien sollen aber nicht den erhobenen Zeigefinger auspacken oder abschrecken. Sie sollen den ­Jugendlichen bewusst ­machen, dass sie selbst Verantwortung für sich, ihren Körper und ihr Handeln tragen.

Im Interieur des stahl­silbernen und 165 Meter langen Sonderzuges nehmen die Besucher an einer Erlebnis-Darstellung teil, die ihnen die Risiken des Drogenmissbrauchs vor Augen führt und sie zum Nachdenken ver­anlassen soll.

Am 10. September rollt der „Revolution Train“ – auf ­Initiative der Diakoniewerk Apolda gGmbH – in den Apoldaer Bahnhof ein. Vormittags sind die Schulen aus dem Landkreis einge­laden, den Zug zu besuchen. Ab 14.30 Uhr kann der Zug kostenlos von allen Interessierten erlebt werden. Anmeldungen für Schulklassen aus dem Weimarer Land: Apoldaer ­Streetworkerin Anika Voigt Handy 01 76 - 45 65 49 58 und Markus Fischer, Handy 01 51 40 05 65 47.

Sehr wichtig! Kinder von 10 bis 16 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt.


TERMINE

Der „Revolution Train“ macht Station in Thüringen:
30. August bis 1. September in Schleiz, 5. bis 7. September in Erfurt, 10. September in Apolda, 11. September in Sömmerda, 12. bis 14. September in Gotha, 17. September in Zella-Mehlis, 18. + 19. September in Schmalkalden, 20. bis ­22. September in Meiningen

» Infos: www.facebook.com/RevolutionTrainAntiDrogenZug, www.revolutiontrain.cz


ANMELDUNGEN

Schleiz: 
30. August bis 1. September,  von 8 bis 18 Uhr.

Eine Voranmeldung zur Planung der Führungen
ist erforderlich – am besten unter Telefon (03663) 488 958 oder per Mail: sozialerdienst@lrasok.thueringen.de

Gotha: 
Knapp 1100 Siebtklässler aus dem Landkreis werden den Zug besuchen. Nachmittags wird er im Hauptbahnhof Gotha für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Veranstalter: Kreisjugendring Gotha e.V., Reinhardsbrunner Str. 23,  
Telefon (03621) 737350

www.kreisjugendring-gotha.de

Infos: im Schulamt Gotha (03621) 214 332

Erfurt: 
Verein zur Förderung von Suchtpräventionsmaßnahmen Erfurt e.V., Waldemarstraße 12, Erfurt

Telefon: (0361) 644 3190
info@suchtpraevention-erfurt.de


FAZIT

Gerne hätte der AA alle Ansprechpartner, Stationen, Standorte veröffentlicht. Doch in jeder Stadt haben sich andere Organisationen, Vereine, Institutionen den „Revolution Train“ auf die Fahne geschrieben. Die einen sind ausgebucht, andere nicht zu recherchieren. Und auch die tscheschischen Träger haben keine Gesamtübersicht im Netzt. Da gibt es organisatorisch noch einiges zu tun.

Und es gibt Widersprüche. Selbst die Thüringer Landesstellen für Suchthilfe (Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e.V., Präventionszentrum der SiT GmbH, Thüringer Fachstelle Suchtprävention des fdr+ e.V.) sehen das Projekt sehr kritisch. Hier die Stellungnahme.

Nicht zuletzt sollen die Unterstützer, Sponsoren gewürdigt werden. Nur so ist es überhaupt möglich die Kosten von rund 10 000 Euro, von denen allein die DB zirka 3000 Euro beansprucht, pro Standort zu stemmen. Hut ab!


HINTERGRUND

Bundesdrogenbericht 2017: Von den 12- bis 17-Jährigen geben aktuell 10,0 %und von den 18- bis 25-Jährigen 33,6 % an, dass sie
regelmäßig Alkohol trinken (2005: 12- bis 17-Jährige:
18,6 %; 18- bis 25-Jährige: 40,5 %)

Bewilligte Entwöhnungsbehandlungen 2017 in Deutschland:
Stationär = 44 303, davon 28 252 Alkoholabhängige (63,8 %), 15 402 Drogenabhängige (34,8 %), 649 Medikamentenabhängige (1,5 %).

Ambulant: 13 172, 10 438  Alkoholabhängige (79,2 %), 2583 Drogenabhängige (19,6 %), 151 Medikamentenabhängige (1,1 %).


SICHERGESTELLTE ILLEGALEN DROGEN IN DEUTSCHLAND 2016

Cannabis 7,8 Tonnen
Haschisch 1874 kg
Marihuana 5955 kg
Heroin  330 kg
Opium  61 kg
Kokain/Crack 1,9 Tonnen
Crystal Meth 62 kg
Ecstasy 2 Millionen Tabletten

° Nach Schätzungen von UNODC stieg die Rohopiumjahresproduktion
in Afghanistan 2016 um RUND 43%gegenüber dem Vorjahr auf 4800 Tonnen an. Dafür waren sowohl die zunehmende Anbaufläche als auch
eine höhere Ernte pro Hektar verantwortlich.

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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