Kevin wird nicht Kanzler und Chantal in der Schublade - Wenn Kinder unter ihren Vornamen leiden

Wären auf diesem Bild Chantal Merkel und Kevin Gauck zu sehen, wären die beiden wohl nicht Kanzlerin und Bundespräsident. So zumindest sind die Vorurteile von Lehrern.
  • Wären auf diesem Bild Chantal Merkel und Kevin Gauck zu sehen, wären die beiden wohl nicht Kanzlerin und Bundespräsident. So zumindest sind die Vorurteile von Lehrern.
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Anfang September wurden die Erstklässler eingeschult und beginnen jetzt den „Ernst des Lebens“. Ich wünsche ihnen für diesen Lebensabschnitt viel Glück. Vor allem wünsche ich ihnen Grundschullehrer, die sich nicht von Vorurteilen leiten lassen, hören sie die Vornamen der Kinder.

Dass dem leider so ist, dies hat eine Untersuchung der Universität Oldenburg vor einiger Zeit bestätigen können. Rund 3000 Lehrer wurden befragt und sie sollten bestimmten Vornamen aus ihrer Sicht wahrscheinlich zutreffende Persönlichkeits­eigenschaften zuordnen.

Populäre Namen (ab dem Jahr 2000) wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob wurden eher Eigenschaften wie freundlich, leistungsstark und verhaltens­unauffällig zugeschrieben. Dagegen kommen Kinder mit den Vornamen Nancy, Mandy, Angelina, Jaqueline, Dustin, Steve, Rico, Nico oder Justin schlechter weg. Bei diesen Namen geht das Vorurteil eher in Richtung leistungsschwach und verhaltensauffällig. Ein Lehrer schrieb unter seinen Fragebogen: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“

Alexander und Michael sind allzeit populär

Insbesondere bildungsferne Schichten neigen der Studie zufolge dazu, die Vornamen ihrer Kinder aus aktuellen Trends und persönlichen Präferenzen zu „Stars und Sternchen“ aus Film, Fernsehen und Musik abzuleiten. Oder sie übertreiben es in ihrem Bestreben, sich von der grauen Masse der Alltagsnamen abzugrenzen. Ein unglücklicher Vorname kann die gleichen fatalen Folgen haben wie die „berühmten“ Tattoos aus den 90er-Jahren oberhalb des Steißbeins.

Dabei ist diese Problematik überhaupt nicht neu. Schon Mitte der 60er-Jahre haben österreichische Forscher den Zusammenhang zwischen Vornamen und der Benotung von Aufsätzen erkannt. Aus den USA sind ebenso zahlreiche Studien bekannt, die belegten, dass rassistische Motive anhand des Vornamens die Bewerberauswahl beeinflussten. Namen lösen nun einmal Emotionen aus und Menschen denken in Kategorien. Schnell kommt man dann als Chantal in eine Schublade, die eine Ableitung von der sozialen Herkunft vermuten lässt.

Vornamen verraten Alter und Attraktivität

Aber Vornamen verraten noch mehr. Chemnitzer Forscher wiesen nach, wie man aus Vornamen auf das wahrscheinliche Alter, die Attraktivität und (in geringerem Maße) auch auf die vermutliche Intelligenz der Person schließen kann. Zum Glück führen derartige Untersuchungen dazu, dass in der Ausbildung unserer Lehrer und in der ständigen Qualifizierung diese Problematik angesprochen und mehr Sensibilität in diesem Kontext entwickelt wird. Trotzdem sollten sich zukünftige Eltern mehr Gedanken bei einer so fundamentalen Entscheidung wie der Namensgebung machen.

Die Chemnitzer Psychologen empfehlen den Eltern zeitlose Namen wie Michael, Alexander, Anna, Claudia und andere. Moderne Namen für „Zeitgeist-Kinder“ werden schnell altmodisch, irgendwann belächelt und das positive Ziel kehrt sich um.

Tipp
Umfassend zur Problematik ­Namensgebung von Kindern kann man sich auf der Internet­seite www.beliebte-­vornamen.­de informieren.

Autor:

Matthias S. Freund aus Erfurt

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