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Serie: Der Jobexperte
Goldenes Handwerk Sieger der digitalen Revolution

Das Handwerk hat noch Zukunft. Grund: Es ist von den Folgen der Digitalisierung weniger stark betroffen.
Das Handwerk hat noch Zukunft. Grund: Es ist von den Folgen der Digitalisierung weniger stark betroffen. (Foto: Colourbox)
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„Kollege Computer“ sägt schon heute am Stuhl von 4,4 Millionen Arbeitsplätzen. Nur das Handwerk hat noch sicheren Boden.

Geschichte wiederholt sich! Die erste industrielle Revolution läutete das Industriezeitalter ein, Landarbeiter wurden zu Fabrikarbeitern. Mit der Einführung des Fließbandes – zweite industrielle Revolution – entstand und explodierte die Massenproduktion. Der Arbeiter hatte sich der Maschine, der Technologie unterzuordnen.

Mit dem Siegeszug der Computer – dritte industrielle Revolution – konnten Menschen ihre geistigen Fähigkeiten vervielfältigen, begann das Wissens- und Kommunikationszeitalter. Weltweiter Austausch von Nachrichten in Sekundenbruchteilen. Informationen wurden zur Ware und Produktivkraft. Alle drei Umbrüche führten zu weitreichenden Konsequenzen für die Arbeitswelt, die ganze Gesellschaft. Althergebrachte Berufe verschwanden – neue entstanden.


Nur 170 Berufe von 1200 sind aktuell durch ­Computer nicht bedroht.

Mit Industrie 4.0 beginnt wieder eine neue Ära, Maschinen vernetzen sich zu komplexen Systemen und werden mit zunehmender künstlicher Intelligenz in vielen Industrien den Menschen nahezu vollkommen ersetzen. Roboter-Fabriken, in denen die Maschinen selbsttätig das Ausgangsmaterial bestellen, den Transport inner- und ­außerhalb des Betriebes organisieren, Produktionsabläufe steuern und selbsttätig die Qualität ihrer Arbeit kontrollieren. Die vierte industrielle Revolution unterscheidet sich aber in einem Punkt ­wesentlich von den drei vorangegangenen. Erstmals werden verschwundene Arbeitsplätze nicht ausreichend durch neue ersetzt werden.

Demographische Probleme, der damit einhergehende Fachkräftemangel sowie die „Überalterung der Gesellschaft“ und andere Faktoren wirken als Beschleuniger für die gravierenden Umwälzungen in der Arbeitswelt. Arbeit und Arbeitsplätze werden sich neu verteilen. Vor allem für die Industrie, Transport, Handel und Logistik sowie Verwaltung gilt die Gesetzmäßigkeit von der „Technisierung des Technisierbaren“. Alle Arbeit, die sich durch Maschinen und Computer sinnvoll und ökonomisch ersetzen lässt, wird letztendlich durch ­Maschinen ersetzt.


In Deutschland haben 42 ­Prozent der ­Beschäftigten eine ­Automatisierungswahrscheinlichkeit von über 70 Prozent.

Zahlreiche Studien prognostizieren für die nächsten drei Jahrzehnte einen Wegfall von bis zu 50 Prozent bestehender Arbeitsplätze in verschiedenen Industrien und Dienstleistungen. Und davon sind bei weitem nicht nur niedrig qualifizierte Arbeitskräfte, sondern zunehmend auch hochqualifizierte Berufe betroffen. Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Radiologen zum Beispiel stehen schon jetzt im Wettbewerb mit Computeralgorithmen. So nutzt der Europäische Gerichtshof einen Hochleistungsrechner für die Vorbereitung und Strategie bestimmter Rechtsfälle (Erfolgswahrscheinlichkeit bereits bei 80 Prozent).

Und weil dies alles so kommen wird, stehen dem Handwerk goldene Zeiten bevor. Aktuell sieht es in den meisten Zünften wirtschaftlich relativ gut aus, aber diese positive Geschäftslage wird zunehmend getrübt durch den fehlenden Nachwuchs, den Mangel an jungen Menschen, die bereit sind, Handwerksberufe oder andere „Dienste am Menschen“ auszuüben. Gegenwärtig deutet sich an, dass in naher Zukunft von den Schulabgängern 50 Prozent eine Lehre und 50 Prozent ein Studium beginnen werden. Zwar sind bei diesem Ansturm auf Fachschulen und Universitäten noch zu viele „brotlose ­Künste“ im Visier, aber der Trend ist nicht aufhaltbar.

Für alle, die einen nicht akademischen Ausbildungsweg anstreben, ist die Entscheidung für einen Handwerksberuf eine sichere Wahl. Der Austausch einer defekten Dachrinne, die Behebung der elektrischen Störung im Haus oder die individuelle Pflege eines Kranken wird erst im „Zeitalter der Androiden“ (fünfte industrielle ­Revolution) für Menschen bezogen auf deren Arbeitsplätze eventuell gefährlich sein. Aber das dauert noch! Nächste ­Generationen haben dann Arbeit bezogen auf den Anteil des Menschen gesellschaftlich neu zu definieren.

Je individueller die Tätigkeit und je ­näher am Menschen, ­
desto sicherer der ­Arbeitsplatz in der ­Zukunft!

Aber auch in den verbleibenden ­Berufen wird der Computer zum ­täglichenArbeitsinstrument: Die On-Board-Diagnose in der Kfz-Werkstatt oder der Mess­algorithmus beim Schornsteinfeger und Heizungsbauer – überall steigen die geistigen Anforderungen. Weiterbildung hat existenzielle Bedeutung!

Von zentraler Bedeutung ist, wie wir zukünftig den erwirtschafteten Reichtum in der Gesellschaft auf alle verteilen. Wie sagte Henry Ford: „Autos kaufen keine Autos!“ Das Einkommen der Menschen muss immer so hoch sein, dass sie sich die Dienstleistungen auch leisten können. Das bedingungslose Grundeinkommen oder etwas Vergleichbares (gesellschaftliche Alimentierung großer Bevölkerungsteile) werden immer wahrscheinlicher.

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