Job-Profil: Wie ist das Leben als Bodyguard, Herr Schönfeld?

Auch wenn alle Personenschützer eine kugelsichere Weste und viele eine Waffe tragen, ist es für Schönfeld noch nie zur Schießerei gekommen.
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  • Auch wenn alle Personenschützer eine kugelsichere Weste und viele eine Waffe tragen, ist es für Schönfeld noch nie zur Schießerei gekommen.
  • Foto: Defcon
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Marcus Schönfeld führt ein Leben mit den Stars. Gerade ist er zurück von einer Englandtour der „Red Hot Chili Peppers“. Ob Andrea Berg, „Volbeat“, „Tokio Hotel“ oder japanische Girlgroups – sie alle möchten den Schutz des Erfurter Sicherheitsberaters nicht missen.

Eigentlich wollte sich Schönfeld nur etwas zum BWL-Studium hinzuverdienen, als er vor zehn Jahren den Einlass im Greußener Kulturhaus kontrollierte. Heute gehört sein Sicherheitsdienst Defcon zu Thüringens Spitze, sorgt unter anderem für den Veranstaltungsschutz der Messe Erfurt.

Wer außerdem die Stars schon zum Frühstück begleitet und abends sicher zu Bett bringt, ist schnell per Du mit den Künstlern. „Ein sattelfestes Englisch muss also sein.“ Auch menschlich muss es passen. Empathie ist wichtig, um sich auf die VIP-Bedürf­nisse einzustellen.

„Wir werden dafür bezahlt, in andere Länder zu reisen. Auch der Blick hinter die Kulissen macht einen großen Reiz des Berufs aus.“

Sicherheitsberater Marcus Schönfeld

Doch bei aller Nähe: Mit Hollywoodfilmen wie „Bodyguard“ hat der Job nur wenig gemein. In einen Promi verliebt hat sich zumindest noch keiner seiner Mitarbeiter. So richtig aus dem Nähkästchen plaudern mag der 35-Jährige aber auch gar nicht, denn Diskretion ist oberstes Gebot für den Personenschützer. „Es gibt schon viele lustige Momente, die man mit den Klienten teilt. Aber die sind eben privat.“ Nur so viel: „Das sind alles normale und nette Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte.“

Ein Klischee stimmt aber doch: Die Sicherheitsexperten haben einen Knopf im Ohr. Sich zu verständigen, ist für die Teamarbeit nämlich unabdingbar. „Einen Rambo als Einzelkämpfer suchen wir nicht. Wir brauchen unauffällige Mitarbeiter, die sich selbst dezent zurücknehmen und den Kunden immer an erste Stelle setzen.“

Sicherheit bedeutet Informationsvorsprung.

Ein Großteil der Arbeit beginnt ohnehin schon lange vor einer Konzerttour. „Sicherheit bedeutet für uns Informationsvorsprung.“ Das heißt: Vor jedem Einsatz werden alle Fakten gesammelt und ausgewertet, viele Gespräche geführt, Orte und Strecken in Augenschein genommen. „Wir schlagen nirgendwo auf, um uns dann überraschen zu lassen.“ Dabei denken sich Schönfeld und sein Team in manchen wirren Geist hinein. „Derzeit ändert sich unser Job schlagartig. Die vergangenen Wochen waren eine Entwicklung, die unschön ist, auf die wir uns aber einstellen müssen. Wir sind also weniger beunruhigt über die 10 000 Gäste. Wir sorgen uns um den einen Verrückten mit bösen Hintergedanken.“  

Angst um sein Leben hat der Erfurter nicht. Auch wenn alle Personenschützer eine kugelsichere Weste und viele eine Waffe tragen, ist es für Schönfeld noch nie zur Schießerei gekommen. Richtig mulmig wird ihm hingegen wegen seiner Flugangst. „Dabei reise ich so viel, dass ich oft nicht weiß, welcher Tag gerade ist. Für meine Familie ist es nicht leicht, bin ich mal zwei Monate nicht zu Hause.“

Hintergrund


Wo?

Eine einheitliche Ausbildung im Personen- und Veranstaltungsschutz gibt es bislang noch nicht. Verschiedene Bildungsträger wie die Industrie- und Handelskammer bieten eine Sachkunde-Prüfung für das Bewachungs­gewerbe als Grund­lage an. Es gibt einige Quer­einsteiger und viele Fähigkeiten werden nach dem Learning-­By-Doing-­Prinzip erlernt. Der Großteil des Sicherheitspersonals arbeitet selbstständig.

Was?
Geschult werden Rechtswissen, der Umgang mit Menschen, Unfallverhütung, Grundlagen der Sicherheitstechnik, Observation, Fahr- und Schießtraining.

Vita
• Marcus Schönfeld (35) ist studierter Diplom-Betriebswirt.
• 2006 gründete der ­Erfurter das Unternehmen Defcon (Defense Consulting).
• Der Sicherheitsdienst ist weltweit im Einsatz für Firmen, Künstler und Privatpersonen.
• Infos: www.defcon.eu

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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